Der Fußball, mein Leben & ich: Herbert Laumen

»Netzer war der King«

Zum 67. Geburtstag von Günter Netzer noch mal online: Das große Interview mit Herbert Laumen. Als Verursacher des Pfostenbruchs am Bökelberg 1971 wurde der Stürmer unsterblich. Hier spricht er über Autorennen mit Netzer und Diskoabende mit Vogts. Der Fußball, mein Leben & ich: Herbert LaumenVolker Schrank

Herbert Laumen, Sie haben in 267 Bundesligaspielen 121 Treffer erzielt. Das berühmteste Tor, an dem Sie beteiligt waren, ist jedoch am 3. April 1971 im Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen zusammengebrochen.

Wenigstens habe ich Fußballgeschichte geschrieben. Ich kann sagen: Wegen mir gibt es bis heute Aluminiumtore in den Stadien.

Der Legende nach sollen Sie sich minutenlang kaputtgelacht haben, als das Tor zusammenbrach.

Überhaupt nicht. Ich hing im Netz und hörte, wie leise der Pfosten knarzte. Schließlich sah ich aus dem Augenwinkel, wie das morsche Holz in Zeitlupe neben mir abbrach. Ich musste in Deckung gehen, damit ich nicht von der Latte erschlagen wurde. Das war im ersten Moment überhaupt nicht lustig.

Welche Tore sind Ihnen sonst noch in Erinnerung geblieben?

Sehr viele. Spielentscheidende Treffer gegen die Bayern oder ein Flugkopfball gegen 1860 München. Eins meiner schönsten Tore wurde übrigens nicht gegeben. Gegen Schalke 04 habe ich Norbert Nigbur aus 35 Metern mal den Ball genau in den Knick geschossen. Erst als ich meinen Jubellauf beendet hatte, merkte ich, dass der Schiedsrichter abgepfiffen hatte, weil Horst Köppel im Abseits stand und dem Nigbur angeblich die Sicht verdeckt hatte.

Jubellauf? Gab es auch zu Ihrer Zeit schon solche Rituale?

Natürlich. Heute wiegen die Jungs ihre unsichtbaren Babys, in meiner Zeit sprang ein Stürmer in die Luft und ballte die Hand zur Faust. Das hatte Lothar »Emma« Emmerich vom BVB geprägt, und viele orientierten sich damals daran.

Können Sie beschreiben, was für ein Typ Spieler Sie zur aktiven Zeit waren?

Ich brauchte den Druck, um Höchstleistungen abliefern zu können. Hennes Weisweiler war perfekt als Trainer für einen wie mich. Der wusste genau, wann er mich zur Ordnung rufen musste und wann er mich an der langen Leine lassen konnte. Ich habe unter ihm nicht von ungefähr 124 Spiele in Folge gemacht –
und das als Angreifer. Ohne Weisweilers Führung tat ich mich schwerer. Erich Ribbeck, der später mein Trainer in Kaiserslautern war, hat sogar mal meine Frau angesprochen, sie solle darauf achten, dass ich mehr trainiere.

Sie sind Borussia Mönchengladbach bereits im Jahr 1953 beigetreten.

Damals war Borussia noch ein klassischer Fahrstuhlverein, der nie lange in der Oberliga mitspielte. Mit unseren Jugendmannschaften aber sind wir immer Meister geworden. Als Fritz Langner 1962 Trainer wurde, holte er sechs A-Jugendliche zu den Herren. Damit legte er den Grundstein dafür, dass Gladbach in erfolgreichere Bahnen kam. Das Problem aber war: Langner war Profitrainer, der nicht berücksichtigte, dass wir Spieler noch im Berufsleben standen.

Sie waren als Buchdrucker tätig.

Ich fuhr jeden Morgen um 6 Uhr zur Arbeit nach Düsseldorf. Am späten Nachmittag kam ich nach Hause und schleppte mich zum Training. Und dann zwei Stunden mit Langner … Manchmal ließ er komplett ohne Ball trainieren, davon eine Stunde nur traben, sprinten, traben, sprinten.

Ein klassischer Schleifer.

Bei ihm gab es nie Lob, nur Druck. Er hat auch in der Saison am Freitag vor dem Spiel noch so hart wie in der Vorbereitung trainieren lassen. In seiner Zeit bin ich oft sehr ungern zum Training gegangen, weil ich wusste: Wenn ich nach Hause komme, bin ich vollkommen fertig. Und morgens um fünf Uhr musste ich ja wieder raus.

Vom Profileben waren Sie also noch weit entfernt.

Ich habe noch bis 1967 in Düsseldorf gearbeitet, bis 1964 jeden Tag volle acht Stunden. Unter Langner machten wir auch zweimal die Woche nach der Einheit noch Mannschaftssitzungen, die teilweise bis Mitternacht gingen. Und zum Abschluss sagte er frech: »Jungs, geht früh schlafen.«

Als Fritz Langner im April 1964 zu Schalke 04 wechselte, sagte er missbilligend über Ihr Team: »Ich kann aus Ackergäulen keine Rennpferde machen.«

Den Spruch hat er zwei Jahre später bereut. Da haben wir Schalke mit 11:0 geschlagen. Mein Gegenspieler Friedel Rausch sagte: »Um Gottes Willen, hört doch auf.« Dabei wollten wir die gar nicht vorführen.

Sondern?

Einfach nur Tore machen. Wir waren nicht zu bremsen, Hennes Weisweiler hatte uns torhungrig gemacht. Das Spiel fand auf Schnee statt. Einige von den Schalkern hatten irrtümlicherweise Noppenschuhe angezogen und rutschten ständig aus.

Sie waren nach Langners Weggang zur legendären Fohlenelf gereift und in die Bundesliga aufgestiegen.

Mit Hennes Weisweiler begann in Mönchengladbach eine neue Zeitrechnung. Er stellte komplett auf junge Leute um und ließ offensiv spielen: Bernd Rupp kam aus Wiesbaden, er passte perfekt zu unseren schnellen Angreifern, zu Jupp Heynckes und zu meiner Wenigkeit. Wir hauten alles weg, was an den Bökelberg kam.

Was machte Weisweiler besser als Langner?

Fritz Langner war ein Feldwebel, er gab ständig nur Feuer. Weisweiler hat gemerkt, dass es auch Spieler gibt, die eine andere Ansprache brauchen. Wer bei Langner schlecht spielte, saß am nächsten Samstag auf der Tribüne. Weisweiler sagte: »Ihr könnt auch mal schlechter spielen, Hauptsache, ihr arbeitet daran.«



Er führte bei Borussia ein, dass Sie vor jedem Spiel ins Trainingslager ins benachbarte Süchteln fuhren.

Es war immer dasselbe Ritual: Freitags um 11 Uhr war Training, anschließend fuhren wir in Fahrgemeinschaften rüber zum Parkhotel. Dort wurde gegessen. Mittagsruhe. Anschließend gingen wir Kaffee trinken, danach über Jahre immer derselbe Spaziergang durch den Süchtelner Wald. Und abends fuhren wir nach Mönchengladbach ins Kino. Wir waren mit fünf Autos unterwegs, aber beim Trainingsplatz in Süchteln gab es nur zwei Parkgaragen. Im Kino fing vor der Rückfahrt oft schon das Rennen um einen dieser Plätze an. Die ersten scharrten bereits beim Abspann mit den Füßen.

Beim wem saßen Sie im Auto?

Ich bin oft selbst gefahren. Aber gegen Günter Netzers Karren, die Jaguars und Ferraris, hatte ich mit meinem Mercedes 200 Diesel natürlich keine Chance. Es ging über eine Landstraße zurück nach Süchteln. Die sind gefahren wie die Verrückten, dass da nichts passiert ist …

Und wer bekam die Parkgarage?

Der Netzer immer.

Wer war in Süchteln Ihr Zimmernachbar?

Es gab vier Einzelzimmer, eins davon hatte ich.

Ging Weisweiler mit seinen Spielern nach den Spielen auch mal einen trinken?

Nein, das machten wir schon ohne ihn – und er ohne uns. Er schlief im Trainingslager im Zimmer neben mir. Manchmal hörte ich nachts, wenn etwas umfiel, weil er das Bett nicht mehr richtig fand und sein Co-Trainer rief: »Hennes, du weckst die Jungs…«

Und wie reagierte Weisweiler, wenn ein Spieler zu tief ins Glas schaute?

Wer samstags seine Leistung brachte, hatte mit Hennes kein Problem. Fritz Langner war da ganz anders. Der ist Streife gefahren und hat in den Diskos geschaut, ob einer von uns da ist. Der machte sogar Kontrollanrufe zu Hause.

Sie sagten »Hennes« zum Trainer?

Nein, wir sagten »Chef«. Er duzte uns, nur wenn es hieß »Herbert, Sie wissen doch …« wusste ich, dass es brenzlig für mich wird.

Dennoch hatten Sie auch mit Weisweiler Ihre Probleme.

Es war am Ende der Saison 1965/66. Ich war mit der Position des Rechtsaußen nicht zufrieden und wollte lieber hinter den Spitzen spielen. Er war dagegen, deshalb standen wir eine Zeitlang auf Kriegsfuß. Dann fragte Weisweiler, ob Berti Vogts mit ihm und seiner Frau zur WM nach England fahren wolle. Er war ja so was wie Weisweilers Ziehsohn. Aber Berti und ich hatten schon einen Urlaub im Schwarzwald geplant. Das Ende vom Lied war, dass Berti und ich mit dem Ehepaar Weisweiler für 14 Tage zur WM nach England fuhren.

Wie war der Urlaub mit den Weisweilers?

Wir fuhren nach Ashbourne, in die Nähe des Trainingszentrums der deutschen Mannschaft. Unser Tag begann um 9 Uhr auf diesem Platz, wo wir zu dritt unsere Einheiten machten. Um elf Uhr kam dann die Nationalelf, und wir gingen frühstücken.

Konnte man gut mit ihm reden?

Er ließ Meinungen zu. Ein Beispiel: Hennes Weisweiler war ein Trainer, der lieber 5:4 als 1:0 gewann, aber als wir 1965 in die Bundesliga aufstiegen, wurde das zum Problem. Wir brauchten Verstärkung in der Abwehr, also sprach Günter Netzer mit ihm. Daraufhin handelte Weisweiler: Am letzten Spieltag der Saison 1968/69 fuhren wir ohne ihn zum Spiel bei Werder Bremen – und verloren 5:6. Der Chef aber blieb in Köln, wo an diesem Tag der FC gegen Nürnberg gegen den Abstieg spielte. Wolfgang Weber spielte in Köln, Ludwig Müller beim FCN. Weisweiler wartete, bis klar war, dass Nürnberg abgestiegen war. Dann ging er in die Katakomben und überredete Luggi Müller, in der nächsten Saison zu uns zu kommen. Wäre Köln abgestiegen, hätte er Weber geholt.

Viele damalige Spieler beschreiben Weisweiler als Vaterfigur.

Das war er. Mit mir fuhr er beispielsweise 1964 in die Firma und sorgte dafür, dass ich nur noch bis 14 Uhr arbeiten musste. Als Berti Vogts verpflichtet wurde, adoptierte er ihn fast, weil Berti ja Vollwaise war. Und mir gab er den Auftrag, mich ein bisschen um Berti zu kümmern.

Wie lief das ab?

Berti lebte noch in Büttgen, was auf halber Strecke zwischen Düsseldorf und Mönchengladbach liegt. Auf dem Rückweg von der Arbeit holte ich ihn fortan jeden Tag zum Training ab. Daraus entwickelte sich eine gute Freundschaft. Wir sind vier Jahre gemeinsam um die Häuser gezogen.

In Günter Netzers legendärer Diskothek Lovers Lane?

Später waren wir dort auch mal, aber höchstens auf einen Absacker. In der Lovers Lane wurde man meist blöd angequatscht. Dort gingen viele hin, um mit den Spielern in Kontakt zu kommen. Nach einem schlechten Spiel ließ man es also gleich bleiben. Berti und ich waren eher in Düsseldorf und Neuss in Diskotheken unterwegs. Übrigens auch an dem Tag, an dem ich meine spätere Frau kennenlernte.



Erzählen Sie!

Es war der 3. September 1967. Wir hatten am Samstag zuvor in Bremen ein Riesenspiel gemacht und 4:0 gewonnen. Sonntags abends sind wir beide dann in Gladbach auf die Rolle gegangen, und ich lernte sie in einer Disko kennen. Berti hat mir später am Abend sogar noch sein Auto geliehen, damit ich sie nach Hause fahren kann.

Günter Netzer gilt bis heute als Stilikone unter den Fußballern. Wie cool war er damals wirklich?

Er war der King, obwohl er von Haus aus eher zurückhaltend war. Günter handelte für uns die Prämien aus oder fuhr nach Herzogenaurach, um einen Puma-Deal für uns an Land zu ziehen. Er schmiss schon mit 21, 22 Jahren den ganzen Laden.

Und jeder in der Mannschaft hat dem Jungspund voll vertraut?

Von ihm hätte man das letzte Hemd bekommen. Es gab damals diese Sammelbilder vom Bergmann-Verlag. Auch da schickten wir Günter in unserem Auftrag hin, weil alle wussten: Netzer holt für uns das Optimale raus.

Im Spiel gegen Hannover 96 erzielten Sie im September 1967 innerhalb von sieben Minuten denn schnellsten Hattrick der Bundesligageschichte.

Kurz zuvor war Jupp Heynckes an die Leine gewechselt. Weisweiler war deswegen ziemlich sauer auf ihn. Darauf hat er vorher in der Kabine natürlich hingewiesen, dass wir dem Jupp mal zeigen sollten, was für einen tollen Verein er verlassen hat. Aber das war kein Grund für meinen Hattrick zwischen der dritten und neunten Spielminute.

Obwohl Weisweiler es nicht gerne sah, wechselten Sie 1971 zu Werder Bremen.

Ich war beleidigt. Denn obwohl ich das fünfte Mal in Folge vereinsinterner Torschützenkönig geworden war und mich auf dem Höhepunkt meiner Karriere befand, wollte mir unser Manager Helmut Grashoff keinen Vier-Jahres-Vertrag geben. Er sagte: »Dafür bist du zu alt.« Dabei war ich erst 27.

Eine seltsame Haltung für einen Manager.

Grashoff saß auf der Mark, der hat nur ausgegeben, was er auch eingenommen hat. Ich war so sauer auf den Verein, dass ich den Vertrag in Bremen schon im Februar beim Auswärtsspiel unterschrieb – das war laut DFB-Statuten damals gar nicht erlaubt. Aber ich wollte einen Strich ziehen. Als das Tor gegen Werder zusammenbrach, hatte ich dort ironischerweise schon unterschrieben. Doch in den letzten neun Saisonspielen schoss ich noch acht Tore. Nach dem letzten Spieltag gab es eine Party beim Gladbacher Vorstand, Dr. Alfred Gerhards, wo mich Weisweiler ansprach, ob man sich nicht noch mal unterhalten könne. Aber es war zu spät.

Grashoff war nicht dabei.

Der fürchtete wahrscheinlich, dass ihm meine Ablösesumme von 180 000 D-Mark noch durch die Lappen geht. Nach unserem Gespräch im Winter habe ich von ihm gar nichts mehr gehört. Wir haben uns erst 1992 ausgesprochen und wieder vertragen.

Warum entschieden Sie sich für Werder Bremen, schließlich waren Sie der Top-Torschütze des deutschen Meisters?

Eigentlich wollte ich gar nicht weg, Borussia war mein Klub. Aber ich war zu stur. Mir lagen Angebote von sieben Vereinen vor, also nahm ich das bestdotierte an. Ein Fehler.

Warum?

In Bremen herrschte Cliquenwirtschaft, die ich aus Gladbach nicht kannte. Totales Chaos. In der ersten Saison erlebte ich fünf Trainer. »Zapf« Gebhardt war ein Langner-Verschnitt, unter dem hätten wir eine hervorragende 4x400-Meter-Staffel abgegeben, aber keine erfolgreiche Fußballmannschaft. Nach drei Monaten kam der 70-jährige Willi Multhaup, der nach drei Wochen von Sepp Piontek abgelöst wurde. Als der für den Trainerschein immer nach Köln fahren musst, vertrat ihn die Klublegende Pico Schütz – und am Ende der Serie kam der Hammer: Fritz Langner. Es konnte alles nicht wahr sein. Ein Alptraum. Wir standen im Pokal-Halbfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern und hatten schon 30 Bundesligaspiele auf dem Buckel. Und Langner trainierte, als wären wir in der Saisonvorbereitung. Wir verloren zu Hause sang- und klanglos mit 1:2.

Gab es auch positive Erfahrungen, die Sie aus Bremen mitnahmen?

Meine Lehre war, dass es manchmal besser ist, auf etwas zu verzichten, wenn man sich in einem intakten Umfeld bewegt.

Warum waren Sie nach dem Weggang aus Gladbach nie mehr so erfolgreich wie vorher?

Mir fehlte sicher auch die Führung durch einen Trainer wie Hennes Weisweiler. Ich kam in Bremen mit dem Trainer nicht zurecht. Also wechselte ich nach der Saisonvorbereitung mit Werder 1973 nach Kaiserslautern, weil sich dort Atze Friedrich das Bein gebrochen hatte. Auch dort hatte ich keine herausragende Zeit, aber beim 7:4 gegen Bayern München habe ich wenigstens in einem denkwürdigen Spiel noch mal zwei Tore gemacht.



Und Erich Ribbeck machte Ihnen ordentlich Beine.

Er sagte, ich sei ein fauler Sack. Ich war mir wohl insgesamt zu sicher, dass ich immer spiele, weil Ribbeck mich geholt hatte. Das war nicht besonders gut. Wie gesagt: Mir fehlte Hennes Weisweiler.

Horst Köppel und Jupp Heynckes kehrten als Spieler beide noch einmal nach Gladbach zurück. Warum Sie nicht?

Nach dem Gespräch mit Weisweiler auf der Party von Dr. Gerhards, wo er versucht hatte, mich umzustimmen, war es vorbei. Und zugegeben: Meine Leistungen in Bremen und Kaiserslautern waren auch nicht mehr so überragend.

Trotz Ihrer vielen Tore haben Sie nur zwei Länderspiele gemacht.

Mein Pech war, dass ich mit Gerd Müller und Uwe Seeler zwei Konkurrenten im Angriff hatte, an denen ich nicht vorbei kam. Die waren eben die Besten, die wir hatten.

Trotzdem wären Sie beinahe mit zur WM 1970 nach Mexiko gefahren.

Ich war schon in Stuttgart beim DFB-Schneider gewesen, um Maß für den Nationalmannschaftsanzug nehmen zu lassen. Aber im letzten Augenblick nominierte Helmut Schön den Helmut Haller nach, und ich flog aus dem Kader. Mir war klar, dass ich wahrscheinlich nicht zum Einsatz gekommen wäre, dennoch war ich sehr enttäuscht, dass ich nicht mitfahren durfte.

Herbert Laumen, verraten Sie uns doch abschließend, wie Sie 1966 mit Hennes Weisweiler das Kriegsbeil begraben haben.

Es war am Ende des gemeinsamen Urlaubs in England. Auf dem Flughafen von Birmingham sprach ich ihn an, er solle mich in der nächsten Saison von Rechtsaußen ins offensive Mittelfeld verschieben. Damals wechselte gerade Hacki Wimmer von Borussia Brand zu uns nach Gladbach, der auch als Außenstürmer taugte. Weisweiler sagte, wir könnten es mal mit ihm als Rechtsaußen versuchen.

Mit anderen Worten: Hennes Weisweiler lenkte ein.

Vielleicht hat er verstanden, dass ich recht hatte. Den Beweis hatte ich schon am Ende der Vorsaison angetreten.

Bei welcher Gelegenheit?

Jupp Heynckes spielte in den letzten drei Spielen der Serie wegen einer Leistenoperation nicht mehr. Mit einer ziemlich ersatzgeschwächten Mannschaft traten wir dann bei 1860 München an, dem kommenden Deutschen Meister. Die Sechziger ließen über die Zeitung mitteilen, dass sie gegen uns etwas fürs Torverhältnis tun wollten. Das motivierte uns. An diesem Tag nahm das Leben eine entscheidende Wendung. Denn obwohl ich hinter den Spitzen spielte, erzielte ich drei Tore. Wir glichen einen 1:3-Rückstand noch aus. Über dieses Spiel sprach ich mit Weisweiler dann lange am Flughafen in Birmingham.

Eine taktische Korrektur veränderte Ihr Leben als Fußballer?

Bis zu meinem Weggang war ich danach jede Saison der Torschützenkönig der Borussia. Ganz ehrlich, ich hätte später nie so viele Tore geschossen, wenn Weisweiler nicht auf meinen Wunsch eingegangen wäre. Vielleicht wäre ich in der Versenkung verschwunden. Als ich vergangenes Jahr in München war, bin ich deswegen extra noch mal zum Grünwalder Stadion gefahren.

Warum?

Um mich daran zu erinnern. Ich ging allein um das Stadion, die kleine Straße entlang, wo früher die Kabinen waren, und dachte daran, wie sich hier einst meine Profikarriere zum Positiven gewendet hatte ...

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