DFL-Medienchef Tom Bender über Fußball in 3D

»Wir haben keine Glaskugel«

Zur Rückrunde sollen Frings, Van Bommel und Co., dank 3D,  bis auf den Couchtisch grätschen. Wir sprachen mit DFL-Medienchef Tom Bender über technische Innovationen und einsame Fernsehabende im Partykeller. DFL-Medienchef Tom Bender über Fußball in 3DImago

Tom Bender, sammeln Sie 3D-Brillen?

Ich besitze inzwischen eine ganze Kollektion, weil ich mich bereits seit mehr als fünf Jahren damit beschäftige. Immer im Frühjahr reise ich zur größten TV- Messe der Welt in Las Vegas. Hersteller und Fernsehsender experimentieren schon länger mit der Technik. Und jedes Jahr gibt es eine neue Brille. Was man an meinen inzwischen acht Modellen sehen kann: Das Design wird immer schnittiger.

Haben Sie früher auch »Creature from the Black Lagoon« in 3D gesehen?


Meine 3D-Erlebnisse beschränkten sich lange auf Disneyland und Phantasialand. Vor fünf Jahren habe ich dann erste Experimente in den USA gesehen, mit American Football. Ich konnte mir damals noch nicht vorstellen, dass man sich Sport in 3D über einen längeren Zeitraum anschauen kann, ohne dass die Augen schmerzen. Seitdem hat sich vieles weiterentwickelt.

Warum brauchen wir jetzt auch noch Fußballübertragungen in 3D?

Man kann nicht einfach nur den Kamera-Standard wechseln und die gleiche Übertragung in 2 und 3D machen. Das ist eine völlig andere Produktion, die parallel laufen muss. Bei einer Filmproduktion sind räumliche Effekte planbar, bei einer Live-Übertragung sind sie dagegen zufällig. Ideal ist es natürlich, wenn der jubelnde Spieler auf einen zuläuft und man das Gefühl hat, dass er einem um den Hals fällt. Nur: Wenn das Spiel 0:0 ausgeht, gibt es keinen Jubel.

Ein maues 0:0 wird also auch in 3D kein Spitzenkick?

Wir können auch durch 3D ein schlechtes Spiel nicht besser machen.

Was haben Sie bei Ihren Pilotversuchen gelernt?

Es reicht nicht nur, die Technik zu ändern, sondern man muss das Spiel auch ganz anders erzählen. Wir brauchen andere Winkel für die Kameras, müssen räumliche Tiefe schaffen. Der Prozess ist komplett anders als bei normalen Übertragungen. Die verschiedenen Kameras werden nicht einfach nebeneinander stehen. Man kann sagen: Wir machen zwei komplette Produktionen in einem Stadion.

In der Rückrunde wird pro Spieltag eine Begegnung in 3D übertragen. Wie groß ist der technische Fuhrpark?

Wir werden bis zu 18 Kameras einsetzen. Und wir brauchen einen Live-Regisseur, der weiß, wann ein Effekt sinnvoll ist und wann nicht. Die Spidercam, die am Seil über das Spielfeld schwebt, wurde bei ihrer Einführung von den Regisseuren benutzt, so oft es ging. Ihre Wirkung entfaltet sie aber vor allem bei Torwartabschlägen, zeigt dann wunderbar die Dimension des Spiels. Genauso ist auch der 3D-Effekt nicht überall sinnvoll. Ganz wichtig ist: Es muss einen Mehrwert für den Fan geben.

Wie waren Ihre Erfahrungen während der WM?

Obwohl draußen überall Public Viewing war, haben mehr als 20 Kinos in NRW das dritte Gruppenspiel der deutschen Mannschaft in 3D übertragen. Die Kinos waren randvoll, trotz 40 Grad draußen! Die Menschen sind fasziniert vom Thema »3D« und dem wollen wir gerecht werden.

Glauben Sie, dass die Fußball-Fans, die sich gerade einen HD-tauglichen Fernseher gekauft haben, umgehend ein 3D-taugliches Modell erwerben?


Die TV-Industrie arbeitet seit Jahren an dem Thema. Die Bundesliga ist im Hinblick auf das Nutzen neuer Technologien seit jeher untern den Innovationsführern. Wenn sich das Publikum für 3D interessiert, erwartet man von uns als führende Liga, dass wir auch hier vorne mit dabei sind. Wir werden die erste Liga sein, die das dauerhaft anbietet. Ich kann heute aber nicht sagen, ob das der Straßenfeger schlechthin wird. Eine Glaskugel haben auch wir nicht.

Für wie viele potentielle Zuschauer werden die 3D-Bilder in der Rückrunde produziert?

Sowohl die Telekom wie auch Sky werden ihren Kunden die 3D-Übertragung anbieten. Bei diesen beiden Partnern bestand große Nachfrage.

 Was wird die erste Partie am 18. Spieltag sein, die in 3D übertragen wird? St. Pauli gegen Freiburg?

Ich kann bislang nur sagen, dass die Partie an einem Sonntag stattfindet. Samstag gibt es als Highlight bereits die Live-Konferenz, sonntags ab Februar 2011 dann verlässlich ein 3D-Spiel. Wir richten uns nach dem Spielplan, nicht der Spielplan nach unseren 3D-Plänen. Und wir schauen, welche Stadien am besten geeignet sind.

Gibt es Mannschaften, die für 3D-Zwecke besonders attraktiv sind?

Ein 4:4 ist grundsätzlich immer gut geeignet. Der wichtigste Mann ist dabei nicht der Kommentator, sondern der Regisseur. In einem Live-3D-Spiel macht er als Bildererzähler den Unterschied aus: Nicht nur, wie er die Kameras positioniert, sondern auch, wie er sie einsetzt. Die Kunst ist, dem Zuschauer das Gefühl zu geben, dass er zum Beispiel bei einer Ecke neben dem Spieler steht.

Werden Sie auch Szenen außerhalb des Spielfelds beobachten?

Nein, das Spiel steht bei uns immer im Mittelpunkt. Es geht nicht um willkürliche Effekthascherei. Das wäre nicht mit unseren Qualitätsstandards zu vereinbaren.

Was kostet die Produktion eines 3D-Spiels?

So etwas kann pro Spieltag schon einmal 100.000 Euro Mehraufwand bedeuten.

Wann investieren Sie diese Summe erstmals für Ihren Lieblingsklub Fortuna Düsseldorf?

Für viele Fortuna-Fans war es zum Start schon schwer genug, die Spiele in 2D zu ertragen. Im Ernst: Die Spiele von Fortuna gibt es bis auf Weiteres nicht, weil wir die 2. Bundesliga nicht in 3D übertragen. 3D-Spiele gibt es erst einmalausschließlich in der Bundesliga.

Wie schauen Sie sich die Bundesliga selbst zu Hause an – in HD oder 3D?

Mein Fernseher, auf dem ich die Spiele gerne sehen würde, ist HD-tauglich. Ich habe allerdings eine Ehefrau und zwei Töchter. Die Hoheit der Fernbedienung hat man bei drei Frauen längst abgegeben. Ich gucke Fußball daher vorwiegend in unserem Partykeller. Und muss mich dort mit einem älteren Gerät zufrieden geben. Unabhängig davon bin ich überzeugt, dass HD einen deutlichen Erlebniszuwachs gebracht hat.

Genauso wie 3D in Zukunft?

Ob das auch mit 3D gelingt, wird sich im Laufe der Zeit zeigen.

Werner Hansch war also ein Visionär, als er in den neunziger Jahren hinsichtlich Souleyman Sané ausrief: »Jetzt haben sie gleich Sané auf dem Kaffeetisch.«

Werner Hansch hatte eben immer schon eine besonders feine Nase.

In einem Punkt sind wir uns aber einig: Im Stadion machen sie das mit diesem 3D-Fußball schon ziemlich lange. Oder?

Ganz klar, nichts ist besser als Live-Fußball im Stadion!

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!