Die Macher des Hoffenheim-Films

»Wir wollten überall sein«

Ein Fußball-Film über Hoffenheim, das klingt nach Western ohne Munition. Aber den Regisseuren Rouven Rech und Frank Pfeiffer ist ein echtes Schmuckstück gelungen. Wir sprachen mit den Filmemachern beim 11mm-Festival. Die Macher des Hoffenheim-Films

Ein Film über Hoffenheim. Ist über diesen Verein nicht schon alles gesagt? 

Frank Pfeiffer: Schwer zu sagen, denn als wir mit dem Film angefangen haben, war das Thema völlig uninteressant und unpräsent. Die Reportagen, die in der Zwischenzeit gemacht wurden, konzentrieren sich auf den Hype um Hoffenheim und die sportliche Entwicklung der Mannschaft. Unser Film dagegen zeigt viel mehr die Hintergründe. Also wie man aus einem Dorfclub ein professionelles Fußballunternehmen macht, mit dem Ziel, Gewinn zu erwirtschaften. Das macht den Film hochaktuell.

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Der Film endet in dem Moment, als die TSG ganz oben in der Bundesligatabelle steht. War das gewollt?

Rouven Rech:
 Nicht unbedingt, denn es ist gleichzeitig der Moment der Fertigstellung des neuen Stadions, und das war eigentlich immer unser Ziel. Die Liga und die Platzierung waren egal. Es hätte auch passieren können, dass das Stadion fertig geworden wäre und Hoffenheim vor völlig leeren Rängen gespielt hätte. Das wäre auch eine Geschichte gewesen.  

Wie seit Ihr vor vier Jahren auf die Idee gekommen, ein solch aufwendiges Projekt bei einem Regionalligisten zu starten?

Frank Pfeiffer:
Ich habe Ende 2005 in der taz einen Artikel mit dem Titel »Träume eines Mäzens« gelesen, wo es darum ging, dass Dietmar Hopp seinen Heimatverein in die Bundesliga bringen will. Das klang unheimlich spannend und war für uns die Initialzündung, denn dort würde sich nicht nur ein Verein, sondern ein ganzes Dorf verändern.  

Kommt das Endresultat dem nahe, was Ihr Euch vor drei Jahren versprochen habt?

Frank Pfeiffer:
Dass Hoffenheim in zwei Jahren den Durchmarsch in die erste Liga schafft, hätten wir nie für möglich gehalten, der Aufstieg in die zweite Liga war ja absehbar. Aber von den Personen her gesehen und vom Schwerpunkt, den wir gesetzt haben, kommt es unseren Vorstellungen sehr nahe. 

Mit Torro habt Ihr einen Ur-Hoffenheimer und Fan der ersten Stunde als Protagonisten gefunden. Wie seid Ihr auf ihn gekommen?

Rouven Rech: Großartig überreden mussten wir ihn nicht. Auf ihn sind wir gestoßen, weil es damals nicht so viele Fans in Hoffenheim gab. Es gab wirklich nur diesen einen größeren Fanclub, und von dem war er der Vorsitzende.

Frank Pfeiffer:
 Wir haben uns natürlich auch noch andere Charaktere angeschaut, aber Torro war schon derjenige, der für uns am interessantesten war. Es ist spannend zu sehen, wie viele Sympathien er im Verlauf des Films bekommt, obwohl er doch erstmal einige Vorurteile weckt.

Schwieriger war es sicher bei Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus.

Frank Pfeiffer: Das war die schwierigste Hürde überhaupt. Das Vertrauen des Vereins zu gewinnen war ein sehr harter und langwieriger Prozess. Es hat fast ein Jahr gedauert, bis wir drehen durften.

Rouven Rech: Man darf auch nicht vergessen, dass es, als wir angefangen haben, weder Herrn Rangnick noch Herrn Rotthaus gab. Bei unserem ersten Kontakt hatten wir noch mit dem heutigen Stadionsprecher zu tun, der damals das Mädchen für alles war. Da waren wir schon fast drin, und dann kam Herr Rotthaus dazu. Heute ist der Stadionsprecher übrigens auch Hoffenheims Fanbetreuer.

Der Film zeigt intimste Einblicke in das Hoffenheimer Vereinsleben. Viele Vereine sperren sich, dass so etwas an die Öffentlichkeit gelangt. Musstet Ihr die Szenen nicht autorisieren lassen?

Rouven Rech:
 Es war von Anfang an klar, dass der Film vorab den Beteiligten gezeigt wird. Und dass man über Szenen spricht und sie eventuell weglässt, wenn sie Personen schädlich werden könnten.

Frank Pfeiffer:  Wir wollten möglichst immer überall dabei sein. Wenn es etwas gab, was nicht gefilmt werden sollte, dann war klar, dass wir die Kamera ausschalten mussten. Das kam vor, aber nur sehr selten.  

Wie haben die Beteiligten den Film aufgenommen?

Rouven Rech:
 Herr Rotthaus findet den Film jetzt auch sehr gut, glaube ich.

Was heißt das?

Rouven Rech: Er ist ein Manager, der natürlich eine andere Sicht auf die Dinge hat als wir. Wenn man ihn jetzt fragen würde, dann gäbe es bestimmt einige Szenen, von denen er nicht unbedingt will, dass sie im Film vorkommen. Aber er sieht auch, dass das Ganze wichtig ist für Hoffenheim, damit man endlich einmal sieht, was dort wirklich passiert ist.

Frank Pfeiffer:  Er hat gemerkt, dass wir ein neutrales Bild zeigen und überhaupt nicht parteiisch für oder gegen Hoffenheim sind.   

Im Gegensatz zu anderen Dokumentarfilmen steht nicht die Mannschaft, sondern das Drumherum im Mittelpunkt des Geschehens. Hattet Ihr nicht den Zugang zur Mannschaft oder habt Ihr Euch bewusst für diese Herangehensweise entschieden?

Frank Pfeiffer:
 Wir wollten es nicht. Es gibt genügend gute Filme, die sich nur um die Mannschaft drehen, da wollten wir keine einfache Neuauflage machen. Uns hat der gesellschaftliche Prozess interessiert. Wir wollten die sozialen und ökonomischen Zusammenhänge im Dorf und im Verein erfassen. Aber wir hatten durchaus die Möglichkeit, interessante Aufnahmen von der Mannschaft und dem Trainer zu machen. Letztlich ist aber nur ein Bruchteil der Mannschaftsszenen im Film enthalten, weil es einfach nicht in den Film gepasst hätte.

Rouven Rech:
 Nach und nach sind wir immer tiefer in das Mannschaftsgefüge hereingerutscht. Wir haben das aber nicht gesucht, deshalb ging das nicht soweit, dass wir einen Mannschaftsfilm hätten machen wollen.  

War es geplant, dass der Film so humorvoll wird?

Frank Pfeiffer: Grundsätzlich ist es uns wichtig, dass der Film unterhaltsam ist. Es ist nicht das Ziel, Sachverhalte aufzuzeigen. Natürlich enthält er viel Situationskomik und gewisse Skurrilitäten, die so ein Film mit sich bringt, aber wir haben nicht absichtlich versucht, Leute bloßzustellen oder Dinge extra auf Lacher zuzuschneiden.

Rouven Rech:
 Als wir alleine im Schneideraum saßen, haben wir nicht so viel gelacht. 



Der Film »Hoffenheim - Das Leben ist kein Heimspiel« von Rouven Rech und Frank Pfeiffer kommt im Herbst in die Kinos.

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