23.03.2013

Der Fußball, mein Leben & ich: Peter Ducke

»Messi erinnert mich an früher«

Er galt als einer der besten Fußballer, die die DDR jemals hervorgebracht hat, doch die innerdeutsche Grenze und eine schwere Verletzung verhinderten eine Weltkarriere. Unter Kennern des Ostfußballs ist Peter Ducke dennoch unververgessen. Wir sprachen mit ihm über sein Lebenswerk.

Interview: Philipp Köster Bild: Imago

Peter Ducke, Hans Meyer wurde einmal gefragt, ob er nicht auch einmal gerne Weltstars vom Schlage eines Ronaldinho trainieren wolle. Meyers Antwort: »Junger Mensch, ich hab’s in Jena doch gehabt, Peter Ducke!«
Das hat mich sehr gefreut. Weil er das ja nicht hätte sagen müssen. Er hätte ja auch die ganzen anderen großartigen Spieler dieser Zeit nennen können. Lothar Kurbjuweit, Harald Irmscher. Aber nein, Ducke.

Dabei hatten Sie anfangs Schwierigkeiten miteinander, als Meyer mit nur 29 Jahren Trainer bei Carl Zeiss Jena wurde.
Manchen Spielern fiel der Wechsel vom altgedienten Coach Georg Buschner, der als Nationaltrainer zum Verband wechselte, zu Meyer leicht. Ich hab mich zunächst schwer getan. Buschner war für mich die Respektsperson schlechthin. Und nun sprach ein Trainer, der jünger war als ich, im gleichen Ton wie der große Meister mit mir. Da hab ich mich gefragt: »Darf der das? Und wie gehe ich damit um?«

Er hat Sie auch mal gesperrt.
Ja, ich hatte mal das Training sausen lassen und war stattdessen mit der Klasse meines Sohnes auf einen Ausflug gefahren. Weil da eine adrette Lehrerin mitfuhr. (lacht)

Letztlich haben Sie sich zusammengerauft.
Meyer war ja zuvor schon Assistenztrainer bei Buschner gewesen und kannte mich. Er wusste, wie er mich zu nehmen hatte und wie er mich erreichen konnte. Ich war ja kein einfacher Spieler.

Sie waren impulsiv, aufbrausend, bisweilen jähzornig.
Bisweilen? Nein, ganz massiv. Ich war voller Emotionen, wenn ich auf den Platz lief. Aber das hat mich und mein Spiel ausgemacht. Sonst hätte ich auch draußen als Ballholer stehen können.

Ihr Spiel hat polarisiert.
Das war mir bewusst. Und ich habe das geliebt. Wenn bei Auswärtsspielen die Aufstellung verlesen wurde und bei meinem Namen wild gepfiffen wurde. So ein Pfeifkonzert, das war Musik in meinen Ohren. In Erfurt zum Beispiel musste man von den Kabinen zum Spielfeld durch die Tribüne. Da saßen die Zuschauer links und rechts und brüllten: »Peter Ducke, du Schauspieler!« Buschner ist dann immer hin und hat gesagt: »Ihr wärt doch froh, wenn ihr einen solchen Schauspieler hättet!« Dabei hat mir das gar nichts ausgemacht.

Es gibt das Meyer’sche Wort, Sie hätten immer nur das gemacht, was Sie wollten. Das ist für einen Trainer nicht immer einfach.
Sicher nicht. Aber die Mannschaft wusste, dass sie durch mich profitiert, und hat mich deshalb auch oft geschützt. Wie oft ist mein Bruder Roland während des Spiels angekommen, wenn ich mich mal wieder mit dem Schiedsrichter angelegt hatte, hat mich weggezogen und angeschnauzt: »Jetzt verschwinde hier!«

Die Gegner boten gegen Sie die härtesten Kaliber auf. Das spornte Sie allerdings eher noch an.
Da waren ein paar harte Jungs dabei. Alois Glaubitz aus Zwickau, der Magdeburger Manfred Zapf, unser Michael Strempel in Jena war auch hart im Nehmen. Manche folgten mir auf Schritt und Tritt, schon wenn wir auf den Platz gingen. Wich ich nach links oder rechts aus, kamen sie gleich hinterher. Und wenn mich mal wieder einer umgehauen hatte, habe ich schon mal gesagt: »Jetzt triff doch wenigstens einmal den Ball!«

Mitunter gingen mit Ihnen die Pferde durch. Beim Pokalfinale gegen Magdeburg 1965 stand es in der 82. Minute 1:1. Weil direkt danach im Stadion die Friedensfahrt gestartet werden sollte, durfte es keine Verlängerung geben. Also gab der Schiedsrichter einen zweifelhafter Elfmeter und pfiff direkt danach ab. Was Sie nicht unkommentiert ließen. »Den Scheißpokal könnt ihr selber behalten«, gerichtet an Schiedsrichter Riedel.
Ich wurde für zehn Wochen Saison-Spielzeit gesperrt, weil ich das Ansehen der sozialistischen Sportbewegung geschädigt hätte.

Ihr Verhältnis zum Staat war zu dieser Zeit ambivalent. Sie waren aufbrausend, mitunter rebellisch. Vor allem waren Sie aber: Fußballer.
Mit Leib und Seele. Es ging ja auch alles so schnell in den ersten Jahren: erstes Oberligaspiel mit 19 Jahren, erstes A-Länderspiel, dann bald schon die erste Reise mit der Nationalmannschaft nach Südamerika. Ich bin mit offenem Mund durch diese Länder gefahren. Die Welt kennenlernen. In ausverkauften Stadien vor 40.000 Leuten spielen. Und was da los war! Wenn wir aus dem Flughafen kamen, warteten schon die Reporter und Fotografen auf uns. Deutschland war denen ein Begriff. Ob wir aus München, Köln und Frankfurt kämen? Nein, riefen wir, wir kommen aus Leipzig, Jena und Rostock. Das ist Ostdeutschland. »Aleman oriental!« Das fanden die Reporter komisch. Warum wir dann nicht eine gemeinsame Nationalmannschaft bilden würden, hakten sie nach. Gute Frage.

Gute Fußballer bekommen gute Angebote. Auf den Reisen ins nichtsozialistische Ausland wurde um Sie geworben, bisweilen offiziell, bisweilen diskret.
Natürlich hatte ich mit Roland darüber gesprochen. Aber uns ging es ja gut. Wir hatten einen Traumjob, hatten unser Hobby zum Beruf gemacht. Das bedeutete nicht, nicht hin und wieder ins Schwanken zu kommen. 1962 bat mich während eines Banketts in Malmö ein Deutscher aus Bremen vor die Tür, dort stand ein Mercedes. Der Mann bot mir 80 000 Mark direkt auf die Hand und sagte: »Sie werden weggefahren und brauchen sich um nichts zu kümmern.« Ich habe dann abgelehnt und blieb in Jena.

Das blieb nicht die einzige Anfrage.
Ich bin nach der Wende mit meinem Anwalt zur Akteneinsicht gefahren. Und in meiner Akte fanden wir dann Postkarten und Briefe von Hertha BSC und Werder Bremen, ich hätte nach Spanien wechseln können oder nach Frankreich. Als ich damals unsere Funktionäre gefragt hatte, wiegelten die immer ab. Keine ernsthaften Anfragen, hieß es immer. Von wegen.

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