15.08.2013

Dieter Widmann, Fußballpionier in Afrika

»Der Rassismus war allgegenwärtig«

Dieter Widmann war der erste weiße Trainer im ehemaligen deutschen Kolonialstaat Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Wir sprachen mit ihm über die hässliche Fratze der Apartheid und seinen Ruf als »Mr. Dieter«.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Dieter Widmann, wie wird man als deutscher Lehrer Nationaltrainer von Namibia?
1970 machte ich mein Staatsexamen an der Uni Würzburg und begann mein Referendariat als Lehrer für Sport und Chemie an einem Gymnasium in Nürnberg. 1974 erhielt ich das Angebot vom Auswärtigen Amt, die Nationalmannschaft von Nigeria zu betreuen…

Einfach so?
Das waren andere Zeiten. Der afrikanische Fußball war noch längst nicht so professionalisiert wie heute. Ich hatte mir als torgefährlicher Stürmer der Uni-Auswahl Würzburg einen Namen in der akademischen Fußball-Szene gemacht und so kam man auf mich. Allerdings zog das Auswärtige Amt seine Anfrage in letzter Minute zurück, Jugoslawien übernahm die Pionierarbeit in Nigeria.

Wie kamen Sie dann nach Südwestafrika, wie Namibia damals genannt wurde?
Ich bekam das Angebot, als Lehrer an der DHPS (Deutsche Höhere Privatschule, d. Red.) in Windhuk zu arbeiten. Da musste ich nicht lange überlegen. Zunächst betreute ich die Schulauswahl, und spielte mit einigen dieser Schüler bei den FC Wanderers, die damals in der zweiten Liga spielten. Ich war Mitte 30, aber das Talent reichte noch aus, um Torschützenkönig zu werden. Ich hatte mir einen Namen gemacht.

Und dann kam das Angebot vom namibischen Fußballverband?
Noch nicht. Stattdessen übernahm ich zusätzlich zu meinen Wanderers das Training der African Stars, eine Herero-Auswahl aus dem Windhuker Stadtteil Katutura (Die Herero sind ein aus Namibia stammendes ehemaliges Hirtenvolk, d. Red.). Ich wurde der erste weiße Trainer einer schwarzen Mannschaft in Namibia.

Was war das für ein Stadtteil?
Der Rassismus und die Apartheid waren Mitte der Siebziger in Südwestafrika allgegenwärtig. Es gab eigene Eingänge für Weiße und Schwarze in Apotheken, Polizeistationen, öffentlichen Einrichtungen, Supermärkten – überall. Schwarze durften nur in Katutura leben und übernachten, sie arbeiteten für die Weißen und mussten dann vor Einbruch der Dunkelheit wieder in ihrem Stadtteil sein. Wer als Weißer nach Katutura wollte, musste sich eine Sondergenehmigung einholen, für seine Sicherheit konnte dann nicht mehr garantiert werden. Katutura bedeutet übrigens so viel wie »Dort will ich nicht wohnen«.

Warum nahmen Sie dann diesen gefährlichen Job an?
Ich bin in einem liberalen Haushalt groß geworden. Meine Eltern haben mich mit dem Grundsatz vom Alten Fritz großgezogen, wonach jeder nach seiner Fasson selig werden soll. Das habe ich den Menschen vor Ort auch gleich deutlich gemacht: Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen schwarz und weiß, für mich sind alle Menschen gleich.

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