19.03.2010

Dieter Prestin über Köln-Gladbach

»Petit ist das egal«

Es ist wieder Derby-Zeit in Köln und alle sprechen über ein Thema: Die Sicherheitsvorkehrungen. Da machen wir nicht mit und sprachen dem Kölner-Urgestein Dieter Prestin über Legionäre, Hennes Weisweiler und Lukas Podolski.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
Dieter Prestin, was macht das rheinische Derby zwischen Köln und Gladbach für Sie so besonders?

Das Derby ist natürlich eine Traditionsgeschichte und der Konkurrenzkampf zwischen Gladbach und Köln war immer etwas Besonderes. Die ganze Region stand unter Starkstrom. Zu meiner aktiven Zeit in den 70ern waren beide Vereine top, das heißt, man hat in der Regel immer direkt um die Meisterschaft gespielt. Das hat die Massen elektrisiert.



Hat sich der Derbycharakter mit den Jahren verändert?

Allein durch den sportlichen Nicht-Erfolg beider Mannschaften geht die Tradition immer mehr verloren. Und worauf man hinweisen muss: Früher gab es Spieler, die sich mit solch einer Thematik identifiziert haben. Das war damals bei den Gladbachern genauso wie bei uns, weil in der Regel eine Sprache gesprochen wurde und nicht bis zu zehn verschiedene. Bei uns war es so, ganz egal, ob man zum Bäcker, zum Metzger, ins Kaufhaus, zum Auto waschen ging, es wurde überall über dieses Spiel gesprochen. Im Vorfeld hieß es immer wieder: »Die Gladbacher müsst Ihr weghauen!«

Die Fans waren Ihre Extra-Motivation?


Man hat eben nicht nur über die Medien mitbekommen, dass es ein Derby gibt. Die Fans haben einem das tagtäglich vorgelebt. Ich glaube, das ist der größte Unterschied zu heute: ich habe nichts gegen ausländische Spieler, aber die Identifikation mit den Fans in Bezug auf solche Derbys, die ist ganz einfach nicht mehr vorhanden. Wir sind damals positiv gezwungen worden, uns mit dieser Thematik auseinander zu setzen, da wir auf der Straße ständig darauf angesprochen wurden.

Udo Lattek sagte zuletzt: »Es gibt zu viele Spieler, denen es egal ist, wenn der FC absteigt.« Auch die Tatsache, dass Petit die Partie gegen Mainz, in der er gesperrt fehlte, nur in einer Zusammenfassung gesehen hat, unterstützt diese These.

Man muss klar und deutlich sagen, die Szenerie hat sich verändert. Das heißt: eine Identifikation mit dem Verein, eine Identifikation mit den Fans ist nur noch in seltenen Fällen zu finden. Spieler wie beispielsweise Petit, da muss ich dem Udo mehr als nur recht geben, haben damit generell deutlich weniger zu tun. Es gibt mittlerweile ein Arbeitsverhältnis zwischen dem 1. FC Köln und dem Spieler; der 1. FC Köln zahlt das Gehalt, und der Spieler versucht im Gegenzug dafür Leistung zu erbringen.

Besteht der Derby Gedanke heute nur noch auf der Fanebene?

Bei den Fans ist er natürlich vorhanden, aber auch beim Verein. Für Wolfgang Overath, Michael Meier auf der einen oder für Michael Frontzeck auf der anderen Seite ist es schon noch etwas Besonderes. Die haben all diese Dinge auch noch selbst erlebt. Nur es ist sehr schwer, dieses Besondere auf die Mannschaft zu übertragen, weil es Spielern wie Petit wirklich vollkommen egal ist.

Kann denn nicht jemand wie Lukas Podolski diese Spannung an die Mitspieler weitergeben?


Das kann Spielern helfen, sich überhaupt mit diesem Thema auseinander zu setzen. Wenn zum Beispiel ein Kevin McKenna spielen würde, der sich dann mit dem Gedanken auseinander setzt: »Was ist ein Derby? Was ist das Besondere?« So wie es aktuell ist, ist der Derbycharakter doch nur eine Facette, die außerhalb des Spielfeldes zum Tragen kommt. Vielen Spielern fehlt die innere Verbundenheit mit dem Verein und den Fans.

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