09.06.2007

Dieter Degenhart im Interview - Stromausfall beim Aufstiegsspiel (2)

Aufstieg aus der Steckdose

Des einen Freud, des anderen Leid: Während die Kickers vom Stromausfall im Aufstiegsspiel profitierten, platzten für den FC Memmingen alle Träume von der Regionalliga. Präsidiumsmitglied Dieter Degenhart könnte heute noch sauer werden.

Interview: Dirk Gieselmann Bild: Imago
Man merkt Ihnen an, dass die Erinnerung an dieses Spiel Sie auch heute noch aufwühlt.

Klar. Aber ich stehe heute wie damals zu meinen Worten: Vielleicht hat der liebe Gott auch gewollt, dass wir nicht aufsteigen – und uns damit vor Schlimmerem bewahrt. Denn diese Pleitenserie von bayrischen Vereinen, die nach uns in die Regionalliga aufgestiegen sind, ist unheimlich. Kleine bayrische Vereine scheinen für solche Klassen nicht geschaffen zu sein. Die meisten mussten Konkurs anmelden.

Hand aufs Herz, Herr Degenhart: War es vielleicht doch nicht der liebe Gott, sondern der als „Schwarzer Abt“ bekannte Klaus Gerster, der das Licht ausknipste?

Nein. Solche Gedanken hatte ich nie und würde auch so etwas dem Klaus Gerster nie im Leben zutrauen. „Da kann man Offenbach endlich zum Aufstieg aus der Steckdose gratulieren“, sagte ich damals nach dem Prozess, bei dem das Wiederholungsspiel angesetzt wurde. Daraufhin sagte Gerster: „Endlich eine faire Geste vom FC Memmingen!“ Und damit war die Geschichte beendet.

War der FC Memmingen vor diesem Wiederholungsspiel im psychologischen Nachteil?

Natürlich waren unsere Spieler nach dem Abbruch riesig enttäuscht gewesen, und Kabinettstückchen solcher Güte wie im ersten Spiel gelingen nicht oft. Offenbach war also im Wiederholungsspiel der klare Favorit. Wir hätten aber genauso gut aus der Underdog-Rolle heraus agieren und gewinnen können.

Das Spiel ging jedoch mit 0:2 verloren. Haben Sie damals den Glauben in die Gerechtigkeit verloren?

Ach wissen Sie, ich hab im Leben schon so viele Sachen erlebt, die aus einem Zufall heraus entstehen, da bin ich nicht so empfindlich. Es hätte mich mehr getroffen, wenn wir durch diese Entscheidung abgestiegen wären.

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Hier erzählt der damalige Kickers-Manager Klaus Gerster aus seiner Perspektive von dem Spiel www.11freunde.de/ballkultur/102130 .

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