01.02.2009

DFB-Ausbilder Wormuth über Lehmann

»Er hat sich diskreditiert«

Vor einem Jahr löste Frank Wormuth Erich Rutemöller als Leiter der Trainer-Ausbildung des DFB ab. Wir sprachen mit ihm über Trainer ohne Lizenz, den Fall Babbel und den Erfolg des neuen Lehrgangs.

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago
DFB-Ausbilder Wormuth über Lehmann
Jens Lehmann sagt, er habe als Spieler bei Arsène Wenger so viel gelernt, dass er morgen eine Mannschaft trainieren könnte.

Grundsätzlich kann jeder eine Mannschaft trainieren. Ich kauf mir ein Buch, da steht drin, wie es geht. Aber kopiert ist nicht kapiert. Ein Assistenzarzt, der seinem Professor drei Jahre über die Schulter geschaut hat, kann auch nicht morgen eine Herztransplantation vornehmen. Jens Lehmann hat sich mit seiner Aussage selbst diskreditiert. Sie ist anmaßend den Trainerkollegen gegenüber, die sich alles über Jahre erarbeitet haben. Ich kenne viele, die den Kopf geschüttelt haben. Wir werden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht als Prinzen geboren.

Wie meinen Sie das?

Spieler und Trainer sind zwei verschiedene Berufe. Ein Trainer muss das Ganze sehen. Die wenigsten Spieler können das. Du hast deine Position, und du weißt, was von dir auf dieser Position verlangt ist. Wir sehen das sogar noch bei unseren Bewerbern. In der Eignungsprüfung lassen wir sie Fußball spielen, fünf gegen fünf, auf kleinem Feld. Da erkennen Sie, wer schon Trainer ist und wer noch Spieler.

Woran?

Der Trainer muss kein überragender Fußballer sein, aber er steht richtig zum Gegner, er versucht die Laufwege zuzustellen, er spricht mit seinen Mitspielern.

Jens Lehmann hat gesagt, er werde für die Ausbildung zum Trainer ganz sicher nicht elf Monate in Köln verbringen.

Vor nicht allzu langer Zeit haben alle gerufen: Unsere Trainerausbildung muss besser werden. Jetzt haben wir was verändert, und nun meckern wieder alle. Sollen sie doch jammern, wir ziehen unser Ding durch, weil wir davon überzeugt sind und gute Argumente haben. Ich bin erfreut, wie positiv der neue Lehrgang angenommen wird. Wir haben die Teilnehmer einen Bewertungsbogen ausfüllen lassen. Die Ergebnisse zeigen, dass wir absolut auf dem richtigen Weg sind. Natürlich gibt es auch welche, die sagen: Oh, muss ich so viel dokumentieren? Wozu muss ich eine Hausarbeit schreiben? Wir begründen das. Und wir zwingen manche zu ihrem Glück. Die meisten haben das geschnallt. Ein paar noch nicht.

Sind Sie als Trainerausbilder eigentlich froh über den Erfolg der TSG Hoffenheim?

Wieso sollte ich? Ich habe Ralf Rangnick nicht ausgebildet.

Weil die Hoffenheimer sehr stark die Bedeutung des Trainers für ihren Erfolg herausstellen – und weil sie ganz gezielt das trainieren, was im Spiel verlangt wird.

Das ist das Entscheidende. Sie haben immer wieder Spieler, die fragen: Trainer, warum müssen wir jetzt diese Übung machen? Weil wir im Training genau das trainieren, was wir im Spiel sehen wollen. Ein Trainer muss Methodiker sein. Das kann man lernen, und das bringen wir den angehenden Fußballlehrern bei. Ich weiß, dass viele Trainer in Deutschland so arbeiten. Nicht nur Ralf Rangnick.

Sehen Sie in der Bundesliga insgesamt einen Trend zu besserem Fußball?

Die Frage erübrigt sich eigentlich. Sie müssen sich nur die Torquote anschauen. Jahrelang haben die Vereine ihr Abwehrverhalten verbessert, auch weil es einfacher zu trainieren ist als das Angriffsverhalten. Jetzt wird die Offensive wieder stärker betont. Da haben wir eine Riesenentwicklung gemacht. Und das liegt hundertprozentig an den Trainern.

Dieser Artikel erschien in der aktuellen Ausgabe der Tageszeitung "Der Tagesspiegel"

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