Dieter Klapheck über Thomas Müller

»Er war zu leicht«

Noch vor einem Jahr war nicht absehbar, dass Thomas Müller beim FC Bayern durchstarten würde. Doch wie das so ist: Sein Jugendtrainer, Dieter Klapheck, hatte alles vorausgeahnt. Vor dem CL-Halbfinale in Lyon sprachen wir ihm. Dieter Klapheck über Thomas MüllerImago

Dieter Klapheck, vor zehn Jahren trainierten Sie Thomas Müller in der E-Jugend des TSV Pähl. In wenigen Minuten spielt er mit dem FC Bayern im Halbfinale der Champions League. Hätten Sie ihm diese Karriere zugetraut?

Ich habe an ihn geglaubt, das schon. Ich wusste, dass er mal Profi wird. Und doch muss ich sagen, dass diese steile und raketenartige Karriere mir manchmal sehr unwirklich vorkommt. Außenstehende waren damals oftmals skeptisch: Sie hielten Thomas Müller für einen guten Jungen, der kann fein dribbeln, hat ein super Spielverständnis, trifft das Tor wie kaum ein anderer Junge in seinem Alter. In der besagten E-Jugend-Saison schoss er ja weit über 100 Tore. Und dennoch: Dass er es ganz nach oben schaffen wird, war nicht für jeden voraussehbar. Er hatte sehr dünne Beinchen, war nicht so robust wie andere, eigentlich zu leicht. Sie fragten sich: Sieht so einer aus, der bald um den Einzug in ein Champions-League-Finale spielt? Einer, der Mario Gomez und Miroslav Klose auf die Bank verdrängt?

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Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Thomas Müller?

Ich kam 1999 vom MTV Diessen zum TSV Pähl. An meinem ersten Tag stand Thomas Müller um 16 Uhr am Trainingsplatz, ich war sehr verwundert, denn das Training sollte erst um 17:30 Uhr beginnen. Der war so heiß auf Fußball. Selbst nach dem Spiel ging es weiter. Und die Netze, Bälle und Trainingsgeräte wurden ohne Murren in den Schuppen verstaut. Schön auch, wie seine Eltern guckten. Die Mutter sagte: »Zu Hause räumt der Junge nie mit dieser Sorgfalt auf.«

War es gang und gäbe, dass Scouts vom FC Bayern oder 1860 München bei den Spielen der E-Jugend an der Seitenlinie standen?

Durchaus. Schon während meiner Zeit in Diessen war das so. In jenen Jahren waren die Scouts sehr interessiert an Sandro Kaiser, der ja letztendlich zu 1860 München wechselte. Beim TSV Pähl war es noch extremer. Das hing auch damit zusammen, dass wir im Merkur-Cup (das größte E-Jugend-Turnier der Welt mit über 400 Teams, Anm.) immer sehr gut abschnitten. Wir waren hinter 1860 und der Bayern-Jugend meistens in den »Top 5« der teilnehmenden Mannschaften. Die Folge: Sogar Reporter warteten bei unseren Partien an der Seitenlinie und fragten nach dem Spiel nach Interviews. Das muss man sich mal vorstellen: Bei E-Jugend-Spielen!

Im Jahr 2000 wechselte Thomas Müller dann zum FC Bayern. Wie kam das?

Das ging alles so verdammt schnell. Ständig tauchten Bayern-Jugendtrainer auf, Thomas Müller war ja ein Junge, der mitunter in einem Spiel zweistellig traf, den konnte man also nicht übersehen. Eines Tages kam dann Thomas’ Vater zu mir und sagte, dass er seinen Spielerpass benötige. Da wusste ich, es ist soweit. Thomas verlässt Pähl. Aber es war natürlich das einzig Richtige.

Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Seine Eltern sehe ich oft, und wenn Thomas zu Besuch ist, sehe ich auch ihn. Wissen Sie, Pähl ist ein Dorf. Man kennt sich hier. Heute drücken 2500 Einwohner die Daumen – da können Sie sicher sein!

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