26.10.2007

Dieter Burdenski im Interview

„Der Torwart ist das Arschloch“

Dieter Burdenski blickt zurück auf ein bewegtes Torhüterleben. Bremens Rekordspieler fing sich die meisten Gegentore in einer Saison, und beim Bundesligaskandal 1970 kassierte er unwissend 2400 DM für die Niederlage gegen Bielefeld.

Interview: Christian Dittmar Bild: imago

Herr Burdenski, wie sind Sie eigentlich Torwart geworden?

Ich hatte das Glück, in einer Zeit groß geworden zu sein, in der wir jeden Tag draußen gespielt haben. Mit acht Jahren habe ich im Verein angefangen und wurde ins Tor gestellt. Mein Ausgleich war dann die Freizeit. Da konnte ich mich immer im Feld austoben.

Ihr Vater war auch ein erfolgreicher Fußballer. War er ein Vorbild für Sie?


Mein Vater war mein Vater. Er wird immer eine außergewöhnliche Persönlichkeit für mich bleiben, viel mehr als ein Vorbild. Rein sportlich war er zu seiner Zeit einer der besten Spieler Deutschlands, aber ich wollte ihm nie nacheifern.

1950 schoss er per Elfmeter das erste Länderspieltor der Nachkriegsgeschichte und erreichte so „Legendenstatus“.

Deutschland war ja immer noch fußballverrückt, und über 120 000 Zuschauer saßen im Stuttgarter Neckarstadion. Das war am 22. November, und vier Tage später wurde ich geboren – deswegen habe ich das nur bedingt mitbekommen (lacht). Also war es wohl eine schöne Woche für ihn.

Nervte es Sie am Anfang Ihrer Karriere, immer nur „Budde Junior“ zu sein?


Ja, sicher. Ich hatte schon lange in der Bundesliga gespielt, und es wurde immer noch gesagt: Dieter, der Sohn von Herbert Burdenski. Wenn man einen bekannten Vater hat, muss man auch immer ein wenig von seinem Schatten mittragen.

Sind die Erwartungen an den Sohn eines erfolgreichen Spielers höher?

Er war ja Feldspieler und ich Torwart, also konnte man uns beide schwer vergleichen. Unsere Konstellation war einmalig in Deutschland, dass Vater und Sohn Nationalspieler geworden sind, und der Vater dann sogar den Sohn trainiert hat.

Sie begannen in den sechziger Jahren als Torwart. Wie hat sich das heutige Torwarttraining und –spiel im Vergleich zu Ihrer aktiven Zeit verändert?

Wenn ich daran denke, wie die Ecken geschlagen wurden, dass sie lehrmäßig zum Elfmeterpunkt runterkommen mussten – das war wie in der Steinzeit. Aber zu der Zeit up-to-date. Danach kamen die Bananenflanken und die Rückpassregel. Und das sind Dinge, die von den heutigen Torhütern viel mehr fordern.

Bereits im Alter von 20 Jahren kamen Sie in der Saison 1970/1971 zum Einsatz. Hatten Sie damit gerechnet, so schnell ihr erstes Bundesligaspiel zu absolvieren?

Man hofft ja immer zu spielen. Das erste Spiel meiner Karriere werde ich nie vergessen: Es war mit Schalke gegen Bremen, und mein letztes hatte ich dann mit Werder auf Schalke. Da hat sich ein Kreis für mich geschlossen.

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