19.02.2010

Die Folgen des Notts County-Falls

»England ist krank«

Dave Boyle ist Sprecher der Fan-Organisation »Supporters Direct«. Er war nah dran an der Entwicklung beim englischen Klub Notts County. Im Interview klärt er auf, dort vor sich ging und woran der englische Fußball krankt.

Interview: Ron Ulrich Bild: Imago
Die Folgen des Notts County-Falls
Nottingham County hat einen neuen Besitzer: Ray Trew kaufte den Verein für einen Euro. Was ist über ihn bekannt?

Er ist einer dieser Leute im englischen Fußball, die sich damit brüsten, einen Fußballclub zu besitzen. Er ist reich, vor einigen Jahren war er Eigentümer von Lincoln City. Er wollte gar Lincoln City an die Börse bringen. Trew versucht überall neue Geldquellen zu erschließen, dabei geht er auch über Leichen.



Also betreibt er mit dem Verein lediglich Imagepflege?


Er ist schon jemand, der den Fußball mag, aber in England verhält sich die Sache mit dem stärksten Mann im Club anders als in Deutschland. Hier gibt es eine lange Tradition von Leuten, die einmal kurz Geld in den Verein pumpen und nach einiger Zeit zu einem anderen Verein weiterziehen. Kontinuität gibt es bei denjenigen, die den Club führen, sehr selten. Diese Leute sind ständig auf der Suche nach anderen Vereinen, bei denen sie Einfluss nehmen können. 

So werden Fußballclubs zum Spielzeug.


Ganz egal, wie das Anliegen auch aussehen mag und egal, wie viel Geld ein Investor in einen Club steckt, letztendlich wird man Geld verlieren. Einen Fußballverein zu besitzen ist kein rentables Geschäft. In diesem Sinne ist England krank, nicht nur in den unteren Ligen.

Wenn diese Geldgeber ihr Verlustgeschäft bemerken und sich dann zurückziehen, hat der Club keine Möglichkeit die Schulden zu begleichen. Wenn man dem Club aber kein Geld abnehmen kann, dann geht man an die Vermögenswerte wie beispielsweise das Stadion. 

Was kann man über Munto sagen? Die Firma, die Notts County eigentlich im vergangenen Sommer übernehmen wollte.


Niemand weiß das so genau. Und das Schlimme ist: Diese Firma und ihr Geld wurden nie hinterfragt. Munto ist ja mit dem Geschäft mit Notts County hausieren gegangen und wollte auch das BMW Sauber Team übernehmen. Doch BMW bezweifelte, dass Munto das Geld wirklich aufbringen würde und lehnte ab. Diese Skepsis hätte Notts auch gut getan.

Also wurde Notts reingelegt?


Sie waren einfach zu leichtgläubig an einer Stelle, wo Skepsis angebracht wäre. Das hängt mit ihrer Verzweiflung zusammen. Als die Sache wirklich ernst wurde und Gelder gezahlt werden sollten, verschwanden die Protagonisten von Munto. Keiner weiß, wo sie sind. Am Anfang zeigten sie sich noch im Stadion und freuten sich, dass sie mit diesem tollen Märchen von Notts County in Verbindung gebracht wurden.

Wenn Notts von Anfang an skeptisch gewesen wäre, dann wäre der gesamte Betrug nicht zu Stande gekommen. Der Club gehörte den Fans und wurde demokratisch geführt. Doch als es zu der Abstimmung zum Thema Munto kamen, stimmten 93 Prozent für den Verkauf. Den Leuten wurde die Lage nicht richtig erklärt. Sie gierten aber nach Erfolg und waren müde von den Jahren des Niedergangs, also waren sie leicht zu überzeugen. Sie hätten Fragen stellen sollen.

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