Diego Maradona im Exklusiv-Interview

»Mein Held war Karl-Heinz Förster«

Diego Maradona hat einen Doppelgänger. Sein Name: Abi Atici. Er sieht aus wie Diego, trägt die gleichen Tattoos wie Diego und wie heißt wohl sein Sohn? Genau. Vor dem Spiel von Maradonas Ex-Klub Neapel gegen Manchester City sprachen wir mit ihm. Diego Maradona im Exklusiv-InterviewBilder: Privat

Abi Atici...

Abi Atici: Nennen Sie mich ruhig Diego.

Nun gut, Diego. Wie wird man zu Diego Maradona, dem bekanntesten Fußballer des Planeten?

Abi Atici: Ich komme aus Göppingen, dem Heimatort von Jürgen Klinsmann. Und mein großer Held war früher eigentlich immer Karl-Heinz Förster, die Vorstopper-Legende! Ich spielte auf seiner Position, ich trug seine Nummer vier auf dem Rücken – aber ich sah ihm leider nicht wirklich ähnlich.

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Dafür aber »El Diez«, Argentiniens Superstar Maradona.

Abi Atici: 1989 war ich in München, um mir den SSC Neapel gegen die Bayern anzuschauen. Die italienischen Fans sind komplett ausgerastet, als sie mich in der Innenstadt sahen. Vorher hatte ich mir über die Ähnlichkeit mit Maradona kaum Gedanken gemacht. Also wagte ich einen Versuch und fuhr nach Neapel. Vor dem Mannschaftstraining hockte ich mich auf die Tribüne im Stadio San Paolo. Careca und Enzo Cannavale machten sich bereits warm. Als sie mich sahen, klappten ihre Kinnladen runter, sie dachten wirklich, ich sei Diego! Ich winkte ihnen zu und sie bekamen sich gar nicht mehr ein. Als dann auch noch die Neapel-Fans anfingen zu singen »Ho visto Maradona!« (»Ich habe Maradona gesehen«. d. Red.) wusste ich, wie meine Zukunft aussehen würde.

Nämlich als Doppelgänger des besten Fußballers aller Zeiten.

Abi Atici: Genau. Selbst mein Trainer in der Bezirksliga war so stolz, dass er mir meine Nummer vier wegnahm, fortan musste ich mit der Zehn auf dem Rücken auflaufen. Ich war sicherlich der überschätzteste Vorstopper in ganz Süddeutschland.

Als Maradonas Karriere Mitte der neunziger Jahre ein trauriges Ende fand...

Abi Atici: ...musste ich natürlich seinen Weg begleiten. Als Diegos Ehe in die Brüche ging, ließ sich auch meine erste Frau von mir scheiden. Sie konnte den Maradona-Hype nicht mehr ertragen. Überall wo wir hingingen, schrien die Menschen: »Diego! Diego!« Außerdem gefiel ihr wohl auch meine optische Veränderung nicht wirklich.

Sie haben doch nicht etwa...

Abi Atici: Was wäre ich denn für ein Doppelgänger, wenn ich meinem Vorbild nicht in jeder Beziehung nachahmen würde? Ich habe Diegos Tattoos, Diegos Ohrringe, Diegos Brillen, Diegos Anzüge und Diegos Zigarren. Als er sich im Drogenrausch die Haare erst blond und dann halb schwarz, halb blond färbte, musste auch ich zum Friseur. Wirklich problematisch wurde es, als Diego immer dicker wurde. Ich fraß mir zwar erst zehn Kilo an, merkte dann aber bald, dass ich mich so überhaupt nicht wohl in meinem Körper fühlte. Gott sei Dank ist er inzwischen wieder deutlich schlanker.


Fühlen Sie sich denn auch seelisch verwandt mit Ihrem Abziehbildchen?

Abi Atici: Oh ja. Ich gebe ihnen ein Beispiel: Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen Bart getragen. Aber als Diego vor einigen Jahren plötzlich Vollbart trug, ließ auch ich wachsen. Und siehe da: Wir beide haben an der exakt gleichen Stelle graue Barthaare! Das kann doch kein Zufall sein. Reicht ihnen das als Beweis?

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Nicht wirklich.

Abi Atici: Andere Geschichte: Vor ein paar Jahren verletzte ich mich am Knie, nach meiner OP lag mein Bein in Gips und ich musste auf Krücken laufen. Meine Kumpels zogen mich damit auf: »Diego trägt aber keine Krücken!« Ich sagte nur: »Wartet ab, bald schon.« Und siehe da: Kurze Zeit später baute Diego einen Autounfall und musste an Krücken gehen! Verrückt, oder?

Haben Sie Ihr Idol denn auch schon einmal kennengelernt?

Abi Atici: Natürlich, sogar schon zweimal. 2000 buchte mich Lothar Matthäus für sein Abschiedsspiel in München. Bei der Pressekonferenz vor dem Spiel rief Lothar vor den überraschten Medienvertreter seinen Überraschungsgast Diego Maradona auf die Bühne. Und ich, durchtrainiert und schlank, tauchte hinter einem Vorhang auf. Diego war damals allerdings rund wie ein Billardkugel, Lothar erklärte den verdutzten Journalisten, Maradona hätte extra für sein Abschiedsspiel so viel abgenommen. Und die glaubten das auch zunächst. Lothar hat sich so gefreut, den Spieß einmal umgedreht zu haben und die Pressemenschen zu veräppeln!

Und wann trafen Sie Maradona?

Abi Atici: Nach dem Spiel im Hotel. Aber nur ganz kurz. 2002 bin ich extra nach Kuba geflogen, um ihn in der Reha zu besuchen. Diego spielte damals Tag und Nacht Golf. An Loch 15 habe ich ihn dann überrascht. Als er mich sah, hatte er Tränen in den Augen. Er umarmte mich und sagte zu mir: »Es ist, als wenn ich meine Jugend in einem Spiegel sehen würde.« Es war unglaublich.


Sie arbeiten hauptberuflich als Maradona-Double. Das muss ziemlich anstrengend sein.

Abi Atici: Allerdings. Meine Kinder, Diego junior und Franziska, können Maradona nicht ausstehen. Sie sagen immer: »Wir wollen unseren Dad Abi sehen und nicht Maradona!« Aber was soll ich machen? Wenn ich aufstehe bin ich Diego, wenn ich ins Bett gehe bin ich Diego. Ich würde mich freuen, wenn meine Kinder mir mal sagen würden, wie toll sie mich als Maradona finden. Aber das wird nicht passieren und ist wohl der Preis für meine Ähnlichkeit.

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Verläuft Ihr Leben denn ähnlich glamourös wie das von Diego Maradona?

Abi Atici: Wenn ich will, komme ich in jeden Club der Welt! Und bei den VIPs bin ich überall ein gern gesehener Gast. Mit Boris Becker habe ich 2003 nach einem Benefiz-Fußballspiel mal drei Tage und Nächte durchgefeiert, kein Witz! Und die hübschen Frauen stehen Schlange, egal wo ich bin. Alle wollen ein Küsschen von Diego. Was allerdings auch ziemlich anstrengend sein kann, denn ich weiß nie: Steht die jetzt auf Abi Atici oder Maradonas Doppelgänger?

Abi Atici, pardon, lieber Diego Armando Maradona: Was war der schönste Moment im Leben als Maradona-Double?

Abi Atici: Für mein 2008 erschienenes Buch »El Doble« reiste ich auch nach Argentinien, um in Buenos Aires die Familie von Diego zu besuchen. Seine Eltern, Tanten, Onkel, Nichten und Neffen waren total begeistert. Wenige Tage nach dieser Begegnung spazierte ich durch die Stadt. Plötzlich stand ein alter Mann vor, nahm meine Hände, küsste sie und sagte: »Ich habe die Hand Gottes geküsst. Jetzt kann ich sterben.« Dem alten Herren zu beichten, dass er die falschen Hände geküsst hatte, brachte ich vor lauter Rührung nicht mehr übers Herz.

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