20.03.2013

Der Fan Club Nationalmannschaft wird zehn Jahre alt

»Die Ballack-Choreo  
liegt noch im Keller!«

Der Fan Club Nationalmannschaft powered by Coca-Cola wird heute zehn Jahre alt. Wir gratulieren und sprachen mit Simone Breidenband und Karsten Daebel vom Team, das die aufwändigen Choreografien vorbereitet. Hier sprechen sie über 16 000 Pappen und einen Dankesbrief von Uwe Seeler.

Interview: 11FREUNDE Bild: Imago

Simone Breidenband und Karsten Daebel, Sie haben für Ihre Choreographie beim Spiel Deutschland gegen Schweden in Berlin einen außer-gewöhnlichen Schriftzug gewählt. Wie kamen Sie darauf?
Simone: Die Nationalmannschaft stand nach der EM 2012 und dem anschließenden Freundschaftsspiel gegen Argentinien in der Kritik. Wir vom Choreo-Team des Fan Club Nationalmannschaft haben uns überlegt, dagegen ein Zeichen zu setzen, weil wir weiterhin hinter der Nationalmannschaft stehen.
Karsten: In den Medien war die Rede davon, dass die Blockbildung dem Erfolg der Nationalmannschaft im Weg stehe und der Zusammenhalt im Team nicht so groß wie bei der WM 2010 gewesen sein soll. Wir wollten zurück zu der Mannschaft als »11 Freunde«.

Wie lange brauchen Sie, um eine derart 
riesige Choreo zu planen?
Simone: Die Planungen beginnen zwei Monate vor jedem Heimspiel und brauchen natürlich ihre Zeit: Man muss schauen, welches Motiv sich anbietet, wie viele Plätze zur Verfügung stehen und wer von unserem 100-köpfigen Team mitmachen kann. Drei Wochen vorher beginnt für uns die Endphase. Am Spieltag selber rotieren natürlich alle von früh morgens bis zum Anpfiff. In Berlin mussten wir 16 000 Pappen verteilen.
Karsten: Allerdings sind wir in den letzten Jahren schon sehr viel routinierter geworden.

Wo bekommt man 16 000 Pappen her?
Karsten: Da arbeiten wir eng mit dem Fan Club zusammen. Die Choreo-Motive sind mit dem DFB abgestimmt, über den Fan Club 
wird dann das benötigte Material organisiert. Meistens ist das ein ganzer Kleinbus voll.

Wie machen Sie 16 000 Leuten auf einmal deutlich, dass sie jetzt die Pappen hochheben sollen?
Karsten: Wir laufen mit Megaphonen durch die Reihen, verteilen vorher Flyer und halten große Plakate hoch, auf denen steht: »Beim Einlaufen der Mannschaften hochhalten!« 
Das funktioniert besser, als man denkt. 
Der Mensch ist eben doch ein Herdentier: Wenn einer die Pappe hochhebt, macht der nächste mit.

Wie lange sind Sie schon im Choreo-Team des Fan Club Nationalmannschaft?
Karsten: Wir sind seit der Gründung im Jahr 2003 im Fan Club Nationalmannschaft und im Choreo-Team bin ich seit 2004.
Simone: Ich bin seit WM 2006 fester Bestand­teil des Choreo-Teams und ein Ende ist für uns beide nicht in Sicht. Wir werden auch weiterhin bei jedem Heimspiel die Tribünen für unsere Mannschaft schmücken.

Hat eine Choreo mal nicht geklappt?
Karsten: In Kaiserslautern war einmal ein Loch in einem Buchstaben. Ist natürlich 
ein bisschen schade, wenn man als Betrachter nach so langer Vorbereitung Glücksrad 
spielen muss.
Simone: Aber normalerweise funktioniert 
bei Heimspielen erfahrungsgemäß alles gut. Bei den internationalen Turnieren ist die Durchführung von Choreos am schwierigsten: Die Sicherheitsbestimmungen sind bei Fifa und Uefa einfach schärfer. Da kann es vorkommen, dass man im letzten Moment keine Pappen mehr benutzen darf.
Karsten: Manchmal wird man auch trotz Akkreditierung einfach nicht ins Stadion gelassen oder die Fifa ändert auf den letzten Drücker unser Motiv, weil ein Adler beispielsweise politisch zu heikel sein soll. Dann 
ist Improvisationstalent gefragt. Manchmal 
sitzen wir bis nachts um drei auf dem Zeltplatz und malen Fähnchen an.

Gab es eine Choreo, die komplett abgesagt wurde?
Simone: Besonders schade war, dass wir 
bei der EM 2012 unsere Final-Choreografie nicht aufführen konnten, aber das lag nicht 
an der Uefa, sondern an den Italienern.
Karsten: Bei uns im Keller liegt auch noch seit Ewigkeiten eine Choreo für Michael Ballacks 100. Länderspiel. Alles war schon perfekt geplant und vorbereitet. Nur leider ist es nicht mehr zu Michael Ballacks Jubiläum gekommen. Vielleicht ja mal bei einem Legendenturnier.

Welche war die größte Choreo?
Karsten: Beim Eröffnungsspiel der WM 2006 in München hat das ganze Stadion an unserer Choreo teilgenommen. Wir mussten mit 
den Vorbereitungen vor Ort drei Tage früher anfangen und verteilten 75 000 selbst 
geklebte Fähnchen für eine riesige Welle über das gesamte Stadion. Das war unsere größte Kulisse, weil die ganze Welt zugeschaut hat.
Simone: Die Choreos im Dortmunder Stadion haben auch immer ein riesiges Ausmaß. Die Südtribüne ist vor allem auch extrem steil. Einige Mitglieder des Teams, die nicht ganz schwindelfrei sind, trauen sich gar nicht nach ganz oben.

Welche Choreo war am schönsten?
Karsten: In Leipzig bei einem Freundschaftsspiel gegen Liechtenstein haben wir einen Zauberer auf der Tribüne dargestellt. Das war für mich eine der schönsten – und auf jeden Fall unsere aufwendigste Choreo.
Simone: Ein Adler in Frankfurt war auch sehr schön. Aber im Grunde ist jede Choreo nach all der Planung und dem Aufwand wie ein Kind für mich.

Allerdings hat ein Kind zum Glück eine längere Lebensdauer. Ist es nicht ermüdend, so lang für 60 Sekunden zu arbeiten?
Karsten: Das ist genau der Grund, warum man vom gesamten Freundeskreis für verrückt erklärt wird. Aber der große Aufwand lohnt sich, wenn man das Ergebnis sieht.
Simone: Besonders erfreulich ist auch positives Feedback. Freunde und Verwandte freuen sich immer sehr, wenn Sie unsere Arbeit betrachten. Unsere Bilder werden in den Medien gezeigt und gelobt. Aber das Allerschönste: Die Nationalmannschaft selber hat sich 
bei uns bedankt. Diese Dinge entschädigen für die gesamte Arbeit.

Sind das die schönsten Momente ihres ausgefallenen Hobbys?
Simone: Zu einer gelungenen Choreo gehört für mich vor allem, Teil einer größeren Sache zu sein und mit Leuten aus ganz Deutschland zusammen zu kommen. Diese außergewöhnliche Erfahrung wird dann natürlich gekrönt, wenn Deutschland danach gewinnt. Selbst Dortmunder und Schalker arbeiten in unserem Choreo-Team Seite an Seite und freuen sich miteinander für die Nationalmannschaft.
Karsten: Als wir zum 75. Geburtstag von 
Uwe Seeler eine Choreografie gemacht haben, hat er einen Dankesbrief an uns geschickt. Ein Highlight, dass »Uns Uwe« sich bei uns bedankt. Denn eigentlich wollten wir uns mit der Choreo bei ihm bedanken.

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