04.03.2011

Dieter Schatzschneider über Hannovers Höhenflug

»Ich träume von einer Nacht mit Ronaldo«

Hannover 96 spielt die beste Bundesligasaison der Vereinsgeschichte, nun steigt das Topspiel gegen die Bayern. Klubidol Dieter Schatzschneider denkt schon weiter: Er will mit Real Madrid in der Techno-Disse tanzen.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Dieter Schatzschneider, die Expo 2000 hat es nicht geschafft. Macht nun 96 Hannover zur Weltstadt?

Dieter Schatzschneider: Es stimmt, die Expo ist kläglich gescheitert. Bei 96 aber sehe ich viel Gutes, und ich beginne zu glauben, dass wir es unter die ersten Fünf schaffen können. Also: Europa, wir kommen! Ich hoffe bloß, dass wir es weitaus geschickter anstellen als die Expo-Organisatoren und am Ende nicht auf einem Schuldenberg sitzen bleiben.   



Haben Sie eine Wette laufen? Rennen Sie nackt um den Maschsee, wenn 96 sich für die Champions League qualifiziert?

Dieter Schatzschneider: Das möchte weder mir noch meinen Mitbürgern zumuten! Aber ich kann mich erinnern, dass ich schon vor einigen Jahren zu unserem Präsidenten Martin Kind gesagt habe: »Mensch, Herr Kind! Einmal nachts mit dem Auto um den Cibeles-Brunnen in Madrid kurven – das wär's doch!« Nun sind wir nah dran.   

Redet Kind eigentlich noch von der Abschaffung der 50+1-Regelung? Oder hat er gesehen, dass man auch ohne die Kohle eines Investors oben mitmischen kann?

Dieter Schatzschneider: Aber natürlich redet er noch davon! Es ist und bleibt sein oberstes Ziel. Und ich möchte ihm auch schwer raten, davon nicht abzulassen! Warum sollte 96 nicht das gleiche Recht haben wie Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg, die ja längst in der Hand großer Konzerne sind? Auch wenn wir jetzt oben mitspielen, weil wir bei einigen Transfers ein glückliches Händchen hatten – dauerhaft etablieren können wir uns dort nur, wenn Chancengleichheit besteht. Verdammt noch mal!   

Apropos glückliches Händchen: Ya Konan schießt Tore am Fließband. Sind Sie sauer, dass da jemand Ihren Status als bester Stürmer der Vereinsgeschichte ins Wanken bringt?

Dieter Schatzschneider: I wo! Ich freue mich enorm für den Jungen. Der ist in aller Munde. Aber noch besser gefällt mir Emanuel Pogatetz. Den muss ich mal ausdrücklich loben! Der ist fußballerisch nicht gesegnet, am Anfang dachte ich sogar noch: »O Gott, O Gott, O Gott!« Aber der macht alles über seine fantastische Einstellung, der bringt das Eisen zum Glühen und reißt die Kollegen mit. So einer hat uns wahrscheinlich sogar mehr gefehlt als Ya Konan.   

Kaum Talent, aber viel Fleiß – bei Ihnen war es genau umgekehrt.

Dieter Schatzschneider: Stimmt. Dennoch würde es mich reizen, gegen den Pogatetz im Duell Mann gegen Mann anzutreten. Ich früher und er heute – da würde die Bundesliga mit der Zunge schnalzen!  

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