Die Nationalelf im Kleinfeldfußball vor der EM

»Tschechien ist ein dicker Brocken«

Christoph Köchy ist der Präsident des »Deutschen Kleinfeld-Fußball-Verbandes« (DKFV). Wir sprachen mit ihm über die bevorstehende »miniEURO« auf Kreta, das Gefühl Nationalspieler zu sein, und starke Tschechen.

Privat

Christoph Köchy, Anfang 2012 gründeten Sie mit Gleichgesinnten den »Deutschen Kleinfeld-Fußball-Verband« (DKFV), der nun zum bereits zweiten Mal eine Nationalmannschaft zu einer »miniEURO« entsendet. Wie kam es dazu?
Wir sind seit längerem stark in der »Uni-Liga« involviert, die im Wesentlichen nichts anderes ist als eine Plattform, um interessierte Freizeitkicker zueinander zu bringen. Wir wurden dann von der »European Minifootball Federation« (EMF) eingeladen, mit einer deutschen Nationalmannschaft an der »miniEURO« 2012 in Moldawien teilzunehmen. Daraufhin haben wir den »DKFV« gegründet. Dabei verstehen wir uns viel mehr als Strukturgeber denn als Verband. Unser Ziel ist es, den Spagat zwischen Hobbykickern einerseits und einem organisiertem Ablauf andererseits hinzubekommen. Die Nationalmannschaft ist dabei unser Zugpferd.

Vom 10. bis 14. Oktober findet in Rethymno/Kreta die Europameisterschaft statt. Aus dem Kleinfeldfußball im Hobbybereich kennt man ja eher »flexible Regeln«. Wie sieht das bei der »miniEURO« aus?
Bei der Europameisterschaft treten die Teams mit je fünf Feldspielern sowie einem Torwart an. Gespielt wird über 2x20 Minuten.

Und taktisch? Kann man auch auf dem kleinen Feld verschiedene Spielsysteme ausmachen?
Grundsätzlich ist es natürlich gerade auf begrenztem Raum wichtig, defensiv gut zu stehen, und nicht zu weit aufzurücken, da die Konteranfälligkeit ansonsten doch groß ist. Gerade die starken, osteuropäischen Mannschaften sind für ihr Abwehrbollwerk bekannt. Unsere Nationalmannschaft spielt bevorzugt in einem 2-2-1, wobei natürlich auch die nominelle Sturmspitze defensiv mitdenken muss.

Wie verlief eigentlich die Nominierung des EM-Kaders?
Wir haben im Vorfeld des Turniers unter dem Motto »Du für Deutschland« bundesweite Sichtungslehrgänge durchgeführt. Über drei Monate lang haben der Bundestrainer Marc Müller und sein Team die Kandidaten getestet, bis schließlich Mitte August der endgültige 12-Mann-Kader nominiert werden konnte.

Was dürfen wir uns von dieser Mannschaft erwarten? Ist Deutschland reif für den Titel?
Zunächst gilt es natürlich die Gruppenphase zu überstehen. Mit Tschechien erwartet uns da bereits ein richtiger Brocken. Dort hat der Kleinfeldfußball richtig Tradition, das merkt man der Mannschaft an. Aber auch Zypern und Russland sollte man keinesfalls unterschätzen. Wir sind allerdings selbstbewusst genug zu sagen, dass ein Aus in der Vorrunde einer großen Enttäuschung gleich käme. In der K.O.-Phase braucht es natürlich immer auch das entscheidende Quäntchen Glück.

Das letzte Testspiel gegen die schlechter eingeschätzten Polen endete mit 0:0. Nicht gerade ein Mutmacher, oder?!
Das Ergebnis täuscht ein wenig über den Spielverlauf hinweg. Einzig die Chancenverwertung war leider etwas mangelhaft. Ein wenig mehr Glück im Abschluss, eine bessere Ausnutzung unserer Standardsituationen, und ich bin bester Dinge.

Flüge, Unterkünfte, und Ausrüstung kosten Geld. Wie finanziert sich die Kleinfeld-Nationalmannschaft? Gibt es eine Unterstützung durch den DFB? Vielleicht sogar eine Prämie für den EM-Sieg?
Beim DFB findet Kleinfeldfußball nur in der Nachwuchsarbeit statt. Insofern gibt es da keine Unterstützung oder Zusammenarbeit. Unseren Aufwand decken wir über Sponsoren und nicht zuletzt viel ehrenamtliche Arbeit ab. Eine Prämie können wir den Spielern leider nicht zahlen. Aber darum geht es den Jungs auch nicht. Und vielleicht können sie ihre Trikots behalten, wenn sie tatsächlich den Titel holen.

Die Belohnung ist also rein ideeller Natur?
Genau darum geht es. Jeder kennt doch diesen Kindheitstraum: Einmal für Deutschland als Nationalspieler auflaufen zu können! Diesen Traum können unsere Jungs jetzt ausleben. Wenn ich mich nur an die »miniEURO« 2012 in Moldawien zurück erinnere, an die Gänsehaut beim Abspielen der Nationalhymne, an den durch sintflutartige Regenfälle plötzlich überfluteten Platz, der den gesamten Spielplan durcheinander gewirbelt hatte. Auf einmal spielten wir zuerst gegen Moldawien, und dann erst gegen die Slowakei. Ich bin mir sicher, dass das der Grund für unser Ausscheiden war. (lacht) Das sind Momente und Geschichten, die ich niemals vergessen werde. Da ist Geld nicht so wichtig.

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