Die Degen-Zwillinge über ihre Internet-Start-Ups und Image

»Ich will nicht nur Ja-Sager«

David und Philipp Degen sind Profifußballer und Hobbyunternehmer: Sie spielen für den FC Basel und investieren in ihrer Freizeit in Internet-Start-Ups. Ein Gespräch über eine Community für Zwillinge, Erfolg und die Sorge vor dem Loch nach der Karriere.

Dan Cermak
Heft: #
137

Philipp Degen, wir dachten immer, Profifußballer verbringen ihre Zeit vornehmlich in Edel-Boutiquen oder an der Playstation.
Philipp Degen: Ich habe nichts gegen die Playstation. Gerade im Trainingslager ist das eine schöne Beschäftigung. Dennoch hatte ich seit jeher auch andere Interessen.
 
David Degen, Sie sind beide in verschiedenen Unternehmen involviert. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie sich neben dem Fußball auch für wirtschaftliche Themen interessieren?
David Degen: Für mich gab es immer ein Leben neben dem Fußball. Seit meiner Jugend interessiere ich mich für wirtschaftliche Zusammenhänge, ich fand es zum Beispiel wahnsinnig spannend, wie eine Firma aufgebaut und geführt wird. Vor sechs oder sieben Jahre habe ich erstmals grobe Ideen im Kopf gehabt, die ich gerne verwirklichen wollte.
Philipp: Ich fand es immer aufregend zu sehen, wie ein Fußballklub funktioniert. Von den ganzen Prozessen im Hintergrund bekommt ein Profi ja kaum etwas mit, dabei steht dahinter oft ein riesiger und komplexer Apparat, mit hunderten von Mitarbeitern, Sponsoren, Ticketverkäufern, Investoren, Fanartikelherstellern und so weiter. Irgendwann setzt du all diese Dinge in Beziehung und verstehst, woher das Geld überhaupt kommt.
 
Zu Ihrer Zeit in Dortmund gab es davon nicht viel.
Philipp: Auch das finde ich höchst interessant. Ein Klub kann sich rasant verändern. Als ich in Dortmund gespielt habe, ging es dem Verein wirtschaftlich wahrlich nicht gut. Nun hat Hans-Joachim Watzke (Vorstandsvorsitzender von Borussia Dortmund, d. Red.) gesagt, dass der BVB im Geld schwimmt.
David: Ich fand die Bayern immer sehr vorbildlich. Kein anderer Topklub ist weltweit so gut geführt und wirtschaftlich gesund aufgestellt wie der FC Bayern. Uli Hoeneß ist deswegen auch eine Art Vorbild für mich. Der Mann hat bereits mit 28 Jahren als Topmanager fungiert und Verträge ausgehandelt. Ich würde ihn gerne mal kennenlernen.
 
Woher nehmen Sie die Zeit für Ihre Unternehmen?
David: Die Frage ist doch vielmehr: Wie teile ich mir meine Freizeit ein?
 
Lässt der moderne Fußball einem Spieler heutzutage denn genug Freizeit?
David: Ein Profifußballer hat seine Trainingseinheiten und die Spiele, aber dazwischen gibt es genug Zeit und Raum, um sich abseits des Platzes zu entfalten. Ich sehe es so: Fußball ist mein Beruf, die wirtschaftlichen Tätigkeiten sind mein Hobby.
 
Haben Sie Sorge vor der großen Leere nach der Karriere?
David: Es gibt etliche Schicksale von Profifußballern, die nach der Karriere tatsächlich in eine Art Loch fallen. Es gibt Beispiele von Spielern, die sich einen Tag nach ihrem letzten Spiel fragen: Was nun? Kürzlich erst veröffentlichte eine Zeitung eine Statistik, die zeigte, wie wenige Profifußballer nach der Karriere wirklich ausgesorgt haben.
 
Wie viele sind es?
David: Zehn Prozent. Was ich sagen will: Wir wollten uns rechtzeitig auf das Leben nach der Fußballkarriere vorbereiten.
 
Wie wichtig ist Geld für Sie?
David: Wir geben für zwei Dinge Geld aus: Urlaub und Klamotten. Den Rest legen wir auf die Seite oder wir investieren das Geld in Projekte.
Philipp: Doch natürlich möchte man einen bestimmten Lebensstandard halten. Ich will nach der Karriere jedenfalls nicht auf einem Stuhl sitzen, der nur ein Bein hat.
 
Wer berät Sie in Karrierefragen?
David: Im Erfolgsfall hat man sehr viele Schulterklopfer und gerade für einen jungen Profi ist es nicht immer leicht einzuschätzen, wer wirklich helfen will. Man müsste am Ende der Karriere mal nachzählen, wie viele Leute man aus dem Fußballgeschäft kennengelernt hat, die eigentlich nur eines wollen: an dir verdienen. Da kommt man auf eine absurde Zahl.
Philipp: Doch auch Enttäuschungen bringen dich weiter. Ich habe jedenfalls aus vielen Bekanntschaften gelernt. Du wächst an den Niederlagen.
David: Wir haben uns einige Male von schlechten Beratern getrennt. Mittlerweile entscheiden wir viele wirtschaftliche Projekte alleine.
 
Tatsächlich?
David: Natürlich braucht man gelegentlich jemanden, der einem einen Spiegel vorhält, der uns seine ehrliche Meinung sagt, der wirklich konstruktive Vorschläge macht. All das holen wir uns aber heutzutage aus unserem direkten Umfeld, etwa von Pascal Rahmen, der Geschäftsführer der Spielerberateragentur »team-play« und unser Berater ist. Sowieso: Ich habe nichts gegen Hilfe. Im Gegenteil.
 
Sie haben mal gesagt: »Wer Hilfe annimmt, ist stark.«
David: Ich habe in meiner Karriere einige Male Hilfe von außen gesucht. Das ging bis zum Mentaltrainer oder Sportpsychologen. Ich finde, das ist kein Zeichen von Schwäche. Diese Leute können dir neue Wege und Anstöße geben. Ob man diese dann weiterverfolgt, liegt an einem selbst.
 
Dass Ihnen eines Tages ein Berater ein Bauherrenmodell aufschwatzt, ist also ausgeschlossen?
David: Natürlich gibt es auch heutzutage noch riskante Geschäfte. Aber letztendlich sagt uns kein Berater mehr, wie wir investieren sollen. Niemand sagt uns: Investiere in Aktie A oder B oder doch lieber in 11FREUNDE. Wir holen uns Meinungen ein, doch wir bestimmen alles alleine.
 
Ich könnte Ihnen also einen Deal vorschlagen.
David: Wir sind grundsätzlich offen für Neues, wir gucken uns viel an und bekommen so auch neue Informationen, neues Wissen. Wir schlagen Türen niemals endgültig zu, denn vielleicht findest du irgendwo andere Synergien, aus denen sich für alle Parteien eine Win-Win-Situation ergibt. Doch wir sind auch so offen zu sagen: »Stopp, zum jetzigen Zeitpunkt ist das kein Thema für uns!« So haben wir mittlerweile ein gutes Portfolio aufgestellt. Oder anders: Wir haben uns diversifiziert.
 
Haben Sie eigentlich neben dem Fußball studiert?
David: Nein. Ich habe das Gymnasium kurz vor dem Abitur abgebrochen, weil das mit der Jugendnationalmannschaft nicht mehr vereinbar war. Ich habe daraufhin eine Banklehre angefangen, die ich nach eineinhalb Wochen abgebrochen habe. Legendär! (lacht) Danach habe ich eine Zeit lang die Handelsschule in Zürich besucht. Doch eigentlich basiert alles, was wir über Wirtschaft wissen, auf dem einfachen Prinzip »learning by doing«.
 
Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
David: »Die Kunst des klaren Denkens« von Rolf Dobelli. Ein gutes Buch.
 
Was haben Sie daraus gelernt?
David: Ich sage immer: Ein Buch bringt mich nicht weiter. Ein Buch kann mir neue Denkanstöße geben und animiert dich, nach Lösungen zu suchen. Letztendlich vermittelt es Wissen. Und: Wissen ist Macht.
Philipp: Ein Buch gibt dir einen Hinweis oder einen Weg. Aber wie du den Weg gehst, musst du immer selbst entscheiden.

Was haben Sie vom Fußball gelernt?
Philipp: Fußball ist faszinierend, weil er Emotionen weckt. Weil er berührt. Das kann man auch auf die Wirtschaft übertragen. Wenn ich mit einer Firma Begeisterung auslösen und Plätze schaffen kann, wo Leute etwas gemeinsam schaffen, dann bin ich der erste, der dabei ist. Ich habe immer gesagt: Ich will Menschen bewegen.
 
Ihr Bruder hat mal über Sie gesagt, dass Sie der Netzwerker sind.
Philipp: Ein Fußballer hat drei Privilegien. Erstens: Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Zweitens: Er verdient gutes Geld und steht mitunter als Star in der Öffentlichkeit. Drittens: Er hat die große Chance, seinen Status für die Zeit nach der Karriere zu nutzen. Ein Netzwerk ist das A und O.
 
Wie drückt sich das denn bei Ihnen aus?
Philipp: Ich bin ein sehr kommunikativer Mensch, ich lache viel, ich unterhalte mich gerne mit Leuten. Ich liebe eine Stadt wie London, wo man in einem Restaurant sitzt und jeder am Tisch aus einem anderen Land kommt und eine andere Geschichte zu erzählen hat.
 
Welche Eigenschaft zeichnet Ihren Bruder David aus?
Philipp: Dave ist der Macher, der Mann, der wirtschaftliche Zusammenhänge einfach erklärt, der gut mit Zahlen kann. Kürzlich haben wir bei einer unserer Firmen vor 250 Mitarbeitern gesprochen. Wenn da eine Frage zur Wirtschaft kam, war er kompetent zur Stelle. Wenn jemand allgemeinere Fragen stellte oder was zum Thema Fußball wissen wollte, habe ich geantwortet.
 
War das immer schon so?
Philipp: Dass mein Bruder gut mit Zahlen kann? Ja. Einmal hat er sogar eine Mathearbeit für mich geschrieben, ohne dass unsere Lehrerin es gemerkt hat.
David: Wir haben vier Hände, vier Augen, vier Ohren. Was er hört, höre ich auch. Was ich sehe, sieht er auch.
 
Haben Sie ähnliche Vorstellungen davon, wie man ein Unternehmen führt?
David: Wichtig ist: Weder Philipp und ich sind momentan operativ in Unternehmen tätig. Wir haben Ideen mit Geschäftspartnern entwickelt und haben Beteiligungen. Zu mehr fehlt noch die Zeit.
 
Dennoch werden Sie eine Idee davon haben, wie man eine Firma leitet.
David: Es ist ähnlich wie im Fußball.
 
Und zwar?
David: 80 Prozent Psychologie, 20 Prozent Sachverstand. Ich kann Ihnen das plausibel erklären.
 
Bitte.
David: Ein Trainer muss die Spieler so anpacken, dass sie sich für ihn zerreißen. Sie müssen das Gefühl haben, dass sie gebraucht werden – egal, ob sie Ersatz- oder Stammspieler sind. Dabei muss der Trainer begreifen, dass jeder Spieler anders zu behandeln ist: der junge Mann aus dem Nachwuchs, der alte Star, der Neue aus dem Ausland und so weiter. In der Wirtschaft ist es ähnlich.
 
Inwiefern?
David: Man muss die Leute in einem bestimmten Rahmen kreativ arbeiten lassen. Man muss ihnen Freiräume geben. Niemand darf morgens mit dem Gefühl ins Büro kommen, dass er bei einem Fehler gleich gefeuert wird.
 
Bei Borussia Mönchengladbach wurden Sie einst zu den Amateuren abgeschoben. Die Begründung von Trainer Jos Luhukay lautete: »Eine solchen Charakter kann ich hier nicht brauchen.« Wie hätten Sie sich damals angepackt?
David: Damals sind viele Fehler gemacht worden. Auch von meiner Seite. Ich habe blöde Aussagen in den Medien getätigt, die vielleicht auf meinen jugendlichen Leichtsinn zurückzuführen waren. Heute will ich einfach Fußball spielen. Gut Fußball spielen. Ich habe mich entwickelt.
 
Anders: Wenn heute ein junger Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen über die Strenge schlagen würde, wie würden Sie reagieren?
David: Auf die Gefahr hin, dass es vorhersehbar klingt: Genau solche Leute will ich. Menschen, die vielleicht mal überborden, die Leidenschaft haben, die Emotionen zeigen, aber die auch ehrlich sind und mit denen ich hitzige und konstruktive Diskussionen führen können. Ich will nicht nur Ja-Sager um mich herum haben.
 
Wie wichtig ist Ihnen eigentlich Image?
David: Ich sage immer: Ein gutes Image baut man über Jahre auf, ein schlechtes Image kann man innerhalb eines Tages kreieren.
Philipp: Unsere Freunde und engen Bekannten wissen, dass wir freundlich, fröhlich und ehrlich sind. Wir haben das Herz am richtigen Fleck.
David: Wir sind jetzt seit mehr als zehn Jahren Profis und haben uns bislang keinen Skandal geliefert, der ein »Diva«-Image rechtfertigen könnte. Ich habe mir zweifelsohne einige Fehler geleistet, einige Dinge unüberlegt gesagt, doch ich habe daraus gelernt.
 
Sie haben mal gesagt, dass Sie wie in einer Ehe zusammenleben. Nun spielen Sie beide wieder beim FC Basel und planen eine gemeinsame Karriere nach der Fußballzeit. Klingt auch ein bisschen explosiv, oder?
David: Absolut. Fragen Sie mal unsere Freunde, wie häufig wir aneinandergeraten.
Philipp: Um erfolgreich zu sein, braucht es das aber auch gelegentlich.
David: Das gehört dazu. Das Leben ist keine Wohlfühloase. Das Leben kann man nicht nur in der Komfortzone leben. Wenn du da lebst, dann kannst du nie eine bestimmte Linie überschreiten, dann wirst du nie wegweisende Entscheidungen treffen, nie Risiko eingehen.
Philipp: Du musst dir manchmal ehrlich die Meinung ins Gesicht sagen. Denn sonst kommen die Konflikte irgendwann geballt hervor. Im Fußball ist eine ehrliche Meinung allerdings nicht immer gefragt.

Philipp Degen, Sie standen drei Jahre beim FC Liverpool unter Vertrag. Allerdings haben Sie aufgrund von Verletzungen nur sieben Spiele gemacht. Hat Sie die Auslandserfahrung dennoch weitergebracht?
Philipp: Ich war ja zuvor bereits bei Borussia Dortmund gewesen, der für mich ebenfalls ein Weltverein ist – vor allem was die Fankultur betrifft. Der Wechsel zum FC Liverpool war aber ein größerer Schritt. Dort war alles noch ein Stückchen imposanter. Ich erinnere mich an eine Trainingsreise nach Asien. Was ich in Bangkok oder in Singapur erlebt habe, ist unglaublich. Das war wie ein Staatsbesuch. Hunderttausende säumten die Flüsse und Straßen, alle mit Liverpool-Trikots oder Fahnen. Auf dieser Tour habe ich gelernt, wie groß dieser Verein ist.
 
Wie war es in Liverpool?
Philipp: Ich kann mich nicht an ein Spiel erinnern, wo die Fans uns ausgepfiffen hätten. Die Verbundenheit ist riesig. Das sah man auch bei dem Umgang mit den Toten der Hillsborough-Katastrophe, denen seit 25 Jahren gedacht wird. Großen Respekt hatte ich auch vor den Topstars in der Mannschaft. Es gab niemanden, der sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht hat, alle haben ständig Gas gegeben. Da habe ich gesehen: Du musst ständig an dir arbeiten – auch wenn du bereits ganz oben bist...
David: ...du musst dich immer verbessern wollen.
Philipp: Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier, dennoch muss er offen für neue Dinge sein.
 
Sprechen wir über die Firmen, in denen Sie involviert sind. Welche ist momentan die erfolgreichste?
David: Ein Internet-Start-Up mit dem Namen dealini.ch. Mit dieser Firma planen wir, demnächst nach Deutschland zu gehen.
 
Was macht diese Firma?
David: Dealini ist eine der ersten Social Shopping Gaming Plattformen. Du sammelst Kärtchen auf bestimmte Deals. Je mehr Kärtchen du hast, desto günstiger wird das Produkt. Daher auch Dealini – eine Ableitung von Panini, den Fußball-Sammelbildchen von früher.
 
Ähnlich wie Groupon also?
David: Nicht ähnlich. Bei uns muss sich der Kunde mit dem Deal bzw. Produkt auseinandersetzen. Wir sind nachhaltig. Das Portal ist gut angelaufen. Momentan haben wir um die 60.000 User. Für die Schweiz ist das zu dieser Zeit ein fantastischer Wert.
 
Was macht den Schweizer Markt denn so besonders?
David: Die Schweizer sind sehr verhalten, insofern ist die Schweiz eigentlich ein idealer Testmarkt. Nun kommt also der Schritt auf den größten Markt Europas: Deutschland.
 
Wie viele Mitarbeiter hat Dealini?
David: Im Moment 26.
 
Welche Aufgaben haben Sie?
David: Vorweg: Ich habe nur eine Aufgabe und zwar beim FC Basel meine Leistung zu bringen. Mein Hobby ist es, die Firmen mit meinen Ideen, meinem Netzwerk, meinem Knowhow weiterzubringen. Eine Sache ist es zum Beispiel, Investoren für die Projekte zu gewinnen, Geld zu »raisen«.
 
Warum gerade ein Risikogeschäft mit einem Internet-Start-Up?
David: Ich finde das spannend. Denn du bist Teil von etwas, das entsteht. Du baust ein Häuschen, du fängst an mit dem Fundament, und dann musst du jeden Stein selbst anfassen. Mal musst du sie umdrehen, mal andernorts positionieren, mal austauschen. Das mache ich mit meinem Geschäftspartner seit einigen Jahren. Wie gesagt: »Learning by doing«. Das kann mir keiner mehr nehmen.
Philipp: Ich finde es faszinierend, wie viel Elan da herrscht. Es ist eine sehr kleine und junge Firma. Teilweise arbeiten da Studenten und programmieren.
David: Stimmt, da gibt es 19- oder 20-Jährige, die in bestimmten Bereichen viel mehr Ahnung haben als wir. Die dieses ganze Silicon-Valley-Knowhow besitzen. Oder schauen Sie nach Berlin, wo die ganzen Internetpioniere sitzen, die mit Anfang 20 eine grandiose Idee gehabt haben und damit neue Wege bereitet haben. Das ist doch toll.
 
Sie stecken Ihr Geld aber nicht nur in Start-Ups.
David: Wir haben unser Portfolio diversifiziert. Wir investieren auch ganz klassisch in Immobilien. Wir wissen auch, dass es relativ einfach ist, eine Internet-Idee zu haben. Die Schwierigkeit besteht darin, die PS auf die Straße zu bringen. 80 Prozent der Start-Ups scheitern an der Umsetzung. Stellen Sie sich mal vor, morgen kommt jemand und ist schneller. Dann sind wir weg.
 
Wie bei Facebook.
David: Eine interessante Geschichte. Ich habe den Film gesehen und das Buch gelesen.
Philipp: Da hat man auch wieder Parallelen zum Fußball gesehen. Mark Zuckerberg hatte so viele Berater, Manager und angebliche Freunde um sich rum, die alle nur sein Bestes wollten. Erst als er sich weitgehend unabhängig gemacht hat, konnte das funktionieren.
 
Woher kommt eigentlich dieses Interesse für das Internet?
David: Die gab es immer schon. Ich finde die Schnelligkeit faszinierend. Wenn die Idee gut ist, kannst du schnell Emotionen wecken. Du kannst schnell Leute gewinnen.
Philipp: Wir waren außerdem immer Technik-Freaks. Früher hatten wir den Commodore 64, danach den Amiga, dann Konami- und Nintendo-Konsolen, irgendwann den ersten PC mit Internet. Ich muss auch immer das neueste Handy-Modell haben. Ich habe momentan zwei Smartphones, und ich warte sehnsüchtig auf das neue Blackberry mit Tastatur.
 
Wie sieht es bei Ihnen zu Hause aus?
Philipp: Technisch. Alles ist irgendwie via Internet und Smartphone verbunden. Mit meinem Handy kann ich zum Beispiel das Licht an- und ausmachen. Ich stehe auf solche Spielereien.
Was sind Ihre anderen Projekte neben Dealini?
David: Ich möchte hier nicht über jedes sprechen. Was ich Ihnen noch nennen kann, ist Cresqo, eine Art Gutschein-Portal mit einer eigenen Währung. Außerdem gibt es noch Cognita. Das ist ein Online-Medienbeobachter.
 
Was ist aus ROI geworden?
David: ROI war ein Restaurant, in dem du den Wert deiner Bestellung in Punkten gutgeschrieben bekommst und damit einkaufen gehen kannst. Die Grundidee war nicht schlecht. Doch einige Dinge liefen nicht so wie erhofft. Zum Beispiel fehlte Laufkundschaft. Cresqo ist die Fortsetzung von ROI im Internet.
 
Wir haben außerdem gehört, dass Sie vergangenes Jahr eine Dating-Plattform für Zwillinge starten wollten.
David: (lacht) Eine Zeitung hat das geschrieben. Richtig ist: Das Portal sollte keine Dating-Plattform sein, sondern schlicht eine Seite, auf der sich Zwillinge kennenlernen können.
 
Wie kamen Sie auf die Idee?
David: Zwillinge haben eine besondere Bindung, eine spezielle Art miteinander zu kommunizieren. Wir fanden es interessant, dass man eine Community schafft, damit sich diese Zwillinge miteinander vernetzen können. Die Idee rührte auch daher, weil wir selbst kaum andere Zwillinge kennen.
 
Der Markt dürfte allerdings überschaubar sein.
David: Stimmt nicht. 3,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind Zwillinge. Die Fragen waren also: Wie führt man diese Zwillinge zusammen? Wie kann eine Community aussehen, die einen aktiven Mehrwert für die Zwillinge schafft? Das war die Grundidee. Jene Zeitung hat daraus eine Dating-Plattform gemacht. Vermutlich, weil wir einmal in einem Interview gesagt haben, dass es ganz nett wäre, wenn wir mal zwei Zwillingsschwestern treffen würden.
 
Das wäre ja über das Portal trotzdem möglich. Was würde dann eigentlich passieren? Sie wohnen ja zusammen.
David: Dann sitzen wir vielleicht zu viert in unserer Wohnung. Wer weiß das jetzt schon.
 
Wie weit war das Projekt fortgeschritten?
David: Wir waren schon sehr weit. Die Software war so gut wie fertig. Aber wir müssen Prioritäten setzen, schließlich haben wir noch einen Job und der heißt Fußball.
Philipp: Die Plattform kommt aber. Wir brauchen einfach noch ein bisschen Zeit.
 
All Ihre Projekte klingen sehr fußballfern. Reizt Sie das Fußballgeschäft nicht?
Philipp: Ich kann es mir schon vorstellen. Ich habe ja ein großes Netzwerk. (lacht)
David: Wir sagen nie »Nie«. Wobei ich mir kaum vorstellen kann, als Trainer zu arbeiten. Andere Positionen fände ich schon interessant. Fußball ist mein Leben. Fußball hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.
 
David und Philipp Degen, kennen Sie Langeweile?
David: Nein. (überlegt) Nun, sagen wir es so: Ich kenne Langeweile. Aber das ist ein ganz schlimmer Zustand für uns. Er bedeutet Stillstand und Stillstand bedeutet Rückschritt.
 
Einen Sonntagabend auf dem Sofa verbringen Sie also nie?
David: Um Gottes willen, nein! Es muss immer was los sein. Wir müssen irgendwie immer an der Front sein...
Philipp: ...wir wollen immer was bewegen.

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