17.11.2010

DFB-Maskottchen »Paule« im Interview

»Luftgitarre ist schwer angesagt«

Heute Abend spielt die DFB-Elf in Schweden. Natürlich mit dabei: Maskottchen »Paule«. Wir sprachen mit einem der beiden Paule-Darsteller über Reaktionen der Fans, Smalltalks mit den Spielern und einen üblen Tritt gegen des Adlers Brust.

Interview: 11Freunde Bild: Imago
DFB-Maskottchen »Paule« im Interview
Wie dürfen wir dich nennen: Paule oder Daniel?

Im Kostüm heiße ich natürlich Paule. Mittlerweile nennt mich im Stadion auch in Zivil jeder so.

Wie wird man eigentlich Maskottchen?

Ich hatte Lust auf eine berufliche Veränderung. Früher war ich Dachklempner. Eine Freundin sagte mir, dass der DFB nach der WM 2006  ein neues Maskottchen bekommt und dafür Darsteller gesucht werden. Also rief ich an.



Gab es ein Bewerbungsgespräch beim DFB?

Ich sollte im Februar 2007 vor dem Länderspiel Deutschland gegen Dänemark getestet werden. Drei Stunden vor Spielbeginn war im Stadion ein Treffen geplant, bei dem mir eigentlich die Figuren und Aufgaben erklärt werden sollten.

Du sprichst im Konjunktiv.

Es kam alles ganz anders. Auf dem Weg ins Stadion gab es einen Verkehrsunfall. Bis die Polizei kam, verging so viel Zeit, dass ich erst kurz vor Anpfiff im Stadion war. Eine Probe war nicht mehr möglich und es hieß: »Schnellstmöglich ins Kostüm und raus.« Ich fühlte mich, als müsste ich in einem Stripclub zum ersten mal an der Stange tanzen. Die eingeschänkte Sicht im Kostüm, die vielen Fotografen, Ordner und Offiziellen. Es war kaum Platz zwischen Bande und Zaun. Das war der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser.

Wie endete das Spiel für dich?

Ich habe einfach gefreestylt. Zuwinken, Klatschen, Posen und Laolawelle mit den Fans. Die Verantwortlichen vom DFB fanden das ganz gelungen und ich hatte den Job.

Hat ein Maskottchen eine Schamgrenze?

Na klar. Zwei Tage nach dem Spiel stand ein Video von meinen Aktionen im Netz. Ich war mir vor dem Anschauen nicht sicher, ob ich bei meinem ersten Mal auch wirklich witzig war. Es war aber als Zuschauer viel lustiger, als es mir selber in meiner anfänglichen Aufgeregtheit vorkam.

Paule ist seitdem bei jedem Spiel der Nationalmannschaft dabei. Wie reagieren die Fans auf dich?

Sehr positiv! Man weiß natürlich mit der Zeit, was bei den Zuschauern gut ankommt. Die Luftgitarre ist schwer angesagt. Umarmungen und Abklatschen stehen auch immer wieder ganz hoch im Kurs. Allerdings sagen die Zuschauer auch, was sie nicht wollen. Wenn ich mal die Sicht versperre, rufen die Fans: »Paule, du stehst im Weg.« Bei den Kindern ist das etwas anderes.

Was meinst Du?

Fast alle Kinder kennen meinen Namen und freuen sich, wenn sie mich sehen. Das ist der totale Wahnsinn, wenn du ins Stadion oder zu einem Schulsportfest kommst und hunderte Kinder »Paule! Paule!« rufen. Alle wollen dich anfassen und deine Hände schütteln. Manche wollen dich am liebsten mit nach Hause nehmen. Das ist einer der Jobs, bei dem man hundert Prozent Anerkennung findet. Ich fahre immer mit einem breiten Grinsen nach Hause.

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