14.03.2008

Diego im Interview

»Ein Tor ist wie ein Orgasmus«

Van der Vaart, Ribéry, Diego – toll, dass dieses Triumvirat in der Bundesliga spielt. Doch ist Werders Zehner der Erste, der uns verlässt? Wir sprachen mit ihm über seinen Karriereplan, Thomas Schaaf und seinen schönsten Treffer.

Interview: Jens Kirschneck und Bastian Henrichs Bild: Imago
Und wann war Ihnen klar, dass etwas daraus werden wird?

Das war erst sehr viel später. Wahrscheinlich erst, als ich mit 16 Jahren tatsächlich meinen ersten Profivertrag unterschrieben habe. Aber auch da war ich mir längst nicht sicher, dass es so laufen würde, wie es in den letzten Jahren gelaufen ist.

Sie sind mit elf Jahren ins Internat des FC Santos gekommen.

Damals hatte ich noch eine Menge Zweifel, was meine Karriere betrifft. Die Konkurrenz ist so unglaublich groß.

Gerade in Brasilien. Gab es in dem Alter schon ein Hauen und Stechen um die begehrten Plätze?

Das habe ich nie so empfunden. Ich habe mich innerlich dagegen gewehrt, meine Freunde als Konkurrenten zu betrachten. Ich war ja in meinem Alter froh, dass ich sie hatte.

Waren Ihre Eltern gleich einverstanden, dass Sie ins Internat gehen?

Mein Vater war der stärkere, rationalere Elternteil, der den Ausschlag gegeben hat. Für meine Mutter war es schwieriger, sie hat damals viel geweint.

Und Sie? Gab es Nächte, in denen Sie schlaflos im Bett gelegen und überlegt haben, alles hinzuschmeißen?

Nie. Natürlich war die erste Zeit schwer, aber ich wusste, dass sie vorbeigehen würde. Fußballspielen ist ein wunderschöner Beruf, der mit starken Emotionen verbunden ist. Und zwar mit so starken, dass man auch mal negative Gefühle unterdrückt, um das zu tun, was einem am meisten Spaß macht.

Gab es denn Jungs, die aufgegeben haben?


Nein, ich kann mich an keinen erinnern. Aber viele wurden nach Hause geschickt.

Was wäre gewesen, wenn man Sie nach Hause geschickt hätte?

Dann wäre für mich eine Welt zusammengebrochen.

Halten Sie es grundsätzlich für eine gute Idee, Kinder in diesem Alter in ein Fußballinternat zu stecken?

Für mich war es gut. Sowohl für die Karriere als auch für meine Persönlichkeit. Die Kinder lernen dort sehr viel und erfahren, was es heißt, Verantwortung zu tragen. Und dieser Schritt ist wichtig, um mit dem Leben als Profifußballer klarzukommen.

Sind Sie durch das Internat schneller erwachsen geworden?

In meinem Leben passierte alles sehr früh. Ich habe schon mit 16 Jahren als Profi gespielt, mit 17 war ich brasilianischer Meister. Das hat dazu geführt, dass ich viel mehr erlebt habe als ein normaler Junge und Verantwortung trug zu einem Zeitpunkt, als ich noch nicht im engeren Sinne erwachsen war.

Hat Sie der frühe Erfolg mit dem FC Santos unvorbereitet getroffen?


In dieser Zeit war meine Familie sehr wichtig für mich. Ich glaube, kein Kind von 16, 17 Jahren ist bereit für solch einen Erfolg und all das, was damit zusammenhängt. Meine Familie hat mir geholfen, mit dieser Situation umzugehen.

War die nicht genauso unvorbereitet?

Die brauchte nicht vorbereitet zu sein, weil sie es ja nur aus der Ferne mitbekommen hat. Der einzige, der mittendrin steckte, war ich. Die Familie hat das Ganze von außen betrachtet, das ist immer leichter.

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