14.12.2006

Dieter Hecking im Interview

„Ich will Titel gewinnen“

Seit dem dritten Spieltag ist Dieter Hecking zurück in Hannover. Wer denkt, der Mann habe Heimweh gehabt, der irrt. Im Gespräch mit 11freunde.de stellt sich heraus: Ehrgeiz ist es, was ihn antreibt.

Interview: Andre Tucic Bild: Imago
Niedersachsen ist nicht als leidenschaftliche Fußball-Region bekannt. Sind Hannover 96 und der VfL Wolfsburg etwa graue Mäuse?

Sagen wir so: Hannover 96 hat Tradition, auf die andere Bundesligisten nicht verweisen können.

Wie fühlt es sich an, bei Ihrem Wunschverein Trainer zu sein und gleich in den ersten Wochen für einen Höhenflug zu sorgen?

Ob das ein Höhenflug ist, sei mal dahingestellt. Es ging erst einmal darum, eine gemeinsame Spielphilosophie zu entwickeln, um das Gebilde Hannover 96 zu stabilisieren. Das ist uns mit nunmehr 20 Punkten gelungen, was vor fünf bis sechs Wochen in der Form nicht zu erwarten war. Das ist aber keineswegs ein Ruhekissen. Wenn wir uns darauf ausruhen, wird die Tendenz sicherlich in eine falsche Richtung gehen.



Wie so viele andere Bundesligisten hat Hannover 96 Probleme bei Heimspielen. Sind Sie daher froh, dass die letzte Vorrundenpartie auswärts in Nürnberg stattfindet?

Nein, wir können ja nicht davon ausgehen, dass wir auswärts immer so erfolgreich punkten wie zuletzt. Aber es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass wir auf fremden Platz so effizient spielen können.

Woran liegt es, dass es in der AWD-Arena hapert, fehlt es an dem spielerischen Moment?

Das ist kein generelles Problem von Hannover 96. Schauen Sie sich doch mal in der Liga um: Viele Mannschaften tun sich zu Hause schwer. Auch wir haben sicherlich Probleme gegen Mannschaften, die hinten kompakt stehen und dem Gegner das Spiel überlassen. Wir müssen daran arbeiten, dass wir auch gegen tief stehende Gegner effektiv spielen, früher attackieren und den Gegner zu Fehlern zwingen.

Ist das ein grundlegendes Problem des deutschen Fußballs?

Ja, nehmen Sie doch nur das letzte Wochenende. Der VfB stolpert daheim beinahe gegen Bochum, die Bayern gegen Cottbus. Ich denke schon, dass die individuelle Klasse fehlt. Wo gibt es noch Spieler, die im Eins-gegen-Eins Lücken in der gegnerischen Abwehr reißen und Überzahlsituationen schaffen? Der Einzige, der mir auf Anhieb einfällt ist Jan Schlaudraff.

Zurück zum Ist-Zustand Ihres Teams: Elfter Platz, fünf Punkte Vorsprung auf den Sechszehnten, vier Punkte Rückstand auf den Fünften. Wohin geht die Reise?

Wir müssen weiter von Spiel zu Spiel denken. Auf uns warten Auswärtsspiele in Nürnberg und Bremen. Sollten wir da drei Punkte holen, könnten wir uns in der ersten Hälfte der Tabelle festsetzen. In der Liga gibt es jedoch keine großen spielerischen Unterschiede zwischen Platz fünf und Platz achtzehn. So einen Lauf, wie wir ihn haben, können jederzeit auch andere Mannschaften zu Wege bringen. Und die Spiele, die wir 1:0 gewonnen haben, können sicherlich auch mal 0:1 verloren gehen. Daher müssen wir auf der Hut bleiben.

Stünde 96 jetzt besser da, wenn Sie bereits zu Beginn der Saison Trainer bei 96 gewesen wären?

Natürlich will es nicht von der Hand weisen, dass es besser ist, eine gemeinsame Vorbereitungsphase mit der Mannschaft zu haben ...

... und auf die Zusammensetzung des Kaders Einfluss nehmen zu können.

Aber letztlich war es nicht so und ich bin erst nach dem dritten Spieltag zur Mannschaft gestoßen. Daher ist es müßig, darüber zu spekulieren.

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