19.08.2009

DFB-Vize Ratzeburg über die Frauen-EM

»Wir werden gewinnen«

Am Sonntag beginnt in Finnland die EM der Frauen. Ein Gespäch mit DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg über die Chancen der Deutschen, den Wandel des Frauenfußballs und die Angst vor der Enttäuschung.

Interview: Maike Schulz Bild: Imago
DFB-Vize Ratzeburg über die Frauen-EM
Frau Ratzeburg, morgen geht es für Sie nach Finnland. Was erwarten Sie von der EM?  

Ich hoffe, dass wir gute Spiele sehen werden, egal wer gegen wen spielt. Einfach um zu zeigen, dass sich der Frauenfußball weiter entwickelt hat. Das Teilnehmerfeld wurde von acht auf zwölf erhöht, es haben also mehr Mannschaften die Möglichkeit um den großen Cup zu spielen. Es sind jetzt Verbände dabei, die sich vorher noch nie qualifizieren konnten. Deshalb bin ich sehr gespannt, wie es dieses Jahr läuft. 


 
Ist so eine Veranstaltung für Sie als Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball im DFB nur Arbeit und Stress – oder bleibt Zeit, um die Spiele zu genießen?   

Ich bin ja als Delegationsleiterin der deutschen Mannschaft dabei. Ich werde so auf jeden Fall bei den Spielen der deutschen Mannschaft dabei sein. Auf der Tribüne sitzen und mir die Spiele entspannt angucken kann ich nicht. Es sei denn, es läuft gut und wir führen, dann bin ich schon etwas entspannter. Eine Europameisterschaft ist ein großartiges Erlebnis, da stehe auch ich unter Strom, fiebere mit und hoffe, dass alles gut geht.   

Vor 20 Jahren gewannen die deutschen Frauen zum ersten Mal eine Europameisterschaft. Was hat sich seit dem geändert?  

Auf Deutschland bezogen, hat es sich insofern verändert, dass der Frauenfußball seit 1989 einen großen Schritt vorangekommen ist. Vorher haben noch einige Leute gedacht: »Na ja, Frauenfußball – lass sie spielen, aber da muss man sich nicht drum kümmern.« Danach sind sie aufmerksam geworden, weil wir damals im eigenen Land den Titel geholt haben. Und seit dem haben wir von neun möglichen Titeln immerhin sechs geholt. Es war keine Eintagsfliege. Die, die den Frauenfußball auch schon 1989 unterstützt haben, haben richtig gelegen mit ihrer Einschätzung, dass es eine Sportart ist, die es wert ist, sie zu unterstützen. Heute haben wir viel mehr Fördergelder. Damals gab es nur die Frauen-Nationalmannschaft, jetzt haben wir Auswahlmannschaften in jeder Altersklasse ab den U15 Mädchen. Die Frauen von 1989 sind ohne viel Erwahrung ins Turnier gegangen. Heute beginnt die internationale Erfahrung mit Testspielen bei der U15 und U16. Ab der U17 gibt es mit der EM und WM die ersten großen Wettbewerbe.   

Sie sagen, dass die Förderung der Jugend einen Quantensprung gemacht hat. Das bestätigen auch die jungen Talente, die in die Nationalmannschaft vordrängen. Wo ist noch Nachholbedarf?  

In der Talentförderung, in den Auswahl- und Nationalmannschaften und den Maßnahmen, die drum herum durchgeführt werden, sind wir gut aufgestellt. Ausbaufähigkeiten haben wir im Vereinswettbewerb. Wir können die Situation der Frauenbundesliga und zweiten Bundesliga noch verbessern, vor allem bei der Infrastruktur. Die Qualität der meisten Stadien, der Service in den Stadien, das sind Dinge, die verbesserungswürdig sind. Daran arbeiten wir. Es ist die zwanzigste Serie der Frauenbundesliga, die nach der EM startet. Wir sind noch längst nicht am Ende der Entwicklung angekommen. Noch dazu schlafen die anderen Verbände auch nicht.  

Wie schätzen Sie denn die Entwicklung der anderen europäischen Länder ein?  

Das Problem ist, dass ich die Mannschaften der anderen Länder immer nur spielen sehe, wenn sie gegen uns Mannschaft spielen. Wir haben kürzlich gegen die Niederlande gespielt, die sich zum ersten Mal für die EM qualifizieren konnten. Dass wir sie 6:0 geschlagen haben, hat mich etwas enttäuscht, ich hatte gehofft, die Niederländerinnen wären stärker. Aber vielleicht hatten sie einfach zu viel Respekt vor unserer Mannschaft, mit den ganzen Erfolgen im Nacken. Jetzt haben sie aber die Möglichkeit bei der EM zu zeigen, wie stark sie wirklich sind, vielleicht war das Spiel gegen uns ein Ausrutscher. Im Spiel gegen Russland konnte man auch sehen, dass es dort vorangeht. Ich weiß auch, dass in Island sehr viel für den Frauenfußball getan wird. England und Frankreich sind ebenfalls sehr aktiv. Nationen, die vor 10 bis 15 Jahren noch keine Rolle gespielt haben,, sind im Kommen. Die Anreize, in den Frauenfußball zu investieren, sind gestiegen, durch die U17-EM und die U19-EM, aber auch dadurch, dass FIFA und UEFA Verbände nur in voller Höhe unterstützen, wenn sie auch im Frauen- und Mädchenfußball tätig sind. Diese Tätigkeit belegt man u.a. durch Teilnahme an den internationalen Wettbewerben. Von daher ist auch ein finanzieller Anreiz geschaffen, der die Entwicklung stark vorantreibt.   

Welche Liga schätzen Sie als die stärkste der Welt ein?  

Das ist schwer zu sagen. Im UEFA-Cup waren die Bundesligisten immer gut dabei, aber auch die Schwedinnen, Umeå zum Beispiel. Die Ligen in Frankreich werden immer stärker. Aber dadurch, dass nie etwas aus dem Bereich übertragen oder geschrieben wird, kann ich die wirkliche Stärke nur schwer einschätzen. Ein neues Kräftemessen gibt es dann ab dieser Saison wieder in der Champions League.   

Begrüßen Sie diese Umwandlung von UEFA-Cup zu Champions League?  

Der Ursprung dieser Umwandlung liegt darin, dass wir uns bei der UEFA überlegt haben, dass der Wettbewerb der Landesmeister eigentlich eine Champions League ist. Außerdem gibt es durchaus Überlegungen, in ein paar Jahren einen Wettbewerb für die Landespokalsieger zu veranstalten und das wäre dann nachvollziehbar der UEFA-Cup. Festgelegt ist da noch nichts, wir müssen noch schauen, wie sich der Frauenfußball in den Vereinen der nationalen Verbänden entwickelt. 

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