DFB-Schiri-Lehrwart Lutz Wagner über passives Abseits

»Pintos Tor war regulär«

Passives Abseits oder nicht? Seit den drei umstrittenen Entscheidungen in Bremen, Köln und Mainz diskutieren Fußball-Fans über den Sinn des passiven Abseits. Wir sprachen darüber mit Lutz Wagner, dem Schiedsrichter-Lehrwart des DFB. DFB-Schiri-Lehrwart Lutz Wagner über passives Abseits

Herr Wagner, nach den Entscheidungen vom vergangenen Wochenende fordern viele die Abschaffung des passiven Abseits. Wie stehen Sie dazu?

Lutz Wagner: Es sollte jedem klar sein, dass wir vom DFB diese Änderung gar nicht allein durchsetzen können. Es handelt sich hier um eine Vorgabe der Fifa – und die allein entscheidet über Regeländerungen. Wir können da keine Alleingänge machen, sondern nur unsere Anträge einreichen. Das gilt sowohl für das passive Abseits als auch für die Platzverweise nach einer Notbremse.  

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Momentan ist es recht unklar, wann ein Spieler den Gegner »stört« und somit im passiven Abseits steht. Wie lauten dort die Vorgaben?


Lutz Wagner: Wenn er sich vom Geschehen wegbewegt und sich nicht in dem betreffenden Spielraum befindet, dann ist es kein Abseits. Sobald er aber einen Gegenspieler behindert, sprich beispielsweise einem Torwart die Sicht nimmt, gilt Abseits.  

Das bleibt recht vage, bei Didier Ya Konan war das am Sonntag doch eigentlich nicht der Fall, dennoch wurde der Treffer von Sergio Pinto annulliert.


Lutz Wagner: Da haben Sie recht, das war eine falsche Entscheidung. Ya Konan stand nicht im Abseits, Pintos Tor war regulär. Bei den anderen beiden strittigen Situationen vom Wochenende lagen die Schiedsrichter allerdings richtig. Beim Spiel Mainz gegen Augsburg stand der Spieler Choupo-Moting im Abseits, da er seinen Gegenspieler Möhrle gebunden hat. Die Bremer Abwehrspieler hingegen bewegten sich beim Spiel gegen Dortmund vom Tor weg, der Spieler Lewandowski band anders als Choupo-Moting keinen Gegenspieler – also kein Abseits.

Das Ganze hört sich immer noch sehr kompliziert an. Wie will ein Schiedsrichter das in Zehntelsekunden beurteilen können?


Lutz Wagner: Es ist schwierig. Momentan bleibt vieles im Ermessen des Schiedsrichters, das ist eine Grauzone. Wir arbeiten jedes Wochenende die Szenen mit den Schiedsrichtern auf und versuchen dadurch, ein einheitliches Maß vorzugeben. Doch: Streitfälle lassen sich bei der jetzigen Form der Regel nicht ausschließen.

Hätten sich die Schiedsrichter und ihre Assistenten beim Spiel in Köln nicht besser abstimmen müssen?


Lutz Wagner: Das ist der Punkt, den wir ansprechen werden. Da muss das Team über das Headset noch einmal kommunizieren. Allerdings können wir nun wunderbar in Ruhe darüber reden, für den Schiedsrichter ist das in der jeweiligen Situation nicht so einfach.

Die derzeitige Unklarheit kann zur Folge haben, dass Verteidiger auf die »Abseitsfalle« verzichten.


Lutz Wagner: Das ist möglich. Das Spiel an sich hat sich nun einmal völlig verändert, es ist schneller geworden. Da wird es zunehmend schwieriger festzulegen, wann und wie ein Spieler in die Situation eingreift.

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