13.06.2012

DFB-Chefkoch Holger Stromberg im Interview

»Bierhoff holte die Burger«

Sternekoch Holger Stromberg ist verantwortlich für die kulinarische Verpflegung der deutschen Nationalspieler. Wir sprachen mit ihm über seine Beinahe-Assistenten Simon Rolfes, Zanderfilet mit polnischem Spargel — und Cheeseburger im Mannschaftsbus.

Interview: Alex Raack Bild: Imago

Holger Stromberg, wie viele LKW-Ladungen werden Anfang Juni das deutsche EM-Quartier »Olivenhof« in Danzig ansteuern, um die dortige Küche aufzufüllen?
Von »LKW-Ladungen« brauchen wir gar nicht zu sprechen. Es sind maximal zwei Europaletten, die wir für die Küche nach Danzig bringen lassen werden. In der einen sind verschiedene Gewürze, Getreidesorten und Öle – Zutaten, die ich einfach immer gerne dabei habe. Quasi mein Malkasten, wenn Sie so wollen. In der zweiten Palette sind verschiedene Müslisorten oder auch Dinkelcracker von unserem Partner Rewe.
 
Sollen unsere Nationalspieler bei Müsli und Cracker darben?
Natürlich nicht. Der komplette Speiseplan wird mit regionalen Produkten aus Danzig und Umgebung aufgefüllt. Das mache ich eigentlich immer so. Seit ich 2007 für die Nationalmannschaft koche, mache ich das immer so, dass wir Fleisch, Fisch, Gemüse und andere Produkte vor Ort einkaufe. Wir wollen ja gute Gäste sein, da käme es sicherlich nicht so gut an, wenn wir nur mit Produkten aus Deutschland anrücken würden.
 
Aber der Speiseplan ist doch typisch deutsch sicherlich bis zum Abreisetag bis ins kleinste Detail schon aufgestellt worden, oder?
Da muss ich Sie enttäuschen. Die erste Woche in Danzig steht. Aber alles was danach kommt, werden wir relativ kurzfristig planen. Schließlich will ich mir und uns eine gewisse Flexibilität bewahren.
 
Wie sieht die aus?
Ich werde während der EM häufig unterwegs sein, um möglichst frische und unbelastete Lebensmittel einzukaufen. Danzig ist ja eine Hafenstadt. Wenn da etwa bei unseren Trainingslagern uf Sardinien oder in Südfrankreich dann am Dienstag ein Fischerboot frische Osctopusse bringt, kann es sehr gut sein, dass am Mittwoch Octopuss auf dem Speiseplan steht. Außerdem informiere ich mich vor Ort bei den Köchen und Küchenhelfern des Hotels, vor Ort, frage, was sie so im Hotel favorisieren und was sie zu Hause essen, welche Speisen sie unseren Jungs empfehlen können. Danach stimme ich beispielsweise auch in Polen meinen Plan ab.
 
Sie sprachen davon, dass die erste Woche der Planung bereits steht. Was können die Spieler erwarten?
Wie jeden Tag im Quartier wird es eine reichhaltige Salatbar geben, an der sich das Team bedienen kann. Dazu Vorspeisen wie klare polnische Suppen und die traditionellen Pierogi, Teigtaschen, die mit Kohl oder Hackfleisch gefüllt sind. Bei den Hauptspeisen stehen unter anderem Zanderfilet mit polnischem Spargel, ganzes Hühnchen mit Rosmarin-Kartoffeln oder weißer gegriller Heilbutt mit Mandeln und Zitronen bereit.
 
Lecker. Und zum Nachtisch?
Sicherlich auch mal eine Créme brulée, verschiedene Eissorten, Crepes und eine Auswahl der polnischen Teigspezialitäten. Aber nicht zu deftig, ich bekoche ja Fußballer und keine Hochzeitsgesellschaft.
 
Frischer Fisch, Hühnchen, Spargel – Herr Stromberg, wir vermissen den Fußballklassiker. Wo sind die Nudeln?!
Die sind längst in die Abteilung Beilage abgerutscht. Natürlich sind Nudeln täglicher Bestandteil unseres Speiseplans. Fußballer bekommen schon von Kindheit an Pasta, Pasta, Pasta. Daher freuen sie sich über neue Alternativen, denn für die tägliche Zufuhr an Kohlenhydraten braucht es nicht unbedingt immer Nudeln. Dafür ist auch ein Graupensalat oder Couscous ganz wunderbar geeignet.
 
Mit Mesut Özil, Sami Khedira und Ilkay Gündogan stehen drei Spieler muslimischen Glaubens im Kader. Inwieweit berücksichtigen Sie das bei der Wahl des nächsten Menüs?
Da unsere Gerichte ohnehin zumeist ohne Schweinefleisch zubereitet werden stellt sich die eigentlich gar nicht. Vielleicht gibt es auch mal Nudeln mit Speck, aber das ist eher die Ausnahme. Und wenn, dann habe ich für die drei genügend Auswahl am Büffett zur Verfügung. Manchen Spielern ist das sogar manchmal zu viel.

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