12.06.2011

Der Fußball, mein Leben & ich: Bernd Nickel

»Ich war Dr. Hammer«

Mittels seiner Schusskraft deckte er den Bundesligaskandal auf, als »Dr. Hammer« verwandelte er Ecken am liebsten direkt und bei Olympia 1972 lief er fast den Geiselnehmern in die Arme. Für die aktuelle Ausgabe von 11FREUNDE sprachen wir mit Bernd Nickel.

Interview: Tim Jürgens Bild: Imago


Die Eintracht wechselte sehr häufig die Trainer. An welchen Coach haben Sie sonst noch gute Erinnerungen?

Gyula Lorant brachte uns in einer verkorksten Saison die Hierarchie zurück. Unter Hans Dieter Roos waren wir drauf und dran abzusteigen, als dann Lorant kam, verloren wir 23 Mal in Folge nicht mehr.

Was machte er anders?

Er galt als sehr harter Trainer, hatte vorher auch in Offenbach gearbeitet. Aber Grabi und ich fanden einen Draht zu ihm und sprachen ihn auf sein Image an. Da sagte er: »Was soll ich machen? In Offenbach habe ich Spieler, die sind wie Rennpferde. Rennpferde müssen laufen. Aber ihr, ihr könnt spielen Fußball!«

In der Saison 1973/74 fielen Sie mit einer Knöchelverletzung für vier Monate aus.

Ich wurde von der Eintracht zu etlichen Ärzten geschickt, aber keiner konnte mir helfen. Schließlich bin ich auf eigene Faust zu einem Spezialisten gegangen, der feststellte, das es sich lediglich um entzündetes Gewebe handelte. Nach seiner Operation war ich innerhalb von sechs Wochen wieder fit, vorher konnte ich ein halbes Jahr nicht fest auftreten. Damals gab es Hinweise, dass einige Funktionäre es ganz gerne gesehen hätten, wenn ich Sportinvalide geworden wäre.

Aber wieso? Sie waren doch ein 25-jähriger Leistungsträger.

Für einen Invaliden hätte die Versicherung dem Verein 100.000 Mark gezahlt. Und die Eintracht war schon immer sehr knapp bei Kasse. Für mich war es sehr enttäuschend, wie die Leute anfingen, einen Profi zu ignorieren, der verletzt ist. Ich plante in dieser Zeit gerade meine Hochzeit. Gehälter wurden nicht pünktlich gezahlt. Ich war verletzt und fragte, wann ich mit dem Geld rechnen könne, aber es dauerte ewig bis der Verein überwies.

In der Saison 1978/79 hatten Sie innerhalb eines Jahres in beiden Beinen einen Achillessehenriss.

Das war deprimierend, weil ich auch nicht mehr der Jüngste war. Im ersten Saisonspiel auf Schalke riss ich mir die Sehne im rechten Fuß. Aber ich wollte spielen, deswegen war ich schon vor Weihnachten wieder einsatzbereit. Weil ich diese Verletzung nicht ausheilen ließ, leide ich bis heute darunter. Zu allem Überfluss trat ich noch im Dezember in einem Vorbereitungsspiel wieder an – und riss mir die linke Achillessehne. Danach habe ich bis Saisonende nicht mehr gespielt.

Solche Verletzungen können auch heute noch das Karriereende für einen Profi bedeuten. Sie müssen mit einem besonderen Willen ausgestattet sein.

Den Willen meine Ziele zu erreichen, hatte ich schon immer. Als ich damals aus Eisemroth nach Frankfurt ging, musste ich mich allein deshalb durchsetzen, weil ich es als Riesenblamage empfunden hätte, wenn die Eintracht mich abgelehnt hätte.

Welche Ziele hatten Sie sonst noch?

Ich wollte Profi werden, ein Haus bauen, Mercedes fahren und einen Sohn zeigen – das habe ich alles erreicht. Ich habe sogar zwei Söhne gezeugt. (lacht)

1980 haben Sie mit der Eintracht auch den UEFA-Cup gewonnen. Neben drei Erfolgen im DFB-Pokal Ihr größter Triumph als Profi.

Aber damit ging langsam auch eine Eintracht-Ära zuende. Die Stimmung zwischen Mannschaft und Trainer Friedel Rausch war sehr schlecht. Grabi war durch das Foul von Lothar Matthäus schon nicht mehr dabei. Rausch wollte den Holz, obwohl er Kapitän war, zwanzig Minuten vor Schluss auswechseln. Beim Bankett nach dem Spiel saßen wir in der einen Ecke und der Coach mit seinem Clan in der anderen.

Und trotzdem gelang Ihnen der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte.

Weil der Zusammenhalt auf dem Platz stimmte. Mit Willi Neuberger, Bruno Pezzey, Charly Körbel und dem Holz zogen wir die anderen Spieler mit.

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