23.03.2013

Der Fußball, mein Leben & ich: Peter Ducke

»Messi erinnert mich an früher«

Er galt als einer der besten Fußballer, die die DDR jemals hervorgebracht hat, doch die innerdeutsche Grenze und eine schwere Verletzung verhinderten eine Weltkarriere. Unter Kennern des Ostfußballs ist Peter Ducke dennoch unververgessen. Wir sprachen mit ihm über sein Lebenswerk.

Interview: Philipp Köster Bild: Imago


Als Sie noch als Jugendlicher beim SC Motor Schönebeck in der Nähe von Magdeburg spielten, wollten Sie bereits nach Jena. Ihr Bruder war das große Vorbild.
Roland war sieben Jahre älter als ich und spielte bereits unter Georg Buschner beim SC Motor Jena, wie der Verein damals hieß. Es war eigentlich schon ausgemacht, dass ich in die Jugendabteilung von Magdeburg wechseln würde. Aber irgendwann kam Buschner mit einer ganzen Armada aus Funktionären nach Schönebeck und sprach bei meinen Eltern vor. Ich wusste davon gar nichts und war unterwegs. Buschner wartete eine Stunde lang auf mich.

Ihr erster Eindruck von Buschner?
Eine eindrucksvolle Figur. Er war ja Sportwissenschaftler am Institut für Körpererziehung und ließ in Jena nach den neuesten Erkenntnissen trainieren. Kein einfallsloses Krafttraining, sondern Akzente auf Beweglichkeit und Schnelligkeit, mit Gymnastik und Akrobatik. Wichtiger aber war seine Persönlichkeit, seine Ausstrahlung. Wenn Buschner sprach und seine Gedanken mit großen Gesten untermauerte, dann hörten alle zu. Er war ein großer Rhetoriker, ein brillanter Denker.

Und er formte eine Mannschaft, die den DDR-Fußball der sechziger Jahre prägte.
Ohne Buschner hätte es die großen Erfolge in Jena schlichtweg nicht gegeben. Wir wurden 1960 gleich FDGB-Pokalsieger und dann 1963 Meister. Und wir spielten einen technisch beschlagenen, athletischen, schnellen, schön anzusehenden Fußball.

Zwei schwere Verletzungen bestimmten den Verlauf Ihrer Karriere maßgeblich. Die erste, zugezogen 1966 in Mexiko in einem Freundschaftsspiel gegen Sparta Prag, durch einen üblen Tritt des Verteidigers Jiri Tichy.
Ich war losgelaufen, hatte einige Gegner ausgespielt und wollte gerade abziehen, da kam Tichy herangeeilt und ging mit gestrecktem Bein rein. Schien- und Wadenbein gebrochen. Aus dem mexikanischen Krankenhaus wurde ich dann bald überführt, schon weil die nötigen Devisen fehlten. Das Bein war einfach zusammengebunden worden, alles wuchs falsch zusammen.

In Thomas Striddes verdienstvoller Biografie »Die Peter-Ducke-Story« wird die Rehabilitation als lange Leidenszeit beschrieben.
Das war sie auch. Ich wurde noch einmal operiert. Dann wurde trainiert. Die Muskulatur musste aufgebaut werden. Die Bewegungsabläufe mussten wieder rund werden. Nach vierzehn Monaten stand ich das erste Mal wieder auf dem Rasen und hab zunächst in der Reservemannschaft gespielt. Ich brannte vor Ehrgeiz und wollte mich unbedingt wieder herankämpfen.

Wurden Sie jemals wieder der Alte?
Schwer zu sagen. Die Erfolge der Jahre danach sprechen eher dafür. Die Meisterschaften, die Wahl zum Fußballer des Jahres 1971, der dritte Platz bei Olympia.

Aber Ihr legendärer Antritt! Hans Meyer sagt, was Sie durch die mexikanische Verletzung eingebüßt hätten, sei nur deshalb nicht aufgefallen, weil Sie quasi hinkend noch besser gewesen seien als die meisten anderen.
Wer wollte ihm da widersprechen?

Als die DDR-Nationalelf 1974 endlich zu einem großen Turnier fahren durfte, waren Sie nur Einwechselspieler. Wieder eine Verletzung.
Ich hatte mich im Februar im Spiel gegen den BFC Dynamo verletzt, Torhüter Creydt war auf mein Knie gefallen, Meniskus- und Innenbandschaden. Danach hatte ich mich wieder herangearbeitet, die eigentliche Operation sollte nach der WM stattfinden. Ich wollte unbedingt spielen und saß dann beim Spiel gegen Westdeutschland in Hamburg draußen. Stattdessen ließ Buschner Sparwasser spielen, der dann auch noch das Siegtor schoss, während ich mich draußen warm lief. Obwohl Buschners Taktik aufgegangen war, habe ich mich benachteiligt gefühlt.

Haben Sie Buschner später noch einmal darauf angesprochen?
Ja, sicher. Er hat mir gesagt, er habe mich immer auf der Rechnung gehabt. Aber auch in den anderen Spielen bin ich ja nur eingewechselt worden. Das waren schwere Tage.

Zurück in die sechziger Jahre nach Jena. Als Fußballer müssen Sie in der nicht übermäßig großen Stadt echte Stars gewesen sein.
In der ersten Zeit arbeiteten wir jungen Fußballer vormittags im Zeiss-Werk und trainierten nachmittags. Wenn wir am Wochenende gewonnen hatten, drängelten sich die jungen Arbeiter am Montag um unsere Werkbank und wir mussten erzählen. Wir haben die vom Arbeiten abgehalten. Bis es dem Meister zu bunt wurde und er uns auseinandertrieb. Später wurden wir freigestellt und haben von morgens bis abends trainiert.

Noch ein Wort von Hans Meyer. Der war sich sicher: »In Jena ist alles überschaubar. Wenn da einer gesoffen hat, wusste ich das am nächsten Tag!«
Das war so. Es wusste ja auch jeder, wo wir hingingen. Wir trafen uns immer im »Schwarzen Bären«, zu Weihnachtsfeiern, Partys, an Silvester oder einfach nur so. Wenn wir reinkamen, kamen gleich die Kellner und fragten, was wir gerne hätten, ein Bierchen oder erst mal einen Kaffee? Rührei oder Kartoffeln? Wir sind da aber nie auf allen Vieren rausgekrochen. Wenn wir richtig was trinken wollten, sind wir nach Rudolstadt gefahren.

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