25.02.2011

Dieter Hoeneß über die Wolfsburger Krise

»Dzeko, Dzeko, Dzeko - das ging den Spielern auf den Keks«

Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß über die Misere des VfL Wolfsburg, Pierre Littbarski, eigene Fehler – und das heutige Duell mit seinem Ex-Mitstreiter Lucien Favre, der jetzt Borussia Mönchengladbach trainiert.

Interview: Sven Goldmann Bild: Imago
Herr Hoeneß, wann haben Sie denn das letzte Mal mit Lucien Favre gesprochen?

Wir stehen schon seit längerem in losem Kontakt. Er hat mich mehrfach um Rat gefragt und wir haben ein paarmal telefoniert und uns auch getroffen, weil er unbedingt in die Bundesliga zurückkehren wollte.



Es heißt, er habe mit Ihnen über ein Engagement beim VfL verhandelt. Können Sie das bestätigen?

Nein, das haben wir nicht.

Jetzt heißt Ihr Trainer Pierre Littbarski.

Stimmt. Mit ihm wollen wir den Klassenerhalt schaffen und sind überzeugt, dass es gelingt. Für die Zeit danach suchen wir eine strategische Lösung, und die wird auch nicht Lucien Favre heißen, denn der hat ja gerade in Gladbach unterschrieben.

Am Freitag gibt es ein Wiedersehen. Favre kommt mit Borussia Mönchengladbach nach Wolfsburg. Freuen Sie sich auf das Wiedersehen mit Favre?

Grundsätzlich ja, weil er ein sehr guter Trainer ist. Aber bei diesem Spiel geht es um die Tabelle, nicht um die Rolle von Lucien Favre und unsere gemeinsame Vergangenheit. Und das Spiel entscheiden nicht Pierre Littbarski oder Lucien Favre, sondern 22 Spieler auf dem Platz.

Halten Sie Favre für den richtigen Trainer im Abstiegskampf?

Ich finde es richtig, dass Gladbach ihm einen Zweijahresvertrag gegeben hat. Denn er ist ein Trainer, der etwas aufbauen kann. Offenbar ist er sehr gut vorbereitet auf die Bundesliga, das hat man beim Sieg gegen Schalke am letzten Sonntag gesehen. Er ist neben Pal Csernai der beste Taktiktrainer, den ich je erlebt habe. Aber es hat eben auch bei Hertha BSC eine ganze Zeit gebraucht, bis das die Mannschaft verstanden hat. Ein Feuerwehrmann ist er mit Sicherheit nicht.

Mit Hans Meyer hat Ihnen angeblich ein möglicher Helfer in der Not abgesagt.

Ich habe das auch nur im Videotext gelesen.

Hatten Sie Kontakt zu ihm?

Natürlich, aber das ist schon ein Jahr her und es ging nicht um den VfL Wolfsburg. Offenbar ist er von den Medien angesprochen worden, ob er sich bei uns eine Rolle als Feuerwehrmann vorstellen kann.

Bleibt Littbarski auch, wenn das Spiel gegen Gladbach verloren geht? Oder haben Sie für diesen Fall einen Plan C im Kopf?


Also bitte! In diese Falle werde ich nicht reintappen. Wir schaffen das! Etwas anderes werden Sie von mir nicht hören.

Pierre Littbarski ist eher als Spaßvogel bekannt. In seiner neuen Rolle wirkt er auf einmal sehr ernst. Ist das authentisch?


Unsere Lage ist nun mal sehr ernst. Pierre Littbarski war als Spieler ein Spaßvogel. Den Trainer Littbarski habe ich als sehr akribischen und ernsthaften Mann kennengelernt.

Hat er von Ihnen den Auftrag erhalten, hart durchzugreifen?

Die Mannschaft hat den Wunsch geäußert, dass hier mit mehr Konsequenz vorgegangen und auch knallhart durchgegriffen wird. Unsere Mannschaft hat es leider nicht gelernt, eigenverantwortlich zu arbeiten, und braucht Führung. Sie braucht eng gelegte Leitplanken, in denen sie sich bewegen kann. Es mag sein, dass das noch ein Stück weit ein Relikt aus der Zeit von Felix Magath ist, weil die Mannschaft damals das Ausleben von Eigenverantwortung nicht gelernt hat.

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