02.06.2011

Der Vater eines Nationalspielers erzählt

»Mein Sohn war nie allein«

Zum Vatertag lassen wir Vaddern erzählen. Vor der WM 2010 sprachen wir mit den alten Herrn der Nationalspieler. Hier berichtet ein Vater vom Disput mit dem Sohn, von früheren Idolen und schlaflosen Nächten. Wer ist es wohl?

Interview: Andreas Bock Bild: Imago

Ihr Sohn ist am 6. Mai 2010 für den deutschen WM-Kader nominiert worden. Wo haben Sie die Entscheidung seinerzeit verfolgt?

Bei uns zu Hause. Wir saßen mit der Familie vor dem Fernseher, meine Frau, seine jüngere Schwester, ich, und mein Sohn natürlich.

Er kam zu Besuch?

Nun, er wohnt ja quasi bei uns.

Er wohnt noch zu Hause?

Wir haben zwei Doppelhaushälften, direkt nebeneinander. Früher wohnten wir in einer Wohnung ganz in der Nähe, die war durchaus okay, doch sie lag an einer großen Straße, direkt über einer Kneipe. Nachts klingelten häufig betrunkene Menschen an der Tür. Nun ist es viel ruhiger, gut für meine Frau und mich, besser noch für meinen Sohn.

Ihr Sohn spielt seit seiner Jugend in derselben Region. Können Sie sich vorstellen, dass er eines Tages ins Ausland geht?

Schwer. Mein Sohn ist ja noch nie alleine gewesen. Wir waren immer zusammen, und wir sind so glücklich. Wenn er geht, tja, was machen wir dann? Vielleicht geht seine Mutter dann mit, oder wir besuchen ihn jede Woche.

Sind Sie ein strenger Vater?

Ich glaube, ja. Ich schaue mir jedes Spiel  an, bin bei Heimspielen immer im Stadion, Auswärtsspiele sehe ich im Fernsehen. Ich gehe sogar häufig zum Training. Was den Fußball betrifft, bin ich jedenfalls keiner, der ihm ständig auf die Schulter klopft.

Sie sind ein Kiebitz?

Ich würde mich eher als seinen größten Kritiker bezeichnen. Das liegt aber auch daran, dass mir die Spiele so nah gehen. Schon wenn der Ball die Richtung von meinem Sohn einschlägt, zieht sich bei mir alles zusammen, ich bin dann sehr angespannt, und hoffe, dass er keinen Fehler macht. Ich bin vermutlich aufgeregter als mein Sohn selbst.

Nimmt Ihr Sohn Ihre Kritik an?

Durchaus. Früher gab es häufig Situationen, da habe ich mich darüber aufgeregt, dass er auf meine Vorschläge nicht hörte. Da sagte er stets: »Papa, der Trainer hat aber gesagt, ich soll es so oder so machen.« Einmal sagte er sogar: »Mensch, der Trainer hat zu mir gesagt, ich war gut, ich war sehr gut. Für dich bin ich immer schlecht.«

Aber Sie finden schon, dass er sich verbessert hat?

Ja. Er ist ein guter Spieler.

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