12.06.2013

Der Spätstarter: Alfred Nijhuis über seine kuriose Karriere

»Viel zu früh abgeschrieben«

Das muss man auch erstmal schaffen: Mit 25 Jahren noch Profifußballer werden. Der Holländer Alfred Nijhuis gehört zu dieser seltenen Spezies. Wir sprachen mit dem ehemaligen Duisburger und Dortmunder über Grenzerfahrungen und Streit mit dem Karlsruher SC.

Interview: Kai Griepenkerl Bild: Imago

Alfred Nijhuis, sind Sie ein Spätstarter?
Ich habe nicht so die dermaßen große Karriere gehabt. Aber die Art und Weise, wie ich Profi wurde, kommt nicht mehr oft vor. Daher würde ich sogar sagen: Ich bin ein absoluter Spätstarter.

Warum mussten Sie so lange warten, ehe Sie Profi wurden?
Ab meinem 17. Lebensjahr hätte ich jedes Jahr bei Twente Enschede unterschreiben können, allerdings nicht als Profi. Als ich mit 21 mein Studium abgeschlossen hatte, wollte ich es wissen. Aber obwohl ich einen Monat lang bei Twentes erster Mannschaft mittrainierte, bekam ich kein Vertragsangebot. Also bin ich vom SC Enschede aus der dritten holländischen in die dritte deutsche Liga zum ASC Schöppingen gewechselt.

Hatten Sie den Traum vom Profifußball damit begraben?
Erst am Ende meiner vier Jahre in Schöppingen. Es gab zwar Interesse vom VfL Bochum, Borussia Dortmund, Preußen Münster und Arminia Bielefeld, aber es wurde nie so richtig konkret. Das lag auch daran, dass damals nur drei Ausländer in einer Mannschaft spielen durften.

War das wirklich alles?
Na ja, da gibt es noch etwas. Ich war von Haus aus Verteidiger, aber als ich nach Schöppingen kam, habe ich mich als Mittelfeldspieler ausgegeben. Ich wollte einfach nicht mehr in der Verteidigung spielen. Dabei hätte es so vielleicht eher mit dem Profibereich geklappt.

War Fußball für Sie damals nur Nebensache?
Zumindest war er nicht die Hauptsache. Irgendwann muss man auch beruflich etwas auf die Beine stellen, außerdem haben wir nur vier Mal pro Woche trainiert. Also habe ich zwei Jahre lang eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann gemacht, nachdem ich meine Fachhochschule für Betriebswirtschaft abgeschlossen hatte. Mein damaliger Schwiegervater war Immobilienmakler und ich hätte das Geschäft übernehmen sollen. Daher hatte ich auch noch eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann begonnen. Am Ende habe ich fast nicht mehr dran geglaubt, Profi zu werden, aber dann kam der MSV.

Wie kam es zu dem Wechsel?
Genau genommen begann es mit einem kleinen Streit mit unserem Trainer Ennatz Dietz. Er hatte mich auf die Bank gesetzt und im nächsten Spiel plötzlich als Libero aufgestellt. Danach haben wir zehn Spiele nicht mehr verloren und ich habe mein bestes Spiel gezeigt. Nach ein paar Wochen hat Ennatz beim MSV und bei Bayern München angerufen. So bekam ich die Chance in Duisburg.

Wie haben Sie den Schritt von der dritten in die erste Liga auf Anhieb gemeistert?
Das erste Probetraining beim MSV hatte ich, als sie noch in der zweiten Liga spielten. Da habe ich direkt gedacht: »Das Niveau kann ich.« Entsprechend groß war mein Selbstvertrauen. Den Platz wollte ich mir nicht mehr abnehmen lassen. Ich hatte ja auch lange genug darauf gewartet.

Wurden Sie als 25-Jähriger aus der dritten Liga zunächst belächelt?
Nein, überhaupt nicht. Ich hatte meine Chance ja sofort genutzt. Und ich war sogar einer der Jüngsten in der Mannschaft. Da standen sechs, sieben Spieler jenseits der 30 in der Startelf. Am Anfang des Trainings mussten beim Kreisspiel immer die Jüngsten in die Mitte. Ich war sogar mit 28 noch dran.

Wie kam es, dass Sie nach sechs Jahren an der Wedau weiter nach Japan gezogen sind?
Ich hatte eine verschleppte Meniskusverletzung. Verschiedene Diagnosen haben dazu geführt, dass ich sehr lange ausgefallen bin. In dieser Zeit hat sich der Verein kaum um mich gekümmert. Das änderte sich erst, als Friedhelm Funkel Trainer wurde. Aus dieser Wut heraus habe ich danach fast die beste Saison meiner Karriere gespielt. Also war ich recht weit oben in der Kicker-Rangliste. Horst Köppel war Trainer bei den Urawa Red Diamonds und hat auf der Liste nachgeschaut, welcher Verteidiger gut, aber trotzdem preisgünstig ist. So ist er auf mich gekommen.

Wie lange haben Sie überlegt, als das Angebot kam?
Ich war sofort Feuer und Flamme. Aus finanzieller Sicht musste ich das machen. Und zusätzlich konnte ich in der besten japanischen Mannschaft gemeinsam mit Guido Buchwald und Txiki Begiristain spielen. Trotzdem habe ich überhaupt keinen Druck als Spieler empfunden. Wir Älteren wurden hauptsächlich geholt, um den japanischen Talenten zu zeigen, was es bedeutet, Profi zu sein. Das war auch mal schön.

Trotzdem blieben Sie nur ein Jahr.
Horst Köppel ist am Saisonende zurück nach Deutschland gegangen und wurde Scout bei Borussia Dortmund. Und prompt hat er vorgeschlagen, mich zu verpflichten. Japan war sehr angenehm und ich hätte noch fünf Jahre dort spielen können. Aber wenn man ein Angebot vom BVB bekommt, dann muss man das machen. Heutzutage geht das nicht mehr, aber ich hatte den richtigen Zeitpunkt erwischt.

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