26.05.2010

Die Parlotones über die WM und Marco Ballack

»Jedes Land hat ein Stigma«

Es gibt gefühlte 863 »offizielle« WM-Hymnen, doch einzig der Song »Come Back as Heroes« von der südafrikanischen Band The Parlotones hat das Zeug zum Sommerhit. Wir sprachen mit Sänger Kahn und Drummer Neil.

Interview: Imke Ankersen Bild: Promo
Kahn Morbee, Neil Pauw, alles dreht sich derzeit um Südafrika. Profitiert ihr davon?

Die WM hätte für uns sicher zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können. So enttäuscht wir damals auch waren, wir können heute echt froh sein, dass Deutschland die WM 2006 bekommen hat. Weder Südafrika als Land noch wir als Band wären auf die ganze Aufmerksamkeit vorbereitet gewesen.



In Südafrika seid ihr Megastars. Wie fühlt sich das an, wenn ihr hier in Europa vor kleineren Hallen spielt?

Es macht Spaß. Wir bauen uns hier langsam aber sicher eine solide Anhängerschaft auf. In Deutschland kommen inzwischen bis zu 500 Leute. Unser letztes Konzert in Berlin war bestens gefüllt. In London spielen wir in größeren Hallen. Da leben viele Exil-Südafrikaner und die bringen dann ihre Freunde mit und so weiter. Als wir das erste Mal in London gespielt haben waren ca. 40 Leute da und jetzt kommen schon 1400. Das schöne ist, das passiert jetzt alles viel schneller, als es in Südafrika passiert ist. Wir mussten viele Jahre hart arbeiten, bevor wenigstens unsere Eltern dachten, wir hätten was drauf.

Habt ihr Euren Hit »Life Design« und den ARD WM-Song »Come Back as Heroes« extra für die WM geschrieben?

 Das Album erschien in Südafrika ja bereits letztes Jahr. »Life Design« haben wir also nicht im Hinblick auf die WM geschrieben. Komischerweise ist es jetzt so was wie der Soundtrack auf dem Weg zum Turnier geworden. Die neue Single »Come Back as Heroes« hingegen ist eine richtige Hymne an den Sport und die Aufforderung an unsere Jungs: »Bitte gebt alles, macht uns stolz und werdet zu Helden.« 

Seid ihr Fußballfans?

Na klar. Und wir haben jetzt unsere Sympathien für die deutsche Nationalmannschaft entdeckt, weil wir den offiziellen ARD-Song liefern. Aber natürlich stehen wir in erster Linie ganz hinter Bafana Bafana. Es wäre einfach fantastisch, wenn ein afrikanisches Team zum ersten Mal den Pokal gewinnen würde. Aber das ist leider nicht sehr wahrscheinlich.

Kennt ihr irgendwelche deutschen Spieler?

Kahn: Nicht wirklich. Es sei denn mein Namensvetter Oliver Kahn spielt noch. Und ich bin mir sicher, da gibt es irgendeinen, der Hans heißt, oder?

Nein.

Neil: Und was ist mit Marco Ballack [sic!]? Gibt’s den noch? Ich mag den 1. FC Köln, die haben am Wochenende gewonnen, ein sehr sympathischer Verein. 

Spielt ihr selber?

Gern, aber nicht besonders gut. Wir haben neulich bei einem Benefizspiel der Orlando Pirates mitgemacht und mit südafrikanischen Soap-Sternchen und Journalisten gespielt. Ich glaube, wir waren die einzigen Weißen auf dem Feld.

Rugby und Kricket sind in Südafrika noch immer die Sportarten der Weißen, der Fußball rangiert abgeschlagen dahinter. Werden die weißen Südafrikaner sich für die Spiele bei der WM begeistern?

1995, als wir die Rugby-WM im eigenen Land gewonnen haben, waren plötzlich auch viele Schwarze, die bis dahin kaum Kontakt mit dem Sport hatten, begeisterte Anhänger. Das wird anders herum genauso sein. Die Euphorie ist einfach ansteckend. Das ist wie mit Musik. Es geht da gar nicht um die Hautfarbe, sondern darum, mit was für Einflüssen man aufgewachsen ist.

Verfolgt ihr die südafrikanische Liga?

Leider ist unsere Liga kein wirklicher Zuschauermagnet. Es gibt eigentlich nur zwei Teams, die Pirates und die Chiefs, die eine Riesenmenge anziehen. Die meisten Südafrikaner schauen in erster Linie die Spiele der englischen Premier League und weniger die lokale Liga, das ist eigentlich ziemlich schade. Aber ich muss gestehen, ich tu das auch. Allerdings habe ich kaum noch Zeit, mir komplette Spiele anzusehen. Eigentlich komme ich sonntags nach Hause, mach den Fernseher an und schau im Videotext wie die Spiele im Rugby und Fußball ausgegangen sind.

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