26.03.2008

Diego Benaglio im Interview

»Wir werden Europameister«

Der Schweizer Nationalkeeper Diego Benaglio nimmt kein Blatt vor den Mund: Im Sommer will der 24jährige Europameister werden! Ein Gespräch über typisch deutsches Torwartspiel, planbare Karrieren und die Vorzüge von Wolfsburg.

Interview: Sven Goldmann und Stefan Hermanns Bild: Imago
Herr Benaglio, wie weit kommt denn die Schweiz bei der Europameisterschaft im Sommer?

Eine direkte Frage verdient eine direkte Antwort: Wir werden Europameister!

Steht schon fest, gegen wen Sie im Endspiel gewinnen?

Das ist eigentlich ziemlich egal. Ich nehme, wer da kommt.



Jetzt spielen Sie erst einmal am Mittwoch in Basel gegen Deutschland. Sie tragen das Schweizer Trikot, aber hätten Sie was dagegen, wenn wir Sie wegen Ihrer Stuttgarter Vergangenheit auch ein bisschen einbürgern?

Ich glaube schon, dass mich die drei Jahre in Stuttgart geprägt haben und Einfluss auf mein Torwartspiel hatten. Aber schlussendlich bin ich Schweizer. Und ich glaube auch, dass ihr hier in Deutschland genügend gute Torhüter habt, dass ihr mich nicht einbürgern müsst.

Gibt es an Ihrem Torwartspiel etwas, das typisch deutsch ist?

Die deutschen Torhüter waren immer schon sehr athletisch, sehr sprunggewaltig, körperlich sehr gut.

Das ist die alte Schule ...

Es gibt ja nicht nur Oliver Kahn. Junge Leute wie Manuel Neuer oder René Adler sind ja nicht nur auf der Linie gut, die verkörpern schon das, was als modernes Spiel gilt.

Das moderne Spiel ist hier mit einiger Verzögerung angekommen. Deutsche Spieler sind im Ausland nicht mehr so gefragt wie früher. Dafür spielen sehr viele Schweizer in den großen Ligen. Wie kommt’s?

Die Jugendarbeit des Schweizer Verbandes hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Und dann ist es sicherlich ein Fakt, dass die Schweizer Liga nicht zu den Topligen in Europa gehört.

Sie sind Ende Januar aus der international eher wenig beachteten portugiesischen Liga vom Klub Nacional Funchal in die Bundesliga gewechselt. Zwei Wochen später hat der Schweizer Nationaltrainer Jakob Kuhn Sie zu seiner Nummer eins für die Europameisterschaft gemacht.

Ich glaube nicht, dass es auf die Entscheidung noch Einfluss hatte.

Sie sind also nicht nach Wolfsburg gegangen, um auf sich aufmerksam zu machen?


Ich bin hierher gekommen, weil ich aus den Gesprächen herausgehört habe, dass der VfL und Trainer Felix Magath auf mich setzen möchten.

Sie sind 2002 aus Zürich nach Stuttgart gegangen. Sie waren 18 Jahre alt...


...und ganz klar die Nummer drei. Aber ich habe in dieser Zeit unheimlich viel gelernt. Zum einen war das Torhütertraining sehr gut, zum anderen bin ich als Mensch gereift. Das ist ja nicht selbstverständlich, in so jungen Jahren die Heimat zu verlassen. Meine Mutter war nicht gerade begeistert. Ich habe die Zeit in Stuttgart immer als Ausbildung betrachtet; ich bin ja nicht mit 18 Jahren mit der Erwartung da hingegangen: Ich muss in den nächsten paar Monaten die Nummer eins sein. Ich kann in die Bundesliga reinschnuppern, wertvolle Erfahrungen sammeln. Ich konnte mir das vorher anschauen, zwei Tage mittrainieren, und danach wusste ich: Das ist das richtige Umfeld für mich.

Strategische Karriereplanung – das ist selten im Fußball.

Nur damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich hätte nicht Nein gesagt, wenn ich gespielt hätte.

Felix Magath ist 2004 nach München gegangen, Sie ein Jahr später nach Madeira. Jetzt haben Sie sich in Wolfsburg wiedergetroffen. Der Kontakt ist offensichtlich nie abgerissen.


Wir hatten seit der Zeit in Stuttgart keinen Kontakt mehr. Die Anfrage aus Wolfsburg lief über meinen Berater, erst danach habe ich mich mit Herrn Magath unterhalten.

Gab es noch andere Vereine, die im Winter an Ihnen interessiert waren?


Lazio Rom war ein Thema.

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