27.05.2012

Didi Hamann über Trapattoni, Benitez und das Wunder von Istanbul

»Zeigen, dass wir eine Muschi haben«

Dietmar Hamann hat nicht nur viele Jahre in England gespielt, er wurde dort quasi selbst zum Engländer. Ein Gespräch über Champagner mit Eriksson, Zigaretten in der Dusche und Sprachprobleme von Giovanne Trapattoni.

Bild: Imago



Trainer Rafa Benitez galt als ausgesprochener Taktikfuchs. Hat er Ihnen nicht mal mit ein paar Salzstreuern gezeigt, wie man Barcelona schlagen kann?
Ja, als ich ihn bei sich zu Hause besucht habe. Rafa Benitez denkt an nichts anderes als Fußball, und es ist eine Freude, ihm zuzuhören. Er kennt sich unheimlich gut aus, ein sehr intelligenter Mann.

Sie haben für eine ganze Reihe ziemlich namhafter Trainer gespielt: Benitez, Franz Beckenbauer, Otto Rehhagel, Kenny Dalglish, Giovanni Trapattoni, Sven-Göran Eriksson, Gérard Houllier. Wer war der Beste?
Schwer zu sagen, ich war eigentlich mit allen erfolgreich. Wahrscheinlich Trapattoni, weil ich von ihm als junger Spieler unheimlich viel gelernt habe. Doch auch Houllier und sein Trainerstab haben tolle Arbeit geleistet. Mit Benitez und seinem Co-Trainer Paco Ayestaran habe ich die Champions League gewonnen. Ich glaube, es wird oft unterschätzt, wie wichtig der Trainerstab ist. Wenn man als Coach nicht die richtigen Leute hinter sich weiß, hat man es schwer.

Trapattoni bringt manchmal ein paar echt bizarre Sachen ...
Stimmt, aber letztlich liegt das nur daran, dass er die Sprache nicht so gut beherrscht. Als wir einmal ein Heimspiel verloren hatten, versuchte er uns im Training klarzumachen, dass es nicht reicht, den Leuten zu erzählen, es täte uns leid. Wir müssten rausgehen und Eier zeigen. Doch ihm fiel das deutsche Wort für
Cojones nicht ein, und einer der Südamerikaner sagte ihm, es wäre Muschi. Also sagte er: »Genau, wir müssen da rausgehen und den Fans zeigen, dass wir eine Muschi haben!« Immer und immer wieder. Wir haben versucht, nicht zu lachen, weil wir gerade verloren hatten und die Lage ziemlich ernst war. Doch irgendwann konnten wir nicht mehr an uns halten und er hat zum Glück mitgelacht, als ihm klar wurde, was er da gerade gesagt hatte.

Sie trinken ganz gerne mal ein Gläschen Wein, oder?
Ja, klar.

Stimmt es, dass Sie besser gespielt haben, wenn Sie in der Woche vor dem Match ein oder zwei Fläschchen getrunken hatten?
In den letzten drei Tagen vor dem Spiel sollten wir keinen Alkohol trinken, also habe ich manchmal bis Mittwoch ein paar Gläser getrunken und danach nichts mehr. Ich sah das als Teil meiner Vorbereitung, damit ich nicht am Donnerstag Schmacht bekam. Hat mir nicht geschadet, würde ich sagen.

Haben Sie auch immer geraucht?
Ja, aber zu Beginn meiner Karriere habe ich nur sehr wenig geraucht. Später wurde es dann ein bisschen mehr.

Wie viele Zigaretten am Tag waren es denn bei Liverpool?
Zehn, würde ich sagen.

Mit Eriksson sind Sie auch gut klargekommen, oder?
Sven ist ein prima Kerl, der alle so behandelt, als wären Sie Teil einer großen Familie. Er sorgt dafür, dass eine besondere Atmosphäre herrscht, und das macht ihn so erfolgreich. In meiner Zeit bei Manchester City waren wir auf Tournee in Thailand und es war eigentlich allen klar, dass er nicht mehr lange Trainer sein würde. Er wusste es, wir wussten es, alle wussten es. Ich lag draußen am Pool und er kam mit zwei Gläsern Champagner raus. Er reichte mir eines und ich fragte ihn, was es zu feiern gebe. Er sagte: »Das Leben, Kaiser. Wir feiern das Leben.« So ein Typ ist Sven.

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