29.03.2013

Der Fußball, mein Leben & ich: Kees Bregman

»Wir sind mit dem Moped zum Spiel gekommen«

Gestern einer der besten Liberos der Bundesliga, heute Friseur in Amsterdam. Kees Bregman über seine verblüffende Umschulung, gefälschte Autogramme und seine dunkle Zeit im Gefängnis.

Interview: Christoph Biermann Bild: Volker Schrank

Kees Bregman, Sie sind gelernter Friseur, haben Sie eigentlich jemals einem Ihrer Spielerkollegen die Haare geschnitten?
Ja, ab und zu mal im Trainingslager. Aber meinem Duisburger Mannschaftskameraden Rudi Seeliger habe ich mal die Haare verschnitten, da war er sauer auf mich.

Inzwischen arbeiten Sie seit 20 Jahren als Friseur in Ihrem eigenen Salon in Amsterdam. Hatten Sie vor dem Beginn Ihrer Profikarriere auch schon richtig in Ihrem Beruf gearbeitet?
Oh ja, sogar relativ lange. Ich war immer Spätzünder und bin auch erst mit 23 Jahren Profi geworden. Bis dahin hatte ich noch als Friseur gearbeitet.

War gar nicht vorgesehen gewesen, dass Sie mal mit Fußballspielen Ihr Geld verdienen würden?
Nein, obwohl mein Großvater bei DWS Amsterdam in der ersten Liga gespielt hat und mein Vater zumindest ein guter Amateurspieler gewesen ist. Aber ich bin erst spät vom FC Haarlem entdeckt worden. Mit denen bin ich aus der zweiten Liga in die Eredivisie aufgestiegen. Und weil ich mit 19 Treffern der Torschützenkönig war, hat mich ADO Den Haag verpflichtet. Aber dort habe ich in der ersten Saison nur acht und in der zweiten dann sechs Tore geschossen, das war denen zu wenig.

Sie sind also eigentlich in Holland aussortiert gewesen, als der MSV Duisburg Sie verpflichtet hat?
So kann man das sagen. Als ein Bekannter mir gesagt hat, dass in Duisburg ein Stürmer gesucht wird, habe ich mich dort vorgestellt.

Sie haben sich selbst beworben?
Ja, denn die Weltmeisterschaft 1974 war gerade vorbei und das Interesse an holländischen Spielern in Deutschland sehr groß.

Bernard Dietz erzählt gerne, dass eigentlich ein anderer holländischer Spieler beim MSV Duisburg zum Probetraining eingeladen worden war, Sie als dessen Begleiter aber genommen wurden.
Nein, ganz so war das nicht. Ein anderer Holländer war wirklich zur gleichen Zeit zum Vorspielen da, aber dem war wohl die Bezahlung zu schlecht.

Sie haben sich in Deutschland als einer der elegantesten und verwegensten Liberos der Bundesliga einen Namen gemacht, aber wenn ich das jetzt richtig verstehe, sind Sie als Stürmer gekommen?
Im ersten Jahr habe ich noch Stürmer gespielt und später auch im Mittelfeld. Dann gab es zum Saisonende ein Spiel, in dem unser Libero Detlef Pirsig nach einem Foul an Willi Lippens vom Platz gestellt und acht Wochen gesperrt wurde. Unser Trainer Willibert Kremer hat mich zunächst als Ersatz zum Libero gemacht, und dabei blieb es dann. Pirsig wurde Vorstopper.

Kommt Ihnen das nicht selbst etwas rätselhaft vor, dass ein in Holland aussortierter Stürmer mit 27 Jahren in der Bundesliga zu einem der besten Liberos der siebziger Jahre wurde?
In der »Bild«-Zeitung stand sogar mal: »Das können nur Beckenbauer und Bregman.« Aber das liegt daran, dass ich erst in Deutschland richtig habe Fußball spielen können, vorher durfte ich auf dem Platz immer nur arbeiten. Daran zeigt sich wieder mal, dass man viel mehr leisten kann, wenn einem Vertrauen entgegen gebracht wird.

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