Der Schmied der CL-Trophäe im Interview

»Nicht sehr schön verarbeitet«

Eigentlich wollte Goldschmied Jürg Stadelmann eine Champions-League-Schale entwerfen, doch die Uefa drängte auf einen Henkeltopf. Wir sprachen mit ihm über Heckenschneiden und die Vitrine des FC Bayern. Der Schmied der CL-Trophäe im Interview

Jürg Stadelmann, erwischen wir Sie gerade beim Schmieden eines neuen Pokals?

Jürg Stadelmann: Nein. Ich nutze das schöne Wetter und schneide mit freiem Oberkörper meine Hecken im Garten.

Fußballer träumen davon, einmal im Leben Ihre Schöpfung in den Händen zu tragen. Was empfinden Sie, wenn Champions-League-Sieger Ihren Pokal liebkosen?

Jürg Stadelmann: Natürlich erfüllt es mich mit Stolz. Ich entwarf den Pokal 1967 und erhielt unter mehreren Bewerbern den Zuschlag der Uefa. Mir schwebte zwar ein moderner Entwurf vor – eine Schale, die auf dem Rücken eines Fußballers getragen wird, der zum Fallrückzieher ansetzt –, doch der damalige Uefa-Generalsekretär Hans Bangerter strebte eine klassische Lösung an.

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Was meinte er damit?

Der Pokal musste mit Henkeln ausgestattet sein, um die Übergabe bei der Siegesfeier zu erleichtern. Außerdem sollten Deutsche, Engländer, Spanier und Italiener gleichermaßen Gefallen an dem Objekt der Begierde finden, ich musste also eine universelle Form finden. Das Schmieden des Silbers zur Erstellung des Originals dauerte schließlich über 300 Stunden. Aber genau genommen ist es nicht mehr »mein Pokal«.

Wieso?

Jürg Stadelmann: Der aktuelle Pokal ist bereits das sechste Exemplar. Nach dem Champions-League-Sieg des FC Liverpool 2005 beauftragte die Uefa einen anderen – möglicherweise billigeren – Hersteller. Meine Enttäuschung und Verärgerung war nach fast 40-jähriger Zusammenarbeit natürlich sehr groß. Überdies bemerkte ich ästhetische Abweichungen: die Henkel der derzeitigen Trophäe sind nicht sehr schön verarbeitet. Ich als Schöpfer und Fachmann sehe das natürlich auf Anhieb.

Wie viele Vereine haben Sie im Laufe der Jahre mit Ihren Werken beglückt?

Jürg Stadelmann: Große Klubs wie Real Madrid, Ajax Amsterdam, Bayern München, der AC Milan und jüngst Liverpool, durften den Pokal in ihre heimische Vitrine stellen, da sie ihn dreimal hintereinander oder insgesamt fünfmal gewonnen haben. Also fertigten wir auf Grundlage der Originalpläne jedes Mal eine Reproduktion an. Es gab auch Extrawünsche: Manchester United und der FC Bayern München gewannen 1968 beziehungsweise 1974 den Europapokal der Landesmeister zum ersten Mal. Stolz wie Oscar verlangten sie nach ihren Triumphen ein »Schaustück«.

Sind Sie diesem Wunsch nachgekommen?

Ich habe mich, wie es sich gehört, höflich bei der UEFA informiert. Die Verantwortlichen gaben grünes Licht, bestanden aber darauf, diese Kopien um zwanzig Prozent zu verkleinern. Also tat ich wie geheißen.

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