DFL-Geschäftsführer Müller im Interview

„Wie sauber ist das Geld?“

Das russische Unternehmen „Alpha Invest Group Corporation“ will in Carl Zeiss Jena investieren. Ein erstes Symptom für den Ausverkauf der deutschen Klubs? Der Geschäftsführer der DFL Christian Müller sieht den Deal skeptisch.

Herr Müller, bei Carl Zeiss Jena soll ein russischer Investor einsteigen. Die Verträge liegen auch unterschriftsreif vor. Wie beurteilen Sie diesen Vorgang?

Im Prinzip habe ich Verständnis für das Bedürfnis von Jena, frisches Geld zu bekommen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Aber den Einstieg dieses Investors sehen wird doch mit großer Skepsis.

Warum?

Über den Investor ist nicht viel mehr bekannt, als dass es sich um eine russische Firma mit Sitz in der Karibik handelt, so wie aus Jena zu erfahren war. Und wir sind es den Zuschauern, Vereinen und Sponsoren in der Bundesliga einfach schuldig, dass wir uns genauer informieren und Nachforschungsbedarf haben. Es geht um die Fragen: Wie zahlungsfähig ist der Investor? Handelt es sich um sauberes Geld? Und zahlt die Firma ordentlich Steuern? Sprich: Wie seriös ist der Investor? Das sind Punkte, die geklärt werden müssen.

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Der Vertrag liegt Ihnen ja bereits vor. Gibt es denn da auch noch Klärungsbedarf?

Auch da gibt es noch einige Punkte, die uns gewisse Schwierigkeiten bereiten.

Welche sind das? Die Festlegung auf zwei Geschäftsführer etwa, einen von Vereinsseite und einen von Investoren-Seite?

Vertragsinterna will ich nicht nennen, aber in diese Richtung geht unser Unbehagen. Denn eine solche Regelung muss genau geprüft werden, weil die Gefahr besteht, dass die Entscheidungshoheit des Vereins gerade in den Kernfragen des Spielbetriebes faktisch ausgehöhlt wird. Und das sollte nicht passieren.

Wird die DFL den Vertrag in dieser Form akzeptieren?

In dieser Form werden wir ihn nicht akzeptieren, aber wir treffen uns am Montag mit den Verantwortlichen aus Jena, um unsere Bedenken deutlich zu machen und Informationen aus erster Hand zu bekommen. Wir glauben, die Herren aus Jena sehen in uns eher Ratgeber als Verhinderer.

Und wenn keine Lösung gefunden wird?

Maßnahmen unsererseits reichen vom Ausdruck des Missbehagens bis hin zum Lizenzentzug. Aber wir hoffen, dass wir gar nicht in die Vereinsautonomie eingreifen müssen, sondern die Sachen in Jena geregelt werden.

Sollte es doch zu einem Vertragsabschluss kommen, wäre das ein Präzedenzfall im deutschen Fußball. Wäre es auch der Anfang vom Ende der „50-Plus-Eins-Regel“, die bisher Vereinsübernahmen verbietet?

Auf keinen Fall. Der Fall hätte zwar weitreichende Folgen, weil dann auch andere Investoren möglicherweise tätig werden und die Belastbarkeit unserer Statuten testen wollen. Ich bin überzeugt von der Regelung, die vorschreibt, dass Vereine mindestens 50 Prozent plus ein Stimmrecht an einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft behalten müssen. Über die eine oder andere Modifizierung in unseren Statuten werden wir mit den Protagonisten einer Liberalisierung reden, um deren Vorbehalte ein Stück zu beseitigen.

Welchen Weg sollen Vereine wie Jena dann gehen?

Wie gesagt: Ich kann das Bedürfnis verstehen, nach Möglichkeiten zu suchen, um im scharfen Wettbewerb der Bundesligen zu bestehen. Aber ob das der richtige Weg ist, da habe ich meine Zweifel.

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