19.02.2010

Die Folgen des Notts County-Falls

»England ist krank«

Dave Boyle ist Sprecher der Fan-Organisation »Supporters Direct«. Er war nah dran an der Entwicklung beim englischen Klub Notts County. Im Interview klärt er auf, dort vor sich ging und woran der englische Fußball krankt.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Die Folgen des Notts County-Falls


Zudem soll eine Schweizer Firma in die Transfers von Eriksson und Campbell involviert gewesen sein?

Es gibt da eine Regel, dass ein Fußballclub nur 60 Prozent seines Etats für Gehaltszahlungen ausgeben kann. Um Campbell und Eriksson zu holen, wurden Deals gemacht zwischen der Schweizer Firma und diesen beiden – an offizieller Seite vorbei. Die Schweizer Firma wollte dadurch interessante Werbefiguren für ihre Sache gewinnen. Campbell sollte so etwas wie der »Botschafter« des Unternehmens sein.

Es ist schwierig festzustellen, ob Campbell jemals Werbung für die Schweizer Firma gemacht hat, weil es vielfache Formen von Werbeveranstaltungen gibt. Im Endeffekt muss er das auch gar nicht wirklich getan haben, für eine Firma ist es wichtig, ihn auf der Liste zu haben und angeben zu können, dass Campbell ein Botschafter dieser Firma ist.

Campbell wurde es dann zu viel, er ging nach nur einem absolviertem Spiel.

Als Campbell wegging, war das der zentrale Punkt. Erst von da an haben die meisten realisiert, dass das Ganze in die falsche Richtung läuft. Die englische Presse unterstützte die Geschichte rund um Notts County distanzlos.

Für die englische Presse war das alles nur eine nette, romantische Märchengeschichte: Ein kleiner Verein mit großer Tradition wächst im Schatten der Großen heran. Die Reporter waren absolut unkritisch. Als Cambpell Notts verließ, verstanden die meisten erst, was vor sich ging. Auch bei Notts County beschuldigten sie die Kritiker, lediglich neidisch zu sein.

Warum aber blieb Eriksson?


Er fühlte sich sehr verbunden und verantwortlich für dieses ganze Projekt. Er mag schmierig sein, aber nicht unmoralisch. Er dachte, dass es idiotisch aussehen würde, wenn er das alles verlassen sollte. Er wusste ja nach einiger Zeit, dass Munto nicht zahlungskräftig war und begab sich mit Peter Trembling zusammen auf die Suche nach neuen Investoren.

Nun soll er auf 2,5 Mio. Pfund Gehalt verzichtet haben, ist das seine Ehrenrettung?


Diese Zahlungen waren aber fiktiv, er konnte nicht darauf bestehen, dass sie ausgezahlt werden würden. Das wäre der Todesstoß für Notts gewesen. Eriksson hat Millionen gemacht in seinen vorherigen Stationen. Es wäre nicht gut für ihn gewesen, jetzt das Geld einzufordern, von dem jeder weiß, dass es niemand zahlen kann.

Also sein Image als geldgieriger Trainer ist in England nicht zu ändern?


Nein, dazu müsste er sein ganzes Geld verschenken und Mönch werden.

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