17.02.2014

Die Kremers-Zwillinge über Bestechung, Bier und ihre Trainer

»Für so einen Scheiß kriegst du keine Mark«

Erwin und Helmut Kremers sind die berühmtesten Zwillinge des deutschen Fußballs. Sie ließen Max Merkel den Müll runterbringen und schlugen Klaus Fischer mit dem Schaumstoffhammer. Für Ausgabe #147 sprachen wir mit ihnen über Bestechung, Schiedrichterbeleidigung und die Nationalmannschaft.

Interview: Jens Kirschneck Bild: imago

Helmut, Sie haben noch in den USA gespielt und sind nach der aktiven Laufbahn Schalke erhalten geblieben. Sie waren allein dreimal Manager, dazu einmal Interimstrainer und einmal Präsident. In Ihrer Wahlrede sagten Sie 1994 den Satz: »Wenn wir früher gegen Dortmund gespielt haben, haben wir uns nicht einmal umgezogen.« Stimmt es, dass Erwin den Satz souffliert hat?
Erwin: Ich habe mir die Rede in seinem Büro angesehen und gesagt: »Ist ja toll, aber du musst einen Kracher reinbringen, damit die Leute dich sofort wählen.« Eigentlich wäre es mir aber lieber gewesen, er wäre gar nicht gewählt worden. Weil ich von Anfang an kein gutes Gefühl hatte.

Warum haben Sie ihm dann den Satz gesteckt?
Erwin: Weil mich interessiert hat, was man damit bewirken kann. Und ich weiß, dass Helmut nervenstark ist.
Im Nachhinein war die Amtszeit nicht so lustig.
Helmut: Die wollten mich mit Gewalt nicht: Aufsichtsrat, Vorstand, Sponsoren. Damals wurde das neue Stadion gebaut und da waren zu viele Interessen im Spiel. Ich habe anonyme Anrufe bekommen, man würde mein Auto beobachten und man wisse, wo meine Kinder zur Schule gehen. Da sind Dinge abgelaufen, die kann man sich gar nicht vorstellen.

Sie beide haben zusammen gerade mal 23 Länderspiele absolviert. Ein bisschen wenig für Ihr Talent.
Erwin: Stimmt. Wobei du dort gar nicht so gern gespielt hast.
Helmut: Ich hab mich da nie richtig wohlgefühlt. Außerdem wurde ich 1974 im Trainingslager in Malente erwischt.

Sie sind ausgebüxt?
Helmut: Genau. Einer der Polizisten, die uns bewachten – es war die Zeit der »Baader-Meinhof-Gruppe« –, hatte mir freundlicherweise einen Wagen zur Verfügung gestellt. Als ich am frühen Morgen zurückkam und mit ihm noch ein Bier trank, hat mich Co-Trainer Jupp Derwall erwischt. Ab dem Zeitpunkt hatte sich die WM für mich erledigt. Ich habe keine Minute gespielt und fühle mich auch nicht als Weltmeister.

Können Sie sich noch an den Prämienstreit zwischen den Nationalspielern und dem DFB erinnern?
Helmut: Das ging bis zum frühen Morgen. Alle waren betrunken, Trainer Helmut Schön lag auf seinem Zimmer und hat geweint. Da war auch noch sein Pudel gestorben. Als es unter uns zur Abstimmung kam, stand es elf zu elf. Elf waren dafür, abzureisen, die anderen elf wollten bleiben.
Da stand die WM auf der Kippe.
Helmut: Es ging hoch her. Zwischendurch ist Derwall reingekommen, er und Breitner haben sich gegenseitig beleidigt. Ich glaube, es war Horst Höttges, der zu Derwall gesagt hat: »Du grauer Elch, was willst du denn?« Je mehr Alkohol getrunken wurde, desto schlimmer wurde es. Aber dann ist einer umgekippt und es stand zwölf zu zehn.

Erwin, Sie waren Europameister 1972, aber 1974 waren Sie nicht dabei. Wenn man Ihrem Bruder zuhört, haben Sie ja nicht viel Schönes verpasst.
Erwin: Ich bin trotzdem traurig darüber. So eine Weltmeisterschaft daheim ist ein einmaliges Erlebnis. Aber ich habe nicht gewusst, dass ich nicht zur WM darf, wenn ich in der Bundesliga eine Rote Karte bekomme.

Sie haben im letzten Spiel der Saison 1973 / 74 Schiedsrichter Max Klauser beleidigt. Von »Blöde Sau« bis »Du Idiot« finden sich unterschiedliche Angaben.
Erwin: »Blöde Sau« kommt schon hin. Angeblich wollte er mir eine Brücke bauen und hat noch mal nachgefragt. Darauf habe ich gesagt: »Und jetzt noch mal für Doofe: Sie sind eine blöde Sau!« Dann gab es Rot.
Helmut: Eigentlich ist das meine Schuld.
Erwin: Ich war auf dem Platz immer etwas impulsiv. Er hat mich oft zurückgehalten, doch in dem Spiel war er verletzt.

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