01.02.2009

DFB-Ausbilder Wormuth über Lehmann

»Er hat sich diskreditiert«

Vor einem Jahr löste Frank Wormuth Erich Rutemöller als Leiter der Trainer-Ausbildung des DFB ab. Wir sprachen mit ihm über Trainer ohne Lizenz, den Fall Babbel und den Erfolg des neuen Lehrgangs.

Interview: Stefan Hermanns Bild: Imago
DFB-Ausbilder Wormuth über Lehmann
Herr Wormuth, haben Sie eigentlich ein schlechtes Gewissen?

Wieso? Bei wem sollte ich das haben?

Bei Christian Hock zum Beispiel, der Ende des Jahres beim SV Wehen entlassen worden ist. Wehen sagt, Hock habe seinen Job nicht ordentlich machen können, weil er wegen der Ausbildung zum Fußballlehrer die ganze Woche in Köln ist.

Das ist mir zu billig. Mag sein, dass der SV Wehen das so sieht. Aber dann verwechselt er Ursache und Wirkung. Ich sage: Liebe Vereine, fasst euch an die eigene Nase! Die Ursache liegt darin, dass ihr einen Trainer eingestellt habt, von dem ihr wusstet, dass er noch den Fußballlehrer-Lehrgang absolvieren muss.



Sie müssten sich eigentlich freuen, dass die Trainerausbildung inzwischen so anspruchsvoll ist, dass man sie nicht mal eben nebenher abhandeln kann.


Das stimmt. Nebenbei wird es schwierig. Trotzdem können wir nichts dafür, dass Wehen in der Zweiten Liga unten steht. Holger Stanislawski und Christian Wück zeigen bei St. Pauli und Ahlen, dass sich beides, Lehrgang und Trainingsarbeit, miteinander vereinbaren lässt. Zum anderen gibt es auch Vereine, die in der Zweiten Liga unten stehen, obwohl der Trainer die ganze Woche bei der Mannschaft ist. Die Trainingsarbeit ist nur einer von vielen Mosaiksteinchen für den Erfolg.

Was bedeutet das für die Zukunft von Markus Babbel als Teamchef des VfB Stuttgart?

Das weiß ich nicht. Das müssen Sie den VfB fragen. Ich kann erst über Babbel reden, wenn er bei mir im Lehrgang ist.

Die Stuttgarter hoffen immer noch auf eine Ausnahmeregelung, eine Lex Babbel. Immerhin haben sie ihren U-23-Trainer Rainer Adrion zum DFB ziehen lassen.

Ich sehe da keinen Zusammenhang. Rainer Adrion übernimmt im Juli die U-21- Nationalmannschaft, Markus Babbel hat sich für den nächsten Fußballlehrer-Lehrgang beworben. Alles andere sind Spekulationen. Wir haben immer gesagt, dass es für Lothar Matthäus die letzte Sonderregelung gegeben hat. Man muss auch mal einen Schlussstrich ziehen. Das haben wir getan. Irgendwann werden die Vereinsmanager erkennen, dass sie sich den Vorgaben der DFL und des DFB anpassen müssen: Eines Tages werden sie nur noch Fußballlehrer einstellen. Da bin ich sicher.

Stuttgarts Sportdirektor Horst Heldt fordert, dass der DFB Rahmenbedingungen schafft, damit Babbel den Lehrgang machen und weiter als Trainer arbeiten kann.

Wir kommen den Profitrainern ohne Lizenz ja schon entgegen: Sie dürfen ihr Praktikum im eigenen Verein machen. Dadurch sind sie nicht elf Monate von ihrer Mannschaft weg, sondern nur 28 Wochen, und das auch nur von Montag bis Donnerstag. Mehr geht nicht. Eigentlich müssten wir sie in andere Vereine schicken, damit sie erfahrenen Trainern über die Schulter schauen.

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