DFB-Maskottchen »Paule« im Interview

»Luftgitarre ist schwer angesagt«

Heute Abend spielt die DFB-Elf in Schweden. Natürlich mit dabei: Maskottchen »Paule«. Wir sprachen mit einem der beiden Paule-Darsteller über Reaktionen der Fans, Smalltalks mit den Spielern und einen üblen Tritt gegen des Adlers Brust. DFB-Maskottchen »Paule« im Interview

Wie dürfen wir dich nennen: Paule oder Daniel?

Im Kostüm heiße ich natürlich Paule. Mittlerweile nennt mich im Stadion auch in Zivil jeder so.

Wie wird man eigentlich Maskottchen?

Ich hatte Lust auf eine berufliche Veränderung. Früher war ich Dachklempner. Eine Freundin sagte mir, dass der DFB nach der WM 2006  ein neues Maskottchen bekommt und dafür Darsteller gesucht werden. Also rief ich an.

[ad]

Gab es ein Bewerbungsgespräch beim DFB?

Ich sollte im Februar 2007 vor dem Länderspiel Deutschland gegen Dänemark getestet werden. Drei Stunden vor Spielbeginn war im Stadion ein Treffen geplant, bei dem mir eigentlich die Figuren und Aufgaben erklärt werden sollten.

Du sprichst im Konjunktiv.

Es kam alles ganz anders. Auf dem Weg ins Stadion gab es einen Verkehrsunfall. Bis die Polizei kam, verging so viel Zeit, dass ich erst kurz vor Anpfiff im Stadion war. Eine Probe war nicht mehr möglich und es hieß: »Schnellstmöglich ins Kostüm und raus.« Ich fühlte mich, als müsste ich in einem Stripclub zum ersten mal an der Stange tanzen. Die eingeschänkte Sicht im Kostüm, die vielen Fotografen, Ordner und Offiziellen. Es war kaum Platz zwischen Bande und Zaun. Das war der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser.

Wie endete das Spiel für dich?

Ich habe einfach gefreestylt. Zuwinken, Klatschen, Posen und Laolawelle mit den Fans. Die Verantwortlichen vom DFB fanden das ganz gelungen und ich hatte den Job.

Hat ein Maskottchen eine Schamgrenze?

Na klar. Zwei Tage nach dem Spiel stand ein Video von meinen Aktionen im Netz. Ich war mir vor dem Anschauen nicht sicher, ob ich bei meinem ersten Mal auch wirklich witzig war. Es war aber als Zuschauer viel lustiger, als es mir selber in meiner anfänglichen Aufgeregtheit vorkam.

Paule ist seitdem bei jedem Spiel der Nationalmannschaft dabei. Wie reagieren die Fans auf dich?

Sehr positiv! Man weiß natürlich mit der Zeit, was bei den Zuschauern gut ankommt. Die Luftgitarre ist schwer angesagt. Umarmungen und Abklatschen stehen auch immer wieder ganz hoch im Kurs. Allerdings sagen die Zuschauer auch, was sie nicht wollen. Wenn ich mal die Sicht versperre, rufen die Fans: »Paule, du stehst im Weg.« Bei den Kindern ist das etwas anderes.

Was meinst Du?

Fast alle Kinder kennen meinen Namen und freuen sich, wenn sie mich sehen. Das ist der totale Wahnsinn, wenn du ins Stadion oder zu einem Schulsportfest kommst und hunderte Kinder »Paule! Paule!« rufen. Alle wollen dich anfassen und deine Hände schütteln. Manche wollen dich am liebsten mit nach Hause nehmen. Das ist einer der Jobs, bei dem man hundert Prozent Anerkennung findet. Ich fahre immer mit einem breiten Grinsen nach Hause.


Gab es auch negative Erfahrungen?

Das bisher einzig Negative hab ich in einer Fußgängerzone in München erlebt. Ich bin dort für ein großes Sportgeschäft aufgetreten. Eine Gruppe von Jugendlichen kam auf mich zu und machten blöde Sprüche. Einer von den Jungs war etwas krasser drauf. Er streckte mir die Hand entgegen und ich dachte, er wolle cool abklatschen. Aber er schlug die Hand aus, nahm Anlauf und verpasste mir einen üblen Tritt gegen die Brust. Ich fiel auf den Hinterkopf.

Wie nah ist man als Paule an der Mannschaft?

Als Maskottchen hat man schon eine Menge Freiheiten. Natürlich sollte ich nicht unbedingt vor der Trainerbank rumhampeln und Jogi Löw die Sicht versperren. Auch in der Halbzeitpause würde es wahrscheinlich eher stören, wenn ich mit in die Kabine komme.

Eine Brandrede von Paule wird es also nicht geben?

Eher nicht. Ich habe aber schon Kontakt zu den Spielern, vor allem nach dem Abpfiff. Nach der Partie gegen die Türkei in Berlin beispielsweise war natürlich eine super Stimmung unter den Spielern. Ich wurde in die Mitte genommen und zusammen gingen wir in die Fankurve. Manchmal gibts auch kleine Smalltalks mit den Spielern.

Über was redest du mit einem Nationalspieler?

Das sind keine langen Gespräche. »Hey Poldi, super Spiel heute.« 
So etwas.

Hast du auch schon Spieler nach einer Niederlage getröstet?

Ich glaube nicht, dass das so gut ankommen würde, wenn ich ihnen nach einem verlorenen Spiel über den Kopf streichle. Ich halte mich dann lieber zurück und gehe mit gesenktem Kopf über den Platz. Als Maskottchen präsentiere und spiegele ich ja auch die Stimmung der Mannschaft wieder.

Fühlst du dich als fester Bestandteil der Mannschaft?

In gewisser Weise schon. Es gab auch noch kein negatives Feedback von den Spielern. Ich glaube, das Team weiß, dass ein Maskottchen ein Stück weit die Brücke zwischen der Mannschaft und den Fans bildet.

Bei der Nationalhymne stehst du auch immer mit an der Bank. Singst du mit?

Ich bin ja eigentlich ein Vogel und kann gar nicht singen. Zumindest nicht die Menschensprache. Aber ich tue dann einfach so, als ob ich's doch könnte.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!