DFB-Trainer Horst Hrubesch über die U21

»Entscheidend ist die Frage: Welche Philosophie vertritt man?«

Die U21 früh aus der EM ausgeschieden, die U19 gar in der EM-Qualifikation gescheitert – müssen wir uns Sorgen um den deutschen Nachwuchs machen? Ein beruhigendes Interview mit Horst Hrubesch, aktuell U18-Nationaltrainer, der 2009 die deutsche U21 zum EM-Titel führte.

Horst Hrubesch, Sie sind seit Jahren in der Jugendarbeit des DFB tätig. Müssen wir uns Sorgen um den Nachwuchs machen?

Nein, müssen Sie sich nicht. Keine Sorge.

Die U21-Nationalmannschaft ist in der Vorrunde der Europameisterschaft gescheitert, die U19 hat die Qualifikation nicht geschafft. Warum schwächelt der hoch gelobte deutsche Nachwuchs?

Entscheidend ist die Frage: Welche Philosophie vertritt man? Wenn man mit den besten Spielern einer Altersklasse zu so einer EM fährt, ist das eine einfache Geschichte. Wir beim DFB ziehen die herausragenden Spieler aber früh in eine höhere Altersklasse und diese Spieler bleiben dann auch dort. Wenn man aber die Besten aus einer U-Nationalmannschaft heraus nimmt, um sie in der nächsthöheren oder in der A-Nationalmannschaft spielen zu lassen, wird es für jedes Team bei einer solchen EM schwer, egal von welchem Verband. Das ist doch völlig klar. Aber wissen Sie, was mich stört?

Sagen Sie es uns.

Dass jetzt alle versuchen, die Fehler im Nachwuchsbereich zu suchen. Unsere Ausbildung ist gut, das ist Fakt. Wir haben gute Stützpunkte, wir haben ein super Talentförderprogramm, wir haben top Verbände und die Arbeit an der Basis ist hervorragend. In der Spitze ist es aber nun mal so, dass die guten Spieler aus den jüngeren Jahrgängen, insbesondere die mit Führungsqualitäten, schnell nach oben kommen. Nicht nur in der U21, in der U19 und darunter ist es nicht anders. Man muss sich eben fragen, ob das Sinn macht und ob man dieses Modell will. Dann muss man aber auch in Kauf nehmen, dass es bei Turnieren manchmal eben nicht ganz reicht.

Spieler wie Ilkay Gündogan oder Mario Götze sind fester Bestandteil der A-Nationalmannschaft, hätten aber vom Alter her noch bei der U21 mitspielen können. Ist das der Fluch der guten Tat?

Ganz genau. Es ist doch ganz klar, dass die U21 mit Spielern wie Götze oder Gündogan ein ganz anderes Gesicht bekommen würde. Genauso die U19 mit Emre Can, der eine absolute Führungsrolle eingenommen hätte, aber mit zur U21-EM gefahren ist.

Halten Sie das für ein Problem?

Für die A-Nationalmannschaft natürlich nicht, für die U-Nationalmannschaften ist es manchmal schon problematisch. Denn ich glaube, und das haben die Titel in der Vergangenheit auch gezeigt, dass es den Spielern helfen kann, bei Turnieren in ihrer Altersklasse eine Führungsrolle einzunehmen und ihre Qualitäten auszuspielen.

Also sollte man die Spieler in ihren Altersklassen lassen?

Nein, das habe ich damit nicht gemeint. Wenn man die Philosophie vertritt, Spieler früh nach oben zu ziehen, ist das völlig in Ordnung. Aber dann sollte auch nicht direkt die gesamte Nachwuchsarbeit hinterfragt werden, wenn die Ergebnisse mal nicht stimmen. Es ist doch klar, dass ein Götze oder ein Draxler bei der U21-EM für positive Ergebnisse hätten sorgen können. Dass sie nicht dabei waren, ist Teil der Philosophie des Verbandes. Die anderen Verbände wie etwa Holland oder Spanien stellen die Spieler eben ab. Trotzdem sind wir auf Augenhöhe mit diesen Mannschaften - wenn wir alles einsetzen, was wir haben.

Nach der Ära Matthias Sammer war Robin Dutt nur ein Jahr lang beim DFB. Wäre eine dauerhafte Besetzung des Sportdirektorpostens wichtig für den Nachwuchs?

Schauen Sie sich mal die anderen Verbände an. England, Holland – kaum ein Verband hat einen Sportdirektor. Entscheidend ist der Weg, den der Verband beschreiten will. Und der klappt doch gut bei uns. Wir haben jahrelang gejammert, dass wir nicht den Fußball spielen, den wir uns vorstellen. Jetzt spielen wir ihn, in der A-Nationalmannschaft und auch im Nachwuchs. Die U21 ist souverän durch die Qualifikation gegangen. Beim Turnier selber hat es dann eben nicht gereicht. Aber deswegen alles in Frage zu stellen, halte ich für falsch. Vor allem, weil man sieht, dass unsere Philosophie Sinn macht. Nehmen Sie die USA-Reise der Nationalmannschaft: Da waren vier Neue dabei, die teilweise überragend gespielt haben. Die Qualität ist da, keine Frage.

Es droht also kein Rückfall in die graue Zeit um 2000, als dem deutschen Fußball die Talente ausgingen?

Es gibt überhaupt keine Veranlassung, das anzunehmen. Das wäre Hysterie. Nochmal: Machen Sie sich keine Sorgen.

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