20.11.2011

Der Fußball, mein Leben & ich: Buffy Ettmeyer

»Eng wie ein Kondom«

Hans »Buffy« Ettmayer, der bullige Spaßfußballer aus Wien, über Initiationsriten mit Schuhcreme, geheime Vertragsverhandlungen mit Robert Schwan und einen Trainer, der ihn anflehte, mehr zu essen.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago
Hans Ettmayer, die Welt kennt Sie nur als »Buffy«, was auf tschechisch soviel bedeutet wie »Dickerchen«.

Hans Ettmayer: Den Namen verpasste mit der Trainer Leopold Stastny, der mich 1966 zu Wacker Innsbruck holte. Damals trugen alle Spieler irgendwelche Spitznamen.

Waren Sie denn damals ein Kraftpaket?

Hans Ettmayer: Kann man schon sagen. Zur aktiven Zeit wog ich bei einer Größe von 1,72 Meter immer zwischen 83 und 85 Kilo. Ich esse halt gern und besonders gern süß. Kuchen, Eis, Schokolade.



Gesunde, profigerechte Ernäherung, wie Sie heute obligatorisch ist, war also nicht Ihr Ding.

Hans Ettmayer: Mit den heutigen Trainer hätte ich mich schon beim Frühstück in die Wolle gekriegt. Als ich in Stuttgart spielte, ordnete Trainer Hermann Eppenhoff im Trainingslager vor in Herzogenaurach an, ich solle abnehmen. Also hungerte ich mich auf 79,9 Kilo runter, die Mitspieler applaudierten. Doch beim ersten Freundschaftsspiel kickte ich wie der letzte Depp. Nach dem Abpfiff kam Eppenhoff und sagte: »Buffy, ich bitte Dich, friss wieder.«

Ihre Leibspeise zur aktiven Zeit?

Hans Ettmayer: Ein großes Filet, medium gebraten, mit soviel Sauce Béarnaise darüber, dass man kein Fleisch mehr sehen konnte.

Es heißt, Sie würden heute spielend 20 Kugeln Eis verdrücken.

Hans Ettmayer: Das ist übertrieben. Hier um die Ecke beim »Wachthaus«, einem guten Italiener, hau mir schon mal sieben, acht Kugeln rein. Und hinterher zwei auf die Faust.

Sie kokettieren mit Ihrer Körperfülle. Aber mal ehrlich, hat es Sie zumindest zur Profizeit nicht geärgert, wenn die Leute darüber witzelten?

Hans Ettmayer: Nein, es gibt aus meiner Perspektive nur gute und schlechte Spieler, nicht dicke oder dünne. Und ich war nie ein Spaghetti. Ich muss dem Stastny doch dankbar sein. Den Hans Ettmayer kennt doch kein Mensch. Aber wenn ich sage »Buffy«, wissen alle Bescheid. Der »Buffy« ist legendär.

Keine Schmähung, die Sie jemals genervt hat?

Hans Ettmayer: Nur einmal. In der Saison 1974/75 übernahm in der Albert Sing den abstiegsbedrohten VfB Suttgart. Ein Trainer vom alten Schlag, er kam mit meiner lockeren Art überhaupt nicht zurecht. Bei der Mannschaftsbesprechung stehe ich plötzlich nicht in der Startelf. Ich frage also: »Warum spiele ich nicht?« Sagt er: »Weil du zu dick bist!« »Ich habe schon immer so ausgesehen.« »Nein, es gibt Bilder, da warst Du dünner.« Darauf ich: »Das war dann wohl mit einer Schmalfilmkamer fotografiert.« Dafür brummte mir der Klub 1000 Mark Strafe auf.

Für Ihr loses Mundwerk sind Sie bis heute berühmt-berüchtigt.

Hans Ettmayer: Ich konnte meine Goschn eben nicht halten. Die Pointe an der Geschichte: Als eine Esslinger Firma für Einrichtungsgegenstände von der Strafe hörte, boten sie an, das Geld zu zahlen, und luden mich außerdem zu einer Autogrammstunde ein. Daraufhin erklärte ich öffentlich: »Wenn das so ist, mach ich ab jetzt jede Woche ‘nen Spruch, da verdiene ich mehr Geld als auf dem Platz« Das gab natürlich wieder Theater.

Das Publikum liebte Sie, die Trainer nur bedingt.

Hans Ettmayer: Als der VfB daheim verlor, kam natürlich raus, dass Sing mich für zu dick hielt. Ein Journalist schrieb: »Bei der Leistung hätte Ettmayer noch fünf Kilo zulegen können und wäre trotzdem bester Mann auf dem Platz gewesen.« Ich saß beim Spiel der Tribüne drei Reihen hinter Präsident Mayer-Vorfelder. Nach dem Schlusspfiff sangen die Fans: »Wir wollen unseren Buffy wieder haben.« Und ich stand auf und dirigierte.

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