Didier Ya Konan über Anschi Machatschkala und Drogbas Weisheiten

»Arbeite hart, sei stark im Kopf!«

Im Rückspiel der Europa League muss Hannover 96 ein 1:3 umbiegen. Trotzdem glaubt Stürmer Didier Ya Konan an das Weiterkommen. Kein Wunder: In schwierigen Situationen besinnt sich der Ivorer einfach auf den Ratschlag von Didier Drogba.

Didier Ya Konan, wie dankbar sind Sie Samuel Eto'o?
Es war gut, dass er im Hinspiel den Elfmeter verschossen hat (lächelt). Das wäre sehr früh in der zweiten Halbzeit schon das 1:3 gewesen! Als ich seinen Anlauf sah, dachte ich, dass er in die rechte Ecke zielt. Ich stand ja direkt hinter ihm. Glücklicherweise hat sich Ron-Robert Zieler von seinem langsamen Anlauf nicht beeindrucken lassen.

Eto'o ist das Aushängeschild im hochgerüsteten Kader von Anschi Machatschkala.
Samuel Eto'o ist einer der großartigsten Spieler dieses Sports. Gefährlich, schnell, wendig, clever – Weltklasse, immer noch. Aber weder er noch einer der anderen Stars darf uns einschüchtern. Wir wollen in die nächste Runde einziehen. Das Auswärtstor in Moskau war dafür enorm wichtig, trotzdem müssen wir uns auch deutlich steigern.

Ganz konkret: Was muss besser laufen?
Wir müssen als Mannschaft besser verteidigen. Ich schließe mich da mit ein. Wer nur unsere Verteidiger für Gegentore verantwortlich macht, liegt falsch. Defensive beginnt ganz vorne. Und dann müssen wir vor dem Tor eiskalt sein. Wenn wir Chancen kriegen, sie sofort verwerten.

In der Bundesliga steht Hannover 96 auf dem 8. Rang, der Abstand auf die internationalen Plätze beträgt nur vier Zähler. Trotzdem fällt auf, dass Sie nicht mehr durch die Liga tanzen wie in der Hinrunde der Vorsaison, erst recht nicht wie in der Rekordspielzeit 2010/11.
Es läuft nicht rund. Die Leichtigkeit, mit der wir vor zwei Jahren kombiniert haben, fehlt. Im Moment fangen wir mit harter Arbeit und Zweikampfeinsatz auf, was an Lockerheit fehlt. Das ist auch Kopfsache. Wir müssen im mentalen Bereich wieder dahinkommen, wo wir 2011 schon mal waren. Dann fallen späte Gegentore wie in Nürnberg sicherlich nicht.

Gegen den Club trafen Sie zum zwischenzeitlichen 2:1. Ihr dritter Treffer im 17. Einsatz. Reicht diese Quote? Der Positionsdruck im Angriff ist seit dem Transfer von Mame Diouf gewachsen.
Die Konkurrenzsituation hat sich verschärft, aber das ist nur gut für den Verein. Es treibt uns zu noch mehr Leistung an. Der Trainer hat die Qual der Wahl, und egal, ob er nun Mame Diouf bringt oder den genesenen Moa Abdellaoue, Artur Sobiech oder mich – solange die Tore fallen, wird sich keiner beschweren.

Wie sehen Sie Ihre Leistung?
Ich habe einige Spiele gemacht, weiß aber auch, dass ich noch mehr abrufen kann. Seit ich vom Afrika-Cup zurückgekehrt bin, komme ich oft im rechten Mittelfeld zum Einsatz. Das ist zwar nicht meine angestammte Position, aber ich will spielen und für das Team kämpfen. Darum geht es mir.

Beim Africa Cup musste die Elfenbeinküste, hochkarätig besetzt und deshalb mal wieder als Favorit geltend, schon im Viertelfinale gegen Nigeria die Segel streichen. Mit so einem frühen Ausscheiden hatte niemand gerechnet. Die Enttäuschung in Ihrer Heimat war groß.
Wir sind nach Südafrika gefahren, um den Titel zu holen. Aber wir haben nicht gut gespielt, konnten nur selten überzeugen. Man sollte das Auftreten analysieren und eine Lösung finden – damit die Zukunft besser wird.

Dabei versammelt der aktuelle Kader eine unglaubliche Stardichte: Didier Drogba, Didier Zokora, Salomon Kalou, die Touré-Brüder, Gervinho und Emmanuel Eboué spielen seit Jahren zusammen. Es droht der Makel, dass sich die talentierteste ivorische Generation zu vergolden vergisst.
Die Elfenbeinküste wartet jetzt seit 21 Jahren auf einen Titel (Afrika-Cup-Gewinner 1992, d. Red.). Natürlich redet jeder über diese Generation, die, angeführt von Didier Drogba, so viel Potential hat. Aber Fußball ist eben nicht so einfach. Talent allein gewinnt keine Turniere, wir müssen auch als Team auftreten. Nur dann kann es funktionieren.

Der beste Rat, den Ihnen Nationalheld, Kapitän und Stürmerkollege Didier Drogba gegeben hat?
Arbeite hart und sei stark im Kopf! Didier ist ein großes Vorbild, einer, der es wirklich geschafft hat. Seine Karriere ist fantastisch, er wird auch bei Galatasaray sehr stark sein. Ich bin dankbar, ihn heute einen guten Freund und großen Bruder nennen zu dürfen. Wir flachsen miteinander, aber er gibt auch Wissen weiter.
Wie er engagieren auch Sie sich sozial in der Elfenbeinküste.
Aktuell widme ich mich einem Projekt, das Waisenkindern hilft. Die Elfenbeinküste ist immer noch arm, diese Kinder haben ihre Eltern verloren, kein Heim und nichts zu essen. Da muss ich helfen. Ich selbst komme aus Abidjan und habe als Kind in den Straßen Fußball gespielt. Wenn ich diese frühen Erinnerungen mit heute vergleiche, denke ich: Wow! Mein Leben hat einen perfekten Lauf genommen. Dafür danke ich Gott.

Wollten Sie schon als junger Fußballer in die Bundesliga, oder hätte es dann doch lieber Spanien, Italien, England sein sollen?
Meines Erachtens gehört die Bundesliga zu den stärksten Ligen weltweit. Ich habe Sie schon früher im Fernsehen verfolgt. Als ich dann von Trondheim nach Hannover gewechselt bin, hat sich mir ein Traum erfüllt. Ich wollte einfach nur dieses rote Trikot überstreifen und loslegen!

Sie gewöhnten sich schnell ein, Ihre Tore machten Sie zum Publikumsliebling. Gibt es einen Treffer, den Sie in besonderer Erinnerung halten?
Mein Lupfer in der Europa League im Dezember 2012 gegen Levante war ganz schön, außerdem... (überlegt) gehört mein Schlenzer vom Strafraumeck, 2010 gegen den 1. FC Köln, bestimmt genauso dazu. Ich dachte mir, probiere ich es doch einfach mal.

Didier Ya Konan, Sie fallen auch regelmäßig mit gewagten Frisuren auf. Früher kleine Zöpfe, zuletzt Irokese. Vorschlag: Wenn Hannover 96 erst Anschi besiegt und danach die Europa League holt, färben Sie sich die Haare blond!
Darüber muss ich erstmal nachdenken, das kann ich jetzt noch nicht planen (lacht). Außerdem ist meine Frau für meine Frisuren verantwortlich.

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