14.09.2011

Der Fußball, mein Leben & ich: Herbert Laumen

»Netzer war der King«

Zum 67. Geburtstag von Günter Netzer noch mal online: Das große Interview mit Herbert Laumen. Als Verursacher des Pfostenbruchs am Bökelberg 1971 wurde der Stürmer unsterblich. Hier spricht er über Autorennen mit Netzer und Diskoabende mit Vogts.

Interview: Tim Jürgens Bild: Volker Schrank



Erzählen Sie!

Es war der 3. September 1967. Wir hatten am Samstag zuvor in Bremen ein Riesenspiel gemacht und 4:0 gewonnen. Sonntags abends sind wir beide dann in Gladbach auf die Rolle gegangen, und ich lernte sie in einer Disko kennen. Berti hat mir später am Abend sogar noch sein Auto geliehen, damit ich sie nach Hause fahren kann.

Günter Netzer gilt bis heute als Stilikone unter den Fußballern. Wie cool war er damals wirklich?

Er war der King, obwohl er von Haus aus eher zurückhaltend war. Günter handelte für uns die Prämien aus oder fuhr nach Herzogenaurach, um einen Puma-Deal für uns an Land zu ziehen. Er schmiss schon mit 21, 22 Jahren den ganzen Laden.

Und jeder in der Mannschaft hat dem Jungspund voll vertraut?

Von ihm hätte man das letzte Hemd bekommen. Es gab damals diese Sammelbilder vom Bergmann-Verlag. Auch da schickten wir Günter in unserem Auftrag hin, weil alle wussten: Netzer holt für uns das Optimale raus.

Im Spiel gegen Hannover 96 erzielten Sie im September 1967 innerhalb von sieben Minuten denn schnellsten Hattrick der Bundesligageschichte.

Kurz zuvor war Jupp Heynckes an die Leine gewechselt. Weisweiler war deswegen ziemlich sauer auf ihn. Darauf hat er vorher in der Kabine natürlich hingewiesen, dass wir dem Jupp mal zeigen sollten, was für einen tollen Verein er verlassen hat. Aber das war kein Grund für meinen Hattrick zwischen der dritten und neunten Spielminute.

Obwohl Weisweiler es nicht gerne sah, wechselten Sie 1971 zu Werder Bremen.

Ich war beleidigt. Denn obwohl ich das fünfte Mal in Folge vereinsinterner Torschützenkönig geworden war und mich auf dem Höhepunkt meiner Karriere befand, wollte mir unser Manager Helmut Grashoff keinen Vier-Jahres-Vertrag geben. Er sagte: »Dafür bist du zu alt.« Dabei war ich erst 27.

Eine seltsame Haltung für einen Manager.

Grashoff saß auf der Mark, der hat nur ausgegeben, was er auch eingenommen hat. Ich war so sauer auf den Verein, dass ich den Vertrag in Bremen schon im Februar beim Auswärtsspiel unterschrieb – das war laut DFB-Statuten damals gar nicht erlaubt. Aber ich wollte einen Strich ziehen. Als das Tor gegen Werder zusammenbrach, hatte ich dort ironischerweise schon unterschrieben. Doch in den letzten neun Saisonspielen schoss ich noch acht Tore. Nach dem letzten Spieltag gab es eine Party beim Gladbacher Vorstand, Dr. Alfred Gerhards, wo mich Weisweiler ansprach, ob man sich nicht noch mal unterhalten könne. Aber es war zu spät.

Grashoff war nicht dabei.

Der fürchtete wahrscheinlich, dass ihm meine Ablösesumme von 180 000 D-Mark noch durch die Lappen geht. Nach unserem Gespräch im Winter habe ich von ihm gar nichts mehr gehört. Wir haben uns erst 1992 ausgesprochen und wieder vertragen.

Warum entschieden Sie sich für Werder Bremen, schließlich waren Sie der Top-Torschütze des deutschen Meisters?

Eigentlich wollte ich gar nicht weg, Borussia war mein Klub. Aber ich war zu stur. Mir lagen Angebote von sieben Vereinen vor, also nahm ich das bestdotierte an. Ein Fehler.

Warum?

In Bremen herrschte Cliquenwirtschaft, die ich aus Gladbach nicht kannte. Totales Chaos. In der ersten Saison erlebte ich fünf Trainer. »Zapf« Gebhardt war ein Langner-Verschnitt, unter dem hätten wir eine hervorragende 4x400-Meter-Staffel abgegeben, aber keine erfolgreiche Fußballmannschaft. Nach drei Monaten kam der 70-jährige Willi Multhaup, der nach drei Wochen von Sepp Piontek abgelöst wurde. Als der für den Trainerschein immer nach Köln fahren musst, vertrat ihn die Klublegende Pico Schütz – und am Ende der Serie kam der Hammer: Fritz Langner. Es konnte alles nicht wahr sein. Ein Alptraum. Wir standen im Pokal-Halbfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern und hatten schon 30 Bundesligaspiele auf dem Buckel. Und Langner trainierte, als wären wir in der Saisonvorbereitung. Wir verloren zu Hause sang- und klanglos mit 1:2.

Gab es auch positive Erfahrungen, die Sie aus Bremen mitnahmen?

Meine Lehre war, dass es manchmal besser ist, auf etwas zu verzichten, wenn man sich in einem intakten Umfeld bewegt.

Warum waren Sie nach dem Weggang aus Gladbach nie mehr so erfolgreich wie vorher?

Mir fehlte sicher auch die Führung durch einen Trainer wie Hennes Weisweiler. Ich kam in Bremen mit dem Trainer nicht zurecht. Also wechselte ich nach der Saisonvorbereitung mit Werder 1973 nach Kaiserslautern, weil sich dort Atze Friedrich das Bein gebrochen hatte. Auch dort hatte ich keine herausragende Zeit, aber beim 7:4 gegen Bayern München habe ich wenigstens in einem denkwürdigen Spiel noch mal zwei Tore gemacht.

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