Detlev Szymanek, Herthas Dreierpack-Held von 1976

»Die Bayern waren mächtig sauer«

Detlev Szymanek ist der Rekordtorschütze der Hertha, wenn es um Spiele gegen den FC Bayern geht. Insgesamt fünfmal traf er für die Berliner gegen die Münchner. Allein drei Treffer gelangen ihm am letzten Spieltag der Saison 1975/76.

Detlev Szymanek, erzählen Sie mal, wie schießt man drei Tore in sieben Minuten gegen Bayern München?
Da muss ich etwas ausholen. Eigentlich ging es beim dem Spiel um nichts mehr. Aber wenn man bei den Bayern spielt, will man eben immer gut aussehen. Das war damals eine der besten Mannschaften der Welt, die gerade zum dritten Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte. Sich mit dieser Mannschaft messen zu können, war die größte Motivation.

Zur Halbzeit stand es dann allerdings 6:0 für die Bayern.
Gerd Müller allein hatte bis zur 30. Minute vier Tore geschossen. In der Kabine herrschte blankes Entsetzen und absolute Stille. Allen war klar, dass es nur noch um Schadensbegrenzung ging.

Die zweite Halbzeit hingegen gewannen sie dann mit 4:1.
Man muss fairerweise sagen, dass die Bayern mit der deutlichen Führung im Rücken natürlich Dinge gemacht haben, die sie sich bei einem knappen Vorsprung wohl nicht erlaubt hätten. Vorne fehlte die letzte Zielstrebigkeit, und auch die Abwehr ließ mehr und mehr Lücken. Ich besaß ein ganz gutes Gespür dafür, diese Lücken zu nutzen.

Kam zu irgendeinem Zeitpunkt des Spiels Hoffnung auf?
Dafür fielen die Tore zu spät. Es ging vor allem um die berühmte Ergebniskosmetik. 7:4 hört sich ja immerhin noch an, als ob das Spiel hin und her ging.

Sie erzielten Ihre drei Treffer zwischen der 82. und 89. Minute. Erinnern Sie sich noch, wie die Tore entstanden sind?
Nein, dafür ist das auch schon zu lange her. Ich habe in meiner Karriere einige spektakuläre Treffer erzielt, an die ich mich noch gut erinnern kann, aber die drei Tore damals fielen eher unter die Kategorie Abstaubertore. Klassische Gerd-Müller-Tore. Ich kann mich aber noch gut erinnern, wie übel den Bayern die Gegentore aufgestoßen sind. Beim ersten Gegentreffer waren sie noch recht entspannt. Nach meinem Tor zum 7:4 haben sich die Bayern aber ordentlich die Meinung gegeigt. Die waren mächtig sauer.

Sind Sie im Rückblick eigentlich ein bisschen traurig, dass Ihnen Gerd Müller mit dem Treffer zum zwischenzeitlichen 7:2 den »lupenreinen« Hattrick versaut hat?
Das ist mir ganz egal. Das Gefühl, als 22-Jähriger drei Tore zu schießen, ist so unbeschreiblich, zumal in München gegen Sepp Maier, da spielt es keine Rolle, ob die Treffer nun hintereinander gefallen sind oder nicht.

Ihr Hattrick wurde durch die fünf Treffer von Gerd Müller noch getoppt. Haben Sie eigentlich eine Erklärung für seine unglaubliche Trefferquote?
Er hatte eben diesen Torriecher und starke Beine. Aber vor allem in Verbindung mit Franz Beckenbauer war er besonders stark. Wenn Beckenbauer mit dem Ball am Fuß über die Mittellinie gelaufen kam, sind manche Gegenspieler aus Angst davor vorgeführt zu werden ehrfürchtig zurückgewichen. Davon hat Gerd Müller natürlich profitiert. Er hat tolle Anspiele bekommen, und dann immer direkt den Abschluss gesucht.

Heute spielt die Hertha wieder mal in München. Was trauen Sie der Mannschaft von Jos Luhukay zu?
Hertha hat einen super Saisonstart hingelegt, die Mannschaft ist taktisch und spielerisch gut. Ich denke sie kann die Bayern in der ersten Halbzeit durchaus ärgern. Aber spätestens in der zweiten Halbzeit werden sich die Bayern mit ihrer Extraklasse doch durchsetzen.

Ihr Tipp?
So leid es mir tut: 3:1 für Bayern.

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