DFB-Arzt zur Hitze in Brasilien

»Wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen«

Während des Confed-Cups beklagten sich die Spieler über die Hitze in Brasilien. Wie wird die deutsche Elf bei der WM damit umgehen? Wir sprachen mit Teamarzt Dr. Tim Meyer über Eisbeutel in den Stutzen und Kühltonnen aus dem »Sommermärchen«.

Dr. Tim Meyer, beim Confed Cup klagten die Spieler über die brasilianische Hitze. Macht man sich bei der deutschen Nationalmannschaft auch schon Gedanken darüber?
Natürlich. Damit haben wir schon begonnen, direkt nachdem die Fifa die WM nach Brasilien vergeben hatte. Allerdings hängt bei der Vorbereitung viel vom Spielplan ab. Es ist schon ein gehöriger Unterschied, ob die Mannschaft in Porto Alegre im Süden oder in Manaus im Norden spielt. Erwähnenswert sind auch die möglichen langen Reisen. Wenn die Mannschaft am Vortag des Spiels lange im Flugzeug sitzt und dann in eine neue Umgebung kommt, kann das ein zusätzlicher Stressor sein.

Manche Teams reisen früher an und trainieren auf die Minute genau 24 Stunden vor dem Spiel, um sich an das Klima zu gewöhnen. Nützt das etwas?
Nicht zwingend, es kann die Spieler bei extremen Bedingungen auch ermüden. Ein einziges Training reicht nicht, um den Körper auf neue klimatische Bedingungen einzustellen. Letzten Endes gibt es aber unter den Spielern eine ganze Bandbreite von Reaktionen auf Klimaänderungen. So hatten wir in Südafrika beispielsweise viele Spieler dabei, die mit der Höhenluft keine Probleme hatten, andere klagten nach vier Tagen noch darüber.

Was haben Sie getan?
Natürlich muss man erst einmal medizinisch differenzieren, ob die Spieler tatsächlich ein Problem mit der Höhe haben oder zum Beispiel eine Krankheit der Grund für Beschwerden ist. Einige Spieler haben dann in der Tat bei bestimmten Trainingsinhalten vorübergehend kürzer getreten. Einen wichtigen Aspekt sehe ich aber auch im gedanklichen Umgang mit solchen klimatischen Unwägbarkeiten.

Wie meinen Sie das?
Die Spieler sollten nicht denken: »Oh je, es ist so heiß, das wird schwierig.« Besser wäre: »Klar wird das anstrengend, aber wir schaffen das schon, zumal alles getan wird, um uns entsprechend vorzubereiten und zu betreuen.« Es ist doch auch nicht so, dass unsere Spieler noch nie bei Hitze Fußball gespielt haben und gar nicht wissen, wie man damit umgeht. Wir sollten da mal die Kirche im Dorf lassen. Aktuell scheint mir das Thema medial eher etwas »überhitzt«.

Frühere Nationalspieler steckten sich Eisbeutel in die Stutzen. Gibt es derartige Methoden noch?
Ich habe schon einmal davon gehört. Bestimmt verbessert das die subjektive Wahrnehmung der Hitze etwas. Die Beutel vermitteln ein angenehmes Kälteempfinden beim Spieler. Ob Eiswürfel aber wirklich die Leistung steigern, ist zweifelhaft. Vielleicht wirkt da auch ein bisschen der Placeboeffekt. Mittlerweile existieren in diesem Bereich sehr viele Produkte wie Kühlwesten oder andere kühlende Kleidungsstücke. Man nennt das dann »Pre-Cooling«. Allerdings kühlt leider nichts so effektiv wie ein Wasserbad. Das aber schränkt natürlich die Bewegungsfreiheit ein und ist deshalb unmittelbar vor einem Spiel etwas unpraktisch.

Im »Sommermärchen« war zu sehen, wie die Spieler in große Tonnen mit Wasser stiegen.
Das zielte auf eine schnelle Regeneration nach dem Spiel. Ein kühlendes Bad vor dem Spiel würde andere Ziele verfolgen, ist aber aufgrund der eng getakteten Abläufe schwer umzusetzen. Man möchte dann die Körpertemperatur etwas senken, um später die Ermüdung hinauszuzögern. Eine sehr effektive Maßnahme, um die Temperatur zu senken, ist übrigens, kühle Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Das ist aber nichts richtig Neues. Ich denke, dass wir mit warmer Witterung umzugehen wissen.

Hausärzte raten, zweieinhalb Liter Wasser am Tag zu trinken. Reicht das in Brasilien?
Nein, die Spieler werden an Trainingstagen bestimmt vier bis fünf Liter Flüssigkeit zu sich nehmen müssen.

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