14.03.2008

Diego im Interview

»Ein Tor ist wie ein Orgasmus«

Van der Vaart, Ribéry, Diego – toll, dass dieses Triumvirat in der Bundesliga spielt. Doch ist Werders Zehner der Erste, der uns verlässt? Wir sprachen mit ihm über seinen Karriereplan, Thomas Schaaf und seinen schönsten Treffer.

Interview: Jens Kirschneck und Bastian Henrichs Bild: Imago
Diego, was ist Ihre erste Erinnerung an den Fußball?

Als ich ein kleiner Junge war, habe ich immer die Trikots von meinem Vater angezogen. Er hat mit seinen Freunden gekickt und musste danach immer noch mit mir auf der Straße spielen. Ich war so verrückt nach dem Ball, dass ich ihn sogar nachts mit ins Bett genommen habe.



Hatten Sie ein Idol?

Oh ja, das hatte ich. Sein Name war Rai. Er spielte in São Paulo, später bei Paris St. Germain und war Kapitän der brasilianischen Nationalelf bei der WM 1994. Ein offensiver Mittelfeldspieler, genau wie ich.

Was hat Sie an ihm fasziniert?


Alles. Seine präzisen Pässe, die eleganten Bewegungen, seine ganze Begabung.

Wie halten Sie es mit Pelé?

Ich hatte bis jetzt nur wenig Kontakt zu ihm, aber er scheint ein sympathischer Mensch zu sein, der mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben ist.

In Deutschland meinen ja viele, Franz Beckenbauer redet zu viel. Sagt man in Brasilien nicht dasselbe über Pelé?

(lacht) Das stimmt. Pelé hatte schon oft Probleme mit verschiedenen Spielern und Trainern. Mir persönlich ist es egal, ob er zu viel oder zu wenig redet.

Ihre Mutter hätte es lieber gesehen, wenn Sie Tennisspieler geworden wären.


So ganz stimmt das nicht. Sie spielt sehr gerne Tennis und ich habe als kleiner Junge Stunden mit ihr genommen. Aber sie hat auch nie etwas dagegen gehabt, dass ich Fußballer werde.

Warum ist Fußball besser als Tennis?

Was heißt besser? Es ist überhaupt kein Vergleich! Fußball macht viel mehr Spaß und ich bin viel besser darin.

Sie stammen aus der Mittelschicht und haben auf den Bolzplätzen Ihrer Heimatstadt Ribeirão Preto oft mit Kindern aus ärmeren Verhältnissen gespielt.

Es ist ja nicht so, dass wir reich waren. Ich bin nie in die gefährlichen Gegenden der Stadt gegangen, aber wir haben auch in unserem Viertel inmitten von einfachen Leuten gelebt.

Haben Sie damals trotzdem Sachen gelernt, von denen Sie heute noch profitieren? Zum Beispiel, so schnell zu sein, dass man kaum die Gelegenheit hat, Sie zu verletzen?


Klar. Neben der Technik gehört auch eine gewisse Gerissenheit dazu, ein großer Fußballer zu sein. Und das lernt man nirgendwo besser als auf der Straße.

Für viele brasilianische Spieler ist die größte Motivation der soziale Aufstieg. Wie war es bei Ihnen?


Die allererste Motivation ist die Freude am Spiel. Es ist ein bisschen traurig, wenn Leute sagen: »Ich spiele nur Fußball, um Geld zu verdienen.« Das Wichtigste sind Glück und Zufriedenheit, aber natürlich spielt auch das Geld eine Rolle. Ich hatte immer den Wunsch, meiner Familie zu helfen.

Hatte Ihre Familie denn Hilfe nötig?

Wie gesagt, wir haben zwar nicht in ganz schlechten Verhältnissen gelebt, aber auch meine Eltern haben Träume, die sie verwirklichen wollen. Und ich kann ihnen jetzt dabei helfen.

Wann war Ihnen klar, dass Sie Profi werden wollen?


Immer schon. Seit ich angefangen habe zu spielen.

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