11.04.2013

Die Degen-Zwillinge über ihre Internet-Start-Ups und Image

»Ich will nicht nur Ja-Sager«

David und Philipp Degen sind Profifußballer und Hobbyunternehmer: Sie spielen für den FC Basel und investieren in ihrer Freizeit in Internet-Start-Ups. Ein Gespräch über eine Community für Zwillinge, Erfolg und die Sorge vor dem Loch nach der Karriere.

Interview: Andreas Bock Bild: Dan Cermak

Philipp Degen, Sie standen drei Jahre beim FC Liverpool unter Vertrag. Allerdings haben Sie aufgrund von Verletzungen nur sieben Spiele gemacht. Hat Sie die Auslandserfahrung dennoch weitergebracht?
Philipp: Ich war ja zuvor bereits bei Borussia Dortmund gewesen, der für mich ebenfalls ein Weltverein ist – vor allem was die Fankultur betrifft. Der Wechsel zum FC Liverpool war aber ein größerer Schritt. Dort war alles noch ein Stückchen imposanter. Ich erinnere mich an eine Trainingsreise nach Asien. Was ich in Bangkok oder in Singapur erlebt habe, ist unglaublich. Das war wie ein Staatsbesuch. Hunderttausende säumten die Flüsse und Straßen, alle mit Liverpool-Trikots oder Fahnen. Auf dieser Tour habe ich gelernt, wie groß dieser Verein ist.
 
Wie war es in Liverpool?
Philipp: Ich kann mich nicht an ein Spiel erinnern, wo die Fans uns ausgepfiffen hätten. Die Verbundenheit ist riesig. Das sah man auch bei dem Umgang mit den Toten der Hillsborough-Katastrophe, denen seit 25 Jahren gedacht wird. Großen Respekt hatte ich auch vor den Topstars in der Mannschaft. Es gab niemanden, der sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht hat, alle haben ständig Gas gegeben. Da habe ich gesehen: Du musst ständig an dir arbeiten – auch wenn du bereits ganz oben bist...
David: ...du musst dich immer verbessern wollen.
Philipp: Der Mensch ist ja ein Gewohnheitstier, dennoch muss er offen für neue Dinge sein.
 
Sprechen wir über die Firmen, in denen Sie involviert sind. Welche ist momentan die erfolgreichste?
David: Ein Internet-Start-Up mit dem Namen dealini.ch. Mit dieser Firma planen wir, demnächst nach Deutschland zu gehen.
 
Was macht diese Firma?
David: Dealini ist eine der ersten Social Shopping Gaming Plattformen. Du sammelst Kärtchen auf bestimmte Deals. Je mehr Kärtchen du hast, desto günstiger wird das Produkt. Daher auch Dealini – eine Ableitung von Panini, den Fußball-Sammelbildchen von früher.
 
Ähnlich wie Groupon also?
David: Nicht ähnlich. Bei uns muss sich der Kunde mit dem Deal bzw. Produkt auseinandersetzen. Wir sind nachhaltig. Das Portal ist gut angelaufen. Momentan haben wir um die 60.000 User. Für die Schweiz ist das zu dieser Zeit ein fantastischer Wert.
 
Was macht den Schweizer Markt denn so besonders?
David: Die Schweizer sind sehr verhalten, insofern ist die Schweiz eigentlich ein idealer Testmarkt. Nun kommt also der Schritt auf den größten Markt Europas: Deutschland.
 
Wie viele Mitarbeiter hat Dealini?
David: Im Moment 26.
 
Welche Aufgaben haben Sie?
David: Vorweg: Ich habe nur eine Aufgabe und zwar beim FC Basel meine Leistung zu bringen. Mein Hobby ist es, die Firmen mit meinen Ideen, meinem Netzwerk, meinem Knowhow weiterzubringen. Eine Sache ist es zum Beispiel, Investoren für die Projekte zu gewinnen, Geld zu »raisen«.
 
Warum gerade ein Risikogeschäft mit einem Internet-Start-Up?
David: Ich finde das spannend. Denn du bist Teil von etwas, das entsteht. Du baust ein Häuschen, du fängst an mit dem Fundament, und dann musst du jeden Stein selbst anfassen. Mal musst du sie umdrehen, mal andernorts positionieren, mal austauschen. Das mache ich mit meinem Geschäftspartner seit einigen Jahren. Wie gesagt: »Learning by doing«. Das kann mir keiner mehr nehmen.
Philipp: Ich finde es faszinierend, wie viel Elan da herrscht. Es ist eine sehr kleine und junge Firma. Teilweise arbeiten da Studenten und programmieren.
David: Stimmt, da gibt es 19- oder 20-Jährige, die in bestimmten Bereichen viel mehr Ahnung haben als wir. Die dieses ganze Silicon-Valley-Knowhow besitzen. Oder schauen Sie nach Berlin, wo die ganzen Internetpioniere sitzen, die mit Anfang 20 eine grandiose Idee gehabt haben und damit neue Wege bereitet haben. Das ist doch toll.
 
Sie stecken Ihr Geld aber nicht nur in Start-Ups.
David: Wir haben unser Portfolio diversifiziert. Wir investieren auch ganz klassisch in Immobilien. Wir wissen auch, dass es relativ einfach ist, eine Internet-Idee zu haben. Die Schwierigkeit besteht darin, die PS auf die Straße zu bringen. 80 Prozent der Start-Ups scheitern an der Umsetzung. Stellen Sie sich mal vor, morgen kommt jemand und ist schneller. Dann sind wir weg.
 
Wie bei Facebook.
David: Eine interessante Geschichte. Ich habe den Film gesehen und das Buch gelesen.
Philipp: Da hat man auch wieder Parallelen zum Fußball gesehen. Mark Zuckerberg hatte so viele Berater, Manager und angebliche Freunde um sich rum, die alle nur sein Bestes wollten. Erst als er sich weitgehend unabhängig gemacht hat, konnte das funktionieren.
 
Woher kommt eigentlich dieses Interesse für das Internet?
David: Die gab es immer schon. Ich finde die Schnelligkeit faszinierend. Wenn die Idee gut ist, kannst du schnell Emotionen wecken. Du kannst schnell Leute gewinnen.
Philipp: Wir waren außerdem immer Technik-Freaks. Früher hatten wir den Commodore 64, danach den Amiga, dann Konami- und Nintendo-Konsolen, irgendwann den ersten PC mit Internet. Ich muss auch immer das neueste Handy-Modell haben. Ich habe momentan zwei Smartphones, und ich warte sehnsüchtig auf das neue Blackberry mit Tastatur.
 
Wie sieht es bei Ihnen zu Hause aus?
Philipp: Technisch. Alles ist irgendwie via Internet und Smartphone verbunden. Mit meinem Handy kann ich zum Beispiel das Licht an- und ausmachen. Ich stehe auf solche Spielereien.
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