17.11.2008

Dieter Hoeneß im Interview

»Es war ein Geduldsspiel«

Seit elf Jahren ist Dieter Hoeneß der starke Mann beim Hauptstadtklub Hertha BSC. Wir sprachen mit dem Manager über kleine Tiere in der Dusche, Spielertransfers im Hotelzimmer und ein neues Stadion für Berlin.

Interview: Philipp Köster und Jens Kirschneck Bild: Imago
Dieter Hoeneß, wissen Sie eigentlich, dass sich eine Fußballmannschaft nach Ihnen benannt hat? Der mehrfache Meister der Wilden Liga Bielefeld heißt »Dieter Hoeneß Hirnverband«.

Ja, ich erinnere mich. Die hatten mich schon mal angeschrieben. Und auch die Satirezeitung »Titanic« hat mich mit dem blutigen Turban abgebildet, Schlagzeile: »Auch Männer haben ihre Tage.«



Erstaunt es Sie, wie sehr Sie noch heute mit diesem Spiel verbunden werden, dem Pokalfinale 1982, in dem Sie mit einer Platzwunde und dem Kopfverband spielten?


Natürlich erstaunt mich das, zumal es während des Spiels keinesfalls so dramatisch war, wie es offenbar am Bildschirm rüberkam. Es ging die ganze Zeit nur darum, die Blutung zu stoppen. Aber gesundheitsgefährdend war das nicht.

Hatten Sie während der 90 Minuten eine leise Ahnung davon, was für einen Nachhall dieses Spiel haben würde? Nein, ein Vollblut-Fußballer wie ich einer war, denkt zu keinem Zeitpunkt daran, wie das im Fernsehen rüberkommt. Und ich wusste ja nicht, dass Dieter Kürten im ZDF jedes Mal, wenn ich mit dem Turban ins Bild kam, kommentierte, mich auf dem Platz zu lassen sei unverantwortlich.

Also keine Gefahr für niemanden?


Nun, zu dieser Geschichte gehört ja auch, dass meine Frau hochschwanger mit dem zweiten Kind daheim saß und die Bilder sie ziemlich mitnahmen. Die größte Gefahr war also die einer Frühgeburt. Aber wie man heute weiß, hat der Sebastian das Pokalfinale unbeschadet überstanden.

Dass Sie überhaupt in die Situation kamen, im DFB-Pokalfinale als Stürmer aufzulaufen, hatten Sie einem Sinneswandel zu verdanken, oder?

Ich habe ja in den Jugendmannschaften zunächst Torwart gespielt und hatte alle Anlagen, um höherklassig spielen zu können. Bis ich im Alter von 15 Jahren gemerkt habe, dass das nicht meinem Naturell entsprach.

Ihnen war hinten langweilig?


Mir war langweilig. Oder anders formuliert: Was machst du als Torwart, wenn du 0:1 hinten liegst? Du kannst nur hoffen, dass die Stürmer noch ein paar Tore machen. Selber gewinnen kannst du das Spiel nicht mehr. Das lag mir nicht.

Obwohl Sie anschließend in diversen Auswahlmannschaften spielten, hing Ihre Profikarriere lange am seidenen Faden. Beinahe wären Sie Lehrer geworden, für Sport, Englisch und Geografie.

Mein Weg war sicher nicht der klassische Werdegang eines Jungprofis. Aber ich habe mich damals halt für viele Dinge interessiert, für die Politik, die Malerei. Ich habe deshalb auch angefangen, in Tübingen zu studieren, und bis kurz vor dem Examen durchgehalten, obwohl ich da schon Profi beim VfB Stuttgart war.

Wie ließ sich das vereinbaren? Mühsam war es, ich bin ja gependelt. Heute kommt man über die B14 schnell von Tübingen nach Stuttgart, damals brauchte man für einen Weg anderthalb Stunden. Aber es hat sich gelohnt.

Wie viel ist hängen geblieben?

Das Englischstudium war sicher später bei Verhandlungen ganz nützlich. Aber das hätte ich mir auch anderweitig beibringen können. Viel wichtiger war, dass das Studium mich geerdet, mein Blickfeld erweitert hat. Es war gut, mit Gleichaltrigen zu studieren, die von Bafög lebten, die in Wohngemeinschaften ihre Zimmer hatten. Das hat mir später geholfen, als die Karriere als Fußballer beim FC Bayern richtig losging.

Erzählen Sie uns vom Leben als Profi in den 70ern. Gab es damals schon die Massenverehrung, wie sie den Spielern heute zuteil wird?


Sicher war das nicht so extrem wie heute. Aber auch damals gab es Groupies beim Training (lacht). Und beim Training des FC Bayern waren acht, neun Journalisten bei jeder Übungseinheit dabei, meistens auch ein Kamerateam. Mit dieser plötzlichen Popularität musste man umgehen können.

Was hat Ihnen dabei geholfen, vom Studium mal abgesehen?

Dass mein Bruder Uli und ich aus einem sehr gesunden Elternhaus kamen. Und dass ich erst mit 22 Jahren Profi geworden bin. Ich konnte vieles gelassener sehen.

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