Der Faustschlag von Trier

»Keine bleibenden Schäden«

Saison 1979/80, 11. Spieltag in der 2. Bundesliga. Im Trierer Moselstadion geraten Werner Vollack und Herbert Heidenreich aus Nürnberg aneinander. Hier erinnern sich die Bundesliga-Urgesteine an einen Faustschlag mit Folgen. Der Faustschlag von Trier

Herbert Heidenreich, Sie spielten 1979 in Ihrer ersten Zweitliga-Saison für den 1. FC  Nürnberg. In der ersten Halbzeit am 11. Spieltag gegen Eintracht Trier soll es heftig zwischen Ihnen und Triers Torwart Werner Vollack gekracht haben. Warum?

Heidenreich:
Ganz genau kann ich es nicht mehr sagen... Bei einer Ecke sind wir aneinander geraten...

Vollack: (unterbricht) Ich weiß es noch ganz genau: Beim Getümmel vor einem Eckball hat mich irgendwer angespuckt. Und ich war mir ganz sicher: Der Heidenreich wars.

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Wie haben Sie reagiert?

Vollack: Zunächst gar nicht, ich hatte ja keine Gelegenheit mehr dazu. Auf dem Weg in die Kabinen lief er mir dann über den Weg...

Heidenreich: Nett gesagt. Wir rannten Auge in Auge aufeinander zu, ich stellte mich vor ihm auf und sagte ein paar freundliche Dinge. Dann zuckte plötzlich seine rechte Faust in meine Magenkuhle und ich klappte zusammen wie ein Taschenmesser. Darauf war ich nicht vorbereitet!

Vollack: Ein bisschen theatralisch war das schon, ich habe ihn zwar getroffen, aber auch nicht voll erwischt. In jedem Fall war es keine Körperverletzung.

Mussten Sie in die Kabine getragen werden?

Heidenreich:
Das nicht, der Masseur war ja gleich da und nach der Pause war ich wieder fit. Ich habe keine bleibenden Schäden davon getragen! (lacht)

Vollack:
Wenn er den Bauch angespannt hätte, hätte er den Schwinger wahrscheinlich gar nicht gemerkt.

Heidenreich:
Du hattest aber auch ordentlich Schmackes in der Faust!

Für Sie, Herr Vollack, hatte die Aktion allerdings Folgen...

Vollack:
Das Spucken hatte keiner gesehen, aber meine Revanche vor der Pause schon. Ein Fernsehmann hat mich nach dem Spiel angeschwärzt, der hatte die Szene im Kasten.

Heidenreich:
Gab das nicht sogar eine ziemlich heftige Strafe?

Vollack:
Allerdings: Das Sportgericht hat mich anschließend zu drei Monaten Sperre gleich zehn Spielen Zwangspause verdonnert. In Frankfurt konnte ich sagen, was ich wollte, das Spucken hatte ja keiner gesehen. Meinen Hieb allerdings schon. Einen positiven Nebeneffekt hatte die lange Sperre allerdings für mich: In der Zeit wurde ich von den Stuttgarter Kickers verpflichtet. Für mich ein sportlicher Aufstieg.

Heidenreich:
Ich erinnere mich wieder: Bei der Geldstrafe ging es auch um monatliche Bezüge. Ich war kurz davor ihm noch Geld rüberzuschicken, weil er so eine merkwürdig geringe Summe angegeben hatte! (lacht)

Dieses Urteil ging als das zweite deutsche Fernseh-Urteil in die Fußball-Geschichte. War der Fußball damals eigentlich härter?

Heidenreich: Vor allem bei den Standards ist es ganz gut zur Sache gegangen. Da hat man sich schon mal mit Ellenbogen Platz gemacht, an der Hose gezogen oder dem Gegenspieler ein paar blaue Flecken auf die Füße gezaubert...

Vollack:
Wenn mir der Heidenreich eine mit dem Ellenbogen verpasst hätte, wäre das nur halb so schlimm gewesen.

Herr Heidenreich, sind Sie eigentlich jemals auch an Ihrem legendären Schnauzer gezogen worden?

Heidenreich: Das nicht. Aber vor einigen Jahren habe ich selber dafür gesorgt, dass er in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Sie werden doch nicht...

Heidenreich:
Zweimal war er schon ab, beide Male wegen einer Wette. Tatsächlich gibt es davon allerdings keine Fotos. Meine Tochter hat sich dann bei mir beschwert. Jetzt sprießt er wieder.    

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