23.09.2010

DFL-Medienchef Tom Bender über Fußball in 3D

»Wir haben keine Glaskugel«

Zur Rückrunde sollen Frings, Van Bommel und Co., dank 3D,  bis auf den Couchtisch grätschen. Wir sprachen mit DFL-Medienchef Tom Bender über technische Innovationen und einsame Fernsehabende im Partykeller.

Interview: Thorsten Schaar Bild: Imago
DFL-Medienchef Tom Bender über Fußball in 3D
Tom Bender, sammeln Sie 3D-Brillen?

Ich besitze inzwischen eine ganze Kollektion, weil ich mich bereits seit mehr als fünf Jahren damit beschäftige. Immer im Frühjahr reise ich zur größten TV- Messe der Welt in Las Vegas. Hersteller und Fernsehsender experimentieren schon länger mit der Technik. Und jedes Jahr gibt es eine neue Brille. Was man an meinen inzwischen acht Modellen sehen kann: Das Design wird immer schnittiger.

Haben Sie früher auch »Creature from the Black Lagoon« in 3D gesehen?


Meine 3D-Erlebnisse beschränkten sich lange auf Disneyland und Phantasialand. Vor fünf Jahren habe ich dann erste Experimente in den USA gesehen, mit American Football. Ich konnte mir damals noch nicht vorstellen, dass man sich Sport in 3D über einen längeren Zeitraum anschauen kann, ohne dass die Augen schmerzen. Seitdem hat sich vieles weiterentwickelt.

Warum brauchen wir jetzt auch noch Fußballübertragungen in 3D?

Man kann nicht einfach nur den Kamera-Standard wechseln und die gleiche Übertragung in 2 und 3D machen. Das ist eine völlig andere Produktion, die parallel laufen muss. Bei einer Filmproduktion sind räumliche Effekte planbar, bei einer Live-Übertragung sind sie dagegen zufällig. Ideal ist es natürlich, wenn der jubelnde Spieler auf einen zuläuft und man das Gefühl hat, dass er einem um den Hals fällt. Nur: Wenn das Spiel 0:0 ausgeht, gibt es keinen Jubel.

Ein maues 0:0 wird also auch in 3D kein Spitzenkick?

Wir können auch durch 3D ein schlechtes Spiel nicht besser machen.

Was haben Sie bei Ihren Pilotversuchen gelernt?

Es reicht nicht nur, die Technik zu ändern, sondern man muss das Spiel auch ganz anders erzählen. Wir brauchen andere Winkel für die Kameras, müssen räumliche Tiefe schaffen. Der Prozess ist komplett anders als bei normalen Übertragungen. Die verschiedenen Kameras werden nicht einfach nebeneinander stehen. Man kann sagen: Wir machen zwei komplette Produktionen in einem Stadion.

In der Rückrunde wird pro Spieltag eine Begegnung in 3D übertragen. Wie groß ist der technische Fuhrpark?

Wir werden bis zu 18 Kameras einsetzen. Und wir brauchen einen Live-Regisseur, der weiß, wann ein Effekt sinnvoll ist und wann nicht. Die Spidercam, die am Seil über das Spielfeld schwebt, wurde bei ihrer Einführung von den Regisseuren benutzt, so oft es ging. Ihre Wirkung entfaltet sie aber vor allem bei Torwartabschlägen, zeigt dann wunderbar die Dimension des Spiels. Genauso ist auch der 3D-Effekt nicht überall sinnvoll. Ganz wichtig ist: Es muss einen Mehrwert für den Fan geben.

Wie waren Ihre Erfahrungen während der WM?

Obwohl draußen überall Public Viewing war, haben mehr als 20 Kinos in NRW das dritte Gruppenspiel der deutschen Mannschaft in 3D übertragen. Die Kinos waren randvoll, trotz 40 Grad draußen! Die Menschen sind fasziniert vom Thema »3D« und dem wollen wir gerecht werden.

Glauben Sie, dass die Fußball-Fans, die sich gerade einen HD-tauglichen Fernseher gekauft haben, umgehend ein 3D-taugliches Modell erwerben?


Die TV-Industrie arbeitet seit Jahren an dem Thema. Die Bundesliga ist im Hinblick auf das Nutzen neuer Technologien seit jeher untern den Innovationsführern. Wenn sich das Publikum für 3D interessiert, erwartet man von uns als führende Liga, dass wir auch hier vorne mit dabei sind. Wir werden die erste Liga sein, die das dauerhaft anbietet. Ich kann heute aber nicht sagen, ob das der Straßenfeger schlechthin wird. Eine Glaskugel haben auch wir nicht.

Für wie viele potentielle Zuschauer werden die 3D-Bilder in der Rückrunde produziert?

Sowohl die Telekom wie auch Sky werden ihren Kunden die 3D-Übertragung anbieten. Bei diesen beiden Partnern bestand große Nachfrage.

Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden