25.05.2012

Der Fußball, mein Leben und ich: Jürgen Grabowski

»Weltmeister? Jetzt gehört dir die Welt!«

Er war der »beste Einwechselspieler der Welt« und der größte Fußballer in der Geschichte von Eintracht Frankfurt. Jürgen Grabowski über Mokka mit Gyula Lorant und einen Tritt von Lothar Matthäus.

Interview: Alex Raack Bild: imago

Jürgen Grabowski, wir haben Ihnen etwas mitgebracht: Erkennen Sie das Auto auf diesem Foto?
Natürlich. Ein Opel Bitter, benannt nach dem Rennfahrer Erich Bitter. Wunderschön, oder?

Bernd Hölzenbein hat gesagt, diesen Wagen seien in den siebziger Jahren nur er, Paul Breitner und Sie gefahren.
Das stimmt. Meiner war silbergrau, der »Holz« hatte einen in hellgrün-metallic. Den wäre ich sicherlich nicht gefahren.

Wieso?
Hellgrün-metallic? Mir muss gefallen, was ich sehe und das ist nicht meine Farbe. Nichts gegen den Wagen vom Holz, aber manche Menschen kaufen sich ein Auto und freuen sich, wenn es fährt. Bei mir muss auch die Optik stimmen.

Sie sind ein Ästhet.
Ich weiß schon, worauf Sie hinaus wollen. Der Techniker Grabowski, der den Ball lieber streichelte, als blind nach vorne zu bolzen. Aber ich sage Ihnen mal was: 15 Jahre lang war ich Profi und in diesen 15 Jahren hatte ich in jedem Spiel einen Sonderbewacher. Das bedeutete 90 Minuten lang Horst-Dieter Höttges, Berti Vogts und all die anderen Experten in Atemnähe. Wenn ich versucht hätte, solche Spieler nur mit schönem Spiel zu bekämpfen, wäre meine Zeit als Profi schneller vorbei gewesen, als Sie »Opel Bitter« sagen können.

Trotzdem bringt man Sie heute eher mit eleganten Außenristpässen und schnellen Dribblings in Verbindung. Stört Sie dieses Image etwa?
Ganz und gar nicht. Diese tollen Doppelpässe oder die raffinierten Flanken in den Lauf habe ich ja geliebt. Die Zuschauer in Frankfurt haben solche Sachen auch von mir erwartet. Wenn Grabowski auf dem Platz stand, hatte er auch so zu spielen. Allerdings hatte ich das große Glück ganz am Anfang meiner Karriere einen Trainer zu haben, der meine Spielweise bedingungslos unterstützte.

Sie wechselten 1965 vom FV Biebrich zu Eintracht Frankfurt.
Trainer dort war Elek Schwartz, ein Ungar, der zuvor Eusebios Benfica Lissabon ins Europapokalfinale geführt hatte. (Benfica unterlag 1965 Inter Mailand mit 0:1, d. Red.). Schwartz liebte den technisch guten Fußball, und obwohl ich gerade erst vom Amateurverein Biebrich 02 zur Eintracht gewechselt war, war ich bei ihm von Anfang an gesetzt.

Welche Methoden hatte Schwartz, um Ihnen das nötige Selbstvertrauen einzuflößen?
Er hat mich stark geredet. Noch vor Saisonbeginn stellte er sich vor die Presse und sagte: »Der Junge ist in einem Jahr Nationalspieler!« Die Journalisten haben ihn für verrückt erklärt. Aber ich hatte die ganz breite Brust. Gleich im ersten Spiel gegen den HSV gewannen wir mit 2:0 und ich feierte gegen den gefürchteten Jürgen Kurbjuhn ein anständiges Debüt. Acht Monate später war ich Nationalspieler.

Wie groß war die Gefahr, bei dieser rasanten Entwicklung den Boden unter den Füßen zu verlieren?
Sehr gering. Ein Beispiel: Im September 1968 spielten wir vor 60 000 Zuschauern zu Hause gegen Bayern München. Für das 1:1-Unentschieden gab es pro Spieler 125 DM Prämie. Brutto. Ich genoss zwar das Privileg vor Zehntausenden zu spielen, aber reich wurde ich dadurch nicht, was die Chancen des »Abhebens« deutlich verringerte.

War Elek Schwartz der wichtigste Trainer Ihrer Karriere?
Sicherlich einer der wichtigsten. Neben ihm, Erich Ribbeck, Dietrich Weise, Hans-Dieter Roos, Dettmar Cramer, Otto Knefler und Friedel Rausch, war Gyula Lorant aber ein ganz besonders wichtiger.


Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden