Der Nackt-Diver von Leeds im Interview

»Ich würde es wieder tun«

Gestern berichteten wir über Tony Tonk, der halbnackt vor einem Bierstand divte und nun drei Jahre Stadionverbot bekam. Wir sprachen mit ihm über europaweiten Support, Spaß auf Auswärtsreisen und Reue.

Tony Tonk, seit wann…
Bevor Missverständnisse aufkommen. Ich heiße Anthony Lister. Tony Tonk ist nur mein Nickname im Internet. Nennen Sie mich also bitte Anthony.

Anthony Lister, seit wann sind Sie Fan von Leeds United?
Seitdem ich fünf Jahre alt bin, besuche ich Spiele von United. Heute bin ich 27. Ich reise mit meinen Jungs von SLI (South Leeds Independent, d. Red.) zu jedem Auswärtsspiel meiner Mannschaft, sehe fast jedes Heimspiel. Ich lebe für diesen Klub.

Im April 2013 reisten Sie nach Birmingham und saßen wenige Stunden später im Gefängnis. Was war passiert?
Nichts. Zumindest aus meiner Sicht. Wir hielten an einigen Pubs, tranken ein paar Pints, sangen Lieder, supporteten unseren Klub. Als wir vor einem Bierstand im Stadion feierten, ließ plötzlich jemand aus der Gruppe aus Versehen ein paar Bier auf den Boden fallen. Ich bekam das nicht mit und rutsche in der Lache aus. Meine ganzen Klamotten waren nass. Meine Kumpels lachten sich schlapp, und ich drehte etwas auf.

Noch lange kein Grund ins Gefängnis zu kommen.
Richtig, und weil ich sowieso schon klitschnass war, divte ich in die Bierlache. Meine Kumpels hörten nicht auf zu jubeln. Also zog ich mir die Hose aus und rutsche noch einmal durch die Lache. So etwas machen wir natürlich nicht jedes Mal, aber es war einfach in diesem Moment ein Riesenscherz. Eine Stunde später kam die Polizei ins Stadion und nahm mich mit.

Warum?
Keine Ahnung. Ich habe niemandem weh getan oder so. Wir hatten einfach nur Spaß. Trotzdem saß ich 21 Stunden auf der Wache und wurde behandelt wie ein Verbrecher. Einfach verrückt.

Haben Sie damit gerechnet, dass Sie nachträglich bestraft werden?
Ich war überzeugt, dass das Verfahren gegen mich eingestellt würde. Aber dann bekam ich Post vom Gericht in Birmingham. Ich wurde angezeigt wegen Störung der öffentlichen Ordnung. Ein Polizist sagte gegen mich aus. Ich war insgesamt fünf Mal bei der Verhandlung. Fünf Mal spielten sie mir das Video von meiner Aktion vor, das die Sicherheitskamera aufgezeichnet hatte. Ich musste jedes Mal laut lachen. Es war absurd.

Sie wurden dennoch bestraft.
Und wie! Ich bekam drei Jahre Stadionverbot und eine Geldstrafe in Höhe von 600 Pfund. Ich muss in Zukunft vor jedem Spiel von Leeds United oder der englischen Nationalmannschaft meinen Pass bei der Polizei vorlegen. Ich darf nicht einmal mehr Amateurspiele der Sunday League sehen.

Über Twitter werden derzeit Spenden für Sie gesammelt. Wie kam es dazu?
Ich erfuhr am Dienstag von meiner Strafe. Ich war geschockt und teilte es meinen Freunden über Twitter mit. Sofort schrieb mir jemand, dass er die Geldstrafe für mich übernehmen würde. Das wollte ich nicht. Und trotzdem sammelten die Fans von Leeds United über ein Paypal-Konto meines Freundes Geld.

Woher kommen die Spenden?
Die Leeds-Fans waren der Anfang. Mittlerweile melden sich Leute aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Skandinavien. Plötzlich ist mein Bier-Slide ein globales Thema. Ich wurde ungerecht behandelt. Das erkennen nicht nur Fußballfans, die selbst mal auf einer Auswärtsfahrt waren. Ich möchte das Geld auch zurückzahlen, sobald das geht. Aber alle Spender sagen mir: »Vergiss es! Es ist für eine gute Sache.«

Können Sie etwas gegen das Stadionverbot machen?
Mich haben Juristen kontaktiert, die mir helfen wollen, gegen diesen Unsinn anzukämpfen. Viele Leeds-Fans wollen vor Gericht für mich aussagen. Mir bleibt derzeit nichts anderes, als an die Gerechtigkeit zu glauben.

Nach den Erfahrungen, die Sie in den letzten Tagen machen mussten: Wird man Sie eines Tages wieder diven sehen?
Ich habe nichts falsch gemacht und aus meiner Sicht auch gegen kein Gesetz verstoßen. Ich war nicht gewalttätig, habe niemanden körperlich oder in seiner Ehre verletzt. Also würde ich es jederzeit wieder tun. Als Fußballfan möchte man eben Spaß haben.

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