20.01.2014

DFL-Chef Andreas Rettig über den Fankongress und die Vorfälle von Köln

»Ich halte nichts von dieser Ganovenehre«

Am Wochenende besuchte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig den Fankongress in Berlin. Hier zieht er sein Fazit und spricht über kontroverse Diskussionen mit Fans, seine Doppelrolle und die Vorkommnisse von Köln.

Interview: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Andreas Rettig, Sie waren an beiden Tagen Gast auf dem Fankongress 2014 in Berlin. Sie haben Workshops besucht, Fans getroffen und an Diskussionen teilgenommen. Wie sieht Ihr Fazit aus?

Ich gehe mit einem durchweg positiven Gefühl nach Hause. Besonders beeindruckt war ich von der klaren Position aller Anwesenden gegen rechte Gesinnungen. Wenn die Szene zeigt, dass keine Bereitschaft besteht, mit Nazis unter einem Dach zu leben, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Dass zudem auch vermeintlich gegensätzliche Parteien wie die Polizei oder die Verbände eingeladen wurden und Redezeit bekamen, beweist, dass die aktive Fanszene die richtige Trennschärfe verinnerlicht hat. Genau da sollte die Linie nämlich verlaufen.



Gab es auch Dinge, die Sie gestört haben?
Dass bestimmte Fangruppen immer noch eine Aversion gegen alle Leute haben, die eine Uniform tragen, gefällt mir nicht. Wenn man sich einem direkten Gespräch verweigert und stattdessen nur noch über Dritte kommunizieren will, sehe ich das kritisch. 


Waren Sie überrascht, dass die Polizei bei einer Podiumsdiskussion auch  Selbstkritik geübt hat?

Das ist doch großartig, weil das vertrauensbildend ist. Man muss den Mut haben, eigene Fehler einzugestehen. Das haben hier beide Seiten, Polizei und Fans, getan. Das sind die richtigen Signale.




Auch das Thema »Zeugnisverweigerungsrecht für Fanbeauftragte und Fanprojekt-Mitarbeiter« wurde heiß diskutiert. Wie stehen Sie dazu?

Aus meiner Sicht ging die Diskussion leider in die falsche Richtung, weil die Opferbetrachtung völlig außer Acht gelassen wurde. Wenn Sie krankenhausreif geschlagen werden und daneben steht einer, der den Täter gesehen hat, dann muss derjenige auch aussagen.



Dadurch erschwert sich aber auch die Fanarbeit, weil das Vertrauensverhältnis zwischen Fan und Betreuer beschädigt wird.

Es ist sicherlich ein Spagat. Aber ich halte nichts von dieser Ganovenehre, dass man niemanden verpfeift, der eine Straftat begangen hat. Wenn es darauf ankommt, erwarte ich eben auch eine klare Positionierung von Fanbetreuern. Mir geht es dabei nicht um die Klärung von Bagatelldelikten. Wir haben sicher wichtigere Themen, als die Klärung der Frage, wer jetzt wo einen Sticker geklebt hat.



Im Jahr 2012 war das große Thema des Fankongresses der Dialog zwischen den verhärteten Fronten. Sie sind jetzt seit einem Jahr Geschäftsführer der DFL. Spüren Sie, dass sich das Verhältnis zwischen Verbandsvertretern und Fans verbessert hat?

Das glaube ich schon. Allerdings bin ich hier nicht als reiner Funktionär angereist, sondern eben auch als Fußballfan. Ich wollte von Anpfiff bis Abpfiff dabei sein, weil mich die Themen der Szene auch persönlich interessieren. Deswegen habe ich wie jeder andere meinen Eintritt bezahlt. Ich halte ohnehin nichts von den klassischen Rollenbildern, die gerne transportiert werden: hier die Funktionäre, dort die Fans.

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